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Bestrafte Naivität

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 186 – »Aufstand der Goldenen« von Susan Schwartz

Die Crew der MAGELLAN verarbeitet noch den Tod ihres Kameraden, als ein Notruf sie erreicht. Während das Flaggschiff im Kriiyrsystem zurückbleibt, um mit den Laurin (Naiir) diplomatische Gespräche zu führen, bricht Perry Rhodan mit der FERNAO und der DOLAN auf, um dem Signal auf den Grund zu gehen. Sie entdecken ein Sonnensystem, dessen Sonne zu einem roten Riesen angeschwollen ist und zwei der inneren Planeten bereits zerstört hat. Schnell wird den Menschen klar, dass ihnen keine Zeit bleibt, die fünf Milliarden Ranaarer auf dem dritten Planeten zu evakuieren. Zwar warten zehntausend ranaarische Schiffe, um den Teil der Bewohner aufzunehmen, der im wahrsten Sinns des Wortes das große Los gezogen hat. Aber es wird nicht reichen, man würde eine ganze Flotte von Schiffen wie der MAGELLAN benötigen.
Da gibt es einen Zwischenfall in einer Biofabrik. Den, dort, von der Allianz gezüchteten Goldenen, gelingt die Flucht. Sie wollen den sterbenden Planeten ebenfalls verlassen und nutzen ihre Intelligenz, um nicht nur die FERNAO sondern auch die DOLAN unter ihre Kontrolle zu bringen. Rhodan sieht hilflos zu, wie die psychopathischen Klone nicht nur unschuldige Ranaarer ermorden, sondern auch Pläne schmieden, um die MAGELLAN zu erobern und sich damit an den Laurin für das Massakar auf Torran-Gar zu rächen, während er und die Crew der FERNAO auf dem sterbenden Planeten festsitzen. Icho Tolot muss eine Entscheidung treffen, die das Leben Vieler über das Leben Weniger stellt, um seine Freunde zu retten.

Es ist nicht alles Gold was glänzt – unter diesen Leitspruch könnte man den Roman von Susan Schwartz einordnen. Dabei enthält der Roman eine Menge wichtiger moralischer Fragen. Auch die Beschreibungen der Ranaarer und ihrer Welt sind plastisch und gelungen. Aber – und hier haben wohl Exposáutoren als auch Autorin gleichermaßen Anteil – das Verhalten von Perry Rhodan und seinen Mitstreitern innerhalb der Geschichte ist mehr als zweifelhaft. Man kann es fast schon töricht nennen, mit welcher Naivität sie den Goldenen in die Falle gehen. Da ist plötzlich nichts mehr übrig von der Cleverness, die die Crew der MAGELLAN und FERNAO in den vergangenen Staffeln an den Tag legte. Dass die Menschen einem Notsignal folgen, obwohl sie im System einer fremden Intelligenz stehen, die für den Tod eines ihrer Freunde verantwortlich ist (absichtlich oder unbeabsichtigt), dem kann ich noch folgen. Helfersyndrom! Aber wie sie sich von den Goldenen auf der Nase herumtanzen lassen, hat mich richtiggehend geärgert. Sowohl Superhirn Eric Leyden, als auch Perry Rhodan selbst, erkennen die offensichtliche Gefahr viel zu spät und selbst dann warten sie nur ab, statt zu agieren. Da hilft auch ein übermotivierter Gucky nicht mehr. Fast scheint es, als wäre die stoische Gelassenheit der Ranaarer ansteckend.

Dass dann auch Icho Tolot und die KI der DOLAN so spielend leicht von den Goldenen aufgehalten werden können, ist der Gipfel der Unglaubwürdigkeit. Ihre Überlegenheit ist mehr als fragwürdig, wenn man bedenkt, wie die Autorin in bester Gruselmanier die Klone zum Leben erweckt. Der Roman erschien wenige Tage nach Halloween und ich hatte die ganze Zeit im Hinterkopf, dass sich die Geschichte wie eine Parodie auf diverse Horrorfilme anfühlt. Vom Zombiestreifen mit unausgereiften Klonen bis hin zu den schreienden Menschen aus »Die Körperfresser kommen«. Diese unfreiwillige Komik empfand ich nicht nur als störend, sondern als beleidigend. Ich möchte als Leser ernst genommen werden. Bei »Aufstand der Goldenen« hatte ich eher das Gefühl verspottet zu werden. Glaubhaft wäre gewesen, wenn die Goldenen fertig ausgebildet aus ihren Tanks gekrochen wären. Das hätte auch besser mit der Erklärung übereingestimmt, dass das Projekt schon vor Jahrhunderten stillgelegt wurde.

Auf die unzähligen wissenschaftlichen Patzer, z. B. dass aus einem Neutronenstern ein Weißer Zwerg entsteht oder eine Sonne zwei Drittel des Himmels einnimmt, will ich gar nicht eingehen. Auch die »infrarotsichtigen Augen« hätte ich verschmerzen können, wenn die Autorin die übertriebene Moral der Menschen bis zum Ende durchdacht hätte. Tolot ist letztendlich derjenige, der die einzig vernünftige Entscheidung trifft und die Goldenen aufhält, bevor sie die halbe Milchstraße in Schutt und Asche legen können. »Die Bedürfnisse Vieler sind wichtiger als das Wohl Weniger« – schon Spock wusste, dass manchmal der Tod Einzelner in Kauf genommen werden muss, um die große Masse vor Schaden zu bewahren. Perry und Co zerbrechen sich den Kopf über das Überleben von achtzig psychopathischen Mördern, während sie am Ende Milliarden Ranaarer ihrem Schicksal überlassen. Der Ranaarische Regierungschef lehnt Rhodans Angebot ab, wenigstens ein paar tausend Ranaarer an Bord der FERNAO und der MAGELLAN unterzubringen. Hat sich irgendjemand Gedanken gemacht, dass vielleicht nicht alle Untergebenen der gleichen Meinung sind? Nein! Diese Aussage wird einfach so akzeptiert und das ist es, was mich am Ende richtig wütend gemacht hat. Auf der einen Seite wird ein moralischer Konflikt geschürt, der eigentlich keiner ist, während auf der anderen Seite der eigentliche Konflikt ignoriert wird. Die Goldenen sind gefährliche Krüppel, die sogar der Allianz gefährlich werden können. Ihr Leben ist zudem eine Tortur, die man dem ärgsten Feind nicht wünscht. Während die Ranaarer ein unschuldiges Volk sind, dass von den Laurin gnadenlos für ihre Zwecke ausgenutzt wurde. Die Parallelen zu den Meistern der Insel sind hier eindeutig.

Versöhnend ist am Ende nur die Erkenntnis von Perry Rhodan, dass was im Sonnensystem der Ranaarer passiert, möglicherweise auch im Solsystem geschieht und sie unbedingt zur Erde zurückkehren müssen. Endlich!

Fazit: »Aufstand der Goldenen« wirkt wie ein, aus der Staffelhandlung herausgelöster Roman, der mit großen Ambitionen daherkommt, die letztendlich einer schlecht durchdachten Story geopfert werden. Ich empfand diesen NEO-Roman nicht nur vergebens, sondern als einen Schlag ins Gesicht. Da kann man als Autor/in noch so stilsicher schreiben, wenn man den großen Fehler begeht und seine Leser nicht ernst nimmt.

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