Christinas Multiversum

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Radleranarchie

Einst wurde hier das Fahrrad erfunden, heute zählt sie zu den Radfahrerstädten Deutschlands und angesichts der vielen Fahrrädern, die hier herumstehen, glaubt man es auch sofort. Die Rede ist von Karlsruhe.

Es sind mal wieder Schlosslichtspiele, was meinen Mann und mich veranlasst hat, hierherzufahren, um dem Event beizuwohnen. Bei unseren Spaziergängen gestern und heute ist mir dann aufgefallen, dass sich viele Fahrradfahrer fast schon Rambohaft durch die Innenstadt bewegen. Da wird kreuz und quer auf den Gehwegen gefahren, in der Fußgängerzone sowieso. Manche fahren wiederum auf der Straße, obwohl ein Radweg vorhanden ist. Andere fahren auf den Gehwegen obwohl daneben eine Fahrradstrasse verläuft. Autos die dort eigentlich nur mit 30 fahren dürfen, fahren teils schneller. An den Ampeln und Kreuzungen herrscht Chaos weil sich Radfahrer und Fußgänger einen Streifen teilen müssen und irgendwie gegenseitig im Weg stehen, oder Radler sich vor der Kreuzung vom Radweg auf die Straße einfädeln müssen. Wenn man um eine Hausecke biegt, kann es leicht passieren, dass man mit einem Fahrradfahrer zusammenstößt. Durch die Vielzahl an Möglichkeiten ist alles irgendwie etwas unübersichtlich angelegt.

In München ist das eindeutig geregelt. Es gibt Radwege und Gehwege, beide sind auffällig voneinander getrennt. Die Radwege dürfen nur in Fahrtrichtung benutzt werden. Es gibt Ampeln für Fußgänger und Radfahrer, sowie klar abgegrenzte Abbiegespuren.

Erschwerend kommt hinzu, dass Karlsruhe eine einzige Baustelle ist. Kaum eine Hauptstraße, die nicht gerade untertunnelt wird. Bauzäune und Absperrungen sorgen dafür, dass sich keiner mehr so richtig auskennt, wo man als Radfahrer entlang fahren kann und wo nicht. Ich glaube, dass dieses Gemisch aus Alternativen dazu führt, dass keiner klarsieht und jeder fährt, wie er lustig ist. Was für Fußgänger in brenzligen Situationen enden kann. Ständig blickt man sich um, ob sich nicht gerade von hinten ein Radfahrer nähert, der einem gefährlich werden kann. Jedenfalls ist uns das heuer extrem aufgefallen.

Aber wer weiß, vielleicht setzen die Stadtväter absichtlich auf ein bisschen Anarchie, um das Leben ihrer Bürger spannender zu machen oder die Leute zu mehr Aufmerksamkeit zu erziehen. Vielleicht steckt aber auch die Absicht dahinter, dass gefälligst mehr mit dem Auto fahren sollen. Damit die teuren Straßen und Tunnel die gerade entstehen, später auch genutzt werden.

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One Response to “Radleranarchie”

  1. September 2nd, 2018 at 18:11

    Norbert Fiks says:

    Christina, du kannst ja mal nach Leer kommen. Da ist es auch nicht besser als in Karlsruhe. Nur kleiner. Am schlimmsten sind die Radfahrer, die einem – ausgestattet mit Schutzhelm und Knieschonern – auf der falschen Straßenseite entgegenkommen und sich dann nicht entscheiden können, ob sie links oder rechts an einem vorbeifahren sollen. Und pubertiertende Mädchen auf Hollandrädern mit Kopfhörern im Ohr und Handy in der Hand, die grundsätzlich davon ausgehen, dass man sich in Luft auflöst.

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