Das Bluten der Sparer

In Zeiten niedriger Zinsen müssen sich viele Geldinstitute und Versicherer etwas einfallen lassen. Welche Blüten das inzwischen treibt, durfte ich im vergangenen Monat erleben. Leidtragende sind mal wieder die kleinen Leute, die ihr bisschen Geld irgendwo hinbringen müssen, wenn sie es nicht daheim unter der Matratze verstecken wollen. Das nutzen Banken natürlich gnadenlos aus. Die Sparkasse macht dabei keine Ausnahme.

Wie ich bereits erwähnte, habe ich nach zwanzig Jahren mein Konto bei der Sparkasse Saalfeld gekündigt, weil die Gebühren seit Mai massiv gestiegen sind. Mein Online-Konto kostete zuletzt 7 Euro plus einen Euro je Kontoauszug im Monat. Ich meine, so ein bisschen Papier für einen Kontoauszug, muss doch drin sein. Man holt ja seinen Kontoauszug nicht jeden Tag. Im Oktober tauchte plötzlich eine Buchung von 10 Euro auf meinem Konto auf, von dem nicht mal die Dame der Sparkasse auf Anhieb wusste, um was es sich handelt. Nach einem Rückruf stellte sich heraus, dass es die monatlichen Gebühren für die Bereitstellung der Kontodaten für den Steuerberater waren. (Das ist ein gängiges Verfahren für die einfachere Abrechnung der Umsatzsteuer, für alle die nicht wissen, wozu man das benötigt.) Zur Erklärung, ich hatte im Januar mein Geschäftskonto in ein Privatgirokonto umwandeln lassen und nahm an, das damit alles gelöscht sei. Im August trat eine neue Gebührenordnung bei der Sparkasse in Kraft, die unteranderem auch das Abrufen von Kontendaten über einen Server kostenpflichtig macht. Das stand in dieser Form aber nicht drin, wie mir der Berater der Sparkasse beipflichtete. Außerdem war mir nicht bewusst, dass das bei mir überhaupt noch aktiv ist, nachdem das Konto nun kein Geschäftskonto mehr war. Ich forderte also die 10 Euro zurück, was mir auch zugesagt wurde. Bekommen habe ich aber noch nichts.

Das dumpfe Gefühl, dass mich die Sparkasse loshaben möchte, hatte ich bei meinem letzten Filialbesuch. Da behielt nämlich der Kontoauszugsdrucker meine Karte ein. Einfach so. Zum Glück war die Filiale geöffnet und die Mitarbeiterin konnte meine Karte wieder aus dem Automaten holen. Wiederbekommen habe ich sie aber dennoch nicht. Sie wurde einbehalten, weil sie im Dezember abläuft. Wohlgemerkt, wir hatten erst Oktober. Ich hatte zwar im September eine neue Karte bekommen, da aber das Konto Ende November abgewickelt wird und auf der Karte stand: gültig bis 12/18, nahm ich nicht an, dass ich die neue Karte brauchen würde. Ich steckte sie natürlich nicht ein. Irgendein übereifriger Mitarbeiter der Sparkasse hat sie dann aber vorzeitig aus dem System gelöscht und damit stand ich ohne EC-Karte da. Ich mag mir nicht vorstellen, wie ich mich aufgeregt hätte, wenn mir das am Wochenende an einem Geldautomaten passiert wäre. Wenn ich nicht die Karte vom neuen Konto dabei gehabt hätte, wäre ich ohne Geld dagestanden. Unglaublich!

Die Banken und Sparkassen werden immer erfindungsreicher wenn es ums Geld verdienen geht. Da sind Gebühren, Strafzinsen und zusätzliche Forderungen für simple Dienstleistungen auch in der Zukunft vorprogrammiert. Mein neues Online-Konto bei der Sparkasse Traunstein kostet im übrigen 4 Euro und ich kann so viele Kontoauszüge holen, wie ich möchte – noch!

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