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Die zehn Gesänge

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 177 – »Die Kavernen von Impos« von Oliver Plaschka

Während Perry Rhodan und die Eisbrecher auf der Oberfläche noch immer die Angriffe der Hornschreckwürmer abwehren müssen, erforschen Eric Leyden, Icho Tolot und Tuire Sitareh die Unterwelt des Mondes Impos. Dabei stoßen sie auf eine Kontrollstation der Memeter. Mit jener Technik könnte das drohende Erwachen des Suprahets aufgehalten werden, doch die Installationen sind an vielen Stellen zerstört. Leyden beweist Mut als er sich in eine gefährliche Situation begibt, um einen Teil der Anlage wieder in Gang zu setzen. Aber es wartet noch eine weitere Überraschung in den Tiefen des Mondes. Eine Gruppe Blues ist vor vielen Jahrtausenden abgestürzt. Drei Überlebende konnten sich in Schlafkapseln über die Zeit hinweg retten und bekommen Hilfe durch die Menschen. Die FERNAO soll nach Apas aufbrechen, um die gefundenen Blues nach Hause zu bringen und um das Enzym Katlyk zu besorgen, das zur Befreiung der Arche benötigt wird.

Die Expedition durch den Untergrund von Impos beschreibt Oliver Plaschka mit viel Fantasie. Das Menschliche seiner Figuren steht dabei im Vordergrund. Ausführliche Technikbeschreibungen oder ausschweifende Actionszenen sucht man in seinen Romanen vergebens. Sie fehlen aber auch nicht. Er bezieht Spannung aus dem Zusammenspiel der Figuren und das ist oft schwieriger als ein gut geschilderter Zweikampf. So gehört der kurze Dialog zwischen Perry Rhodan und Mama Suk zum besten, was ich bisher bei NEO gelesen habe. In wenigen Absätzen charakterisiert der Autor die Figur der alten Vietnamesin besser, als alle Autoren in den Romanen zuvor.

Neben Kai Hirdt gehört Oliver Plaschka zu jenen NEO-Autoren, die Eric Leyden am intensivsten Leben einhauchen. Dabei ist gerade bei solch einer Figur der Grat besonders schmal, zwischen ernsthafter Charakterisierung und dem Abgleiten in Klischees. Sein Leyden ist glaubwürdig und bleibt trotz seiner Exzentrik liebenswert.

Jeder NEO-Roman des Autors wies bisher eine Besonderheit auf, bei »Die Kavernen von Impos« ist es eine ungewöhnliches Erzählweise. Die Geschichte der gestrandeten Blues erzählt der Autor nämlich rückwärts. Ich fand das ungeheuer faszinierend. Obwohl man wusste, was mit ihnen geschieht, war es doch spannend zu erfahren, wie sie dorthin gekommen sind und vor allem warum. Dabei gelingt es Oliver Plaschka wie schon Rainer Schorm in Band 175, die Außerirdischen in ihrem Kampf ums Überleben plastisch zu schildern und Mitgefühl für sie zu wecken. Die Kapitelüberschriften deuten auf eine Charakteristik der Blues hin, bei denen der Gesang ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Es ist vor allem dieser Handlungsstrang, der dem Roman seinen Reiz verleiht.

Die Staffelhandlung bringt er dagegen kaum voran, liefert aber zumindest ein befriedigendes Ende des Impos-Szenarios. Die Bedrohung durch die Hornschreckwürmer und die hyperphysikalischen Effekte im Ovi-System können vorerst eingedämmt werden. So dass die MAGELLAN den Planeten anfliegen und die Gestrandeten an Bord nehmen kann. Wobei noch zu klären ist, was mit der AVEDANA-NAU und den 11 Milliarden Menschen passieren soll. Ganz ehrlich, es wurde auch langsam Zeit für einen Schauplatzwechsel. So spannend das Ovi-System auch sein mag, aber nach drei Romanen bestand die Gefahr, dass sich die Handlung wiederholte.

Mit »Die Kavernen von Impos« zeigt Oliver Plaschka erneut, das ausgefeilte Figurenzeichnung, ein harmonischer Plot und ein außergewöhnlicher Handlungstwist die Qualität eines Romans ausmachen. Da spielt es auch keine große Rolle, dass der Staffelfortgang dahinter zurücksteht.

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One Response to “Die zehn Gesänge”

  1. Juli 10th, 2018 at 2:56

    JL says:

    Freut mich, dass Dir das Zwischenmenschliche (und zwischenbluesische) im Roman gefiel! Ich mache es mir damit übrigens nicht absichtlich schwer — Figurenkonflikte und Interaktion sind die einzige Methode, auf die ich Seiten füllen kann. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie Kollegen es schaffen, ausführliche Kämpfe zu erzählen. Ich kann das nicht, zumindest nicht gut.

    Die Szene mit Mama Suk war eine der ersten Ideen, die ich beim Lesen des Exposés hatte. Eigentlich war hier als Interaktionspartner eher Oxford vorgesehen, der aber auch für die folgende Szene mit den Datenspeichern gebraucht wurde. Und Mama Suk — eine der für mich interessantesten Figuren der letzten Zeit — war noch „frei“. Also dachte ich mir: wo, wenn nicht hier.

    Die Rückwärtserzählweise habe ich schon mal in NEO 91 im Kleinen geprobt: in den Flashbacks auf Jemmicos Vergangenheit. Das macht auch beim Schreiben Spaß, weil man schön mit enttäuschten Hoffnungen der Figuren und Gefühlen der Leser spielen kann. Deshalb habe ich es hier noch einmal prominenter eingesetzt.

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