Der Ruf der Sirenen

Der Samstagmorgen begann mit einem frühen Frühstück im Conhotel. Wir wollten rechtzeitig vor dem Einlass im »Con-Lokal« sein, um die restlichen Publikationen am Stand noch aufzulegen, die inzwischen eingetroffen waren. Kaum war das geschafft, strömten auch schon die Besucher herein. Schnell wurde es in den Räumlichkeiten voll und auch ein wenig zu warm, wobei es an diesem Wochenende überall zu war war, egal ob man sich drinnen oder draußen aufhielt. Der Sommer hatte Wien fest im Griff.

Roman Schleifer moderierte die Eröffnung und überraschte die Zuschauer mit einem besonderen Gast – dem mongolischen Botschafter. Terrania City, die Stadt, die Perry Rhodan nach seiner Rückkehr vom Mond gegründet hat, liegt ja bekanntlich am Goshun-See in der Wüste Gobi, ganz in der Nähe von Ulan-Bator. Was für eine brillante Idee den mongolischen Botschafter zu einem PERRY RHODAN Con einzuladen. Der gute Mann zeigte sich sichtlich begeistert, ob des Umfangs der Serie und dem Enthusiasmus der Fans. Sichtlich begeistert, waren auch die Fans über den Con-Opener von Raimund Peter, in den er wieder richtig viel Arbeit gesteckt hat.

Für den ersten Programmpunkt blieb ich gleich sitzen, denn es ging um NEO. Rüdiger Schäfer wurde über den Fortgang von NEO ausgequetscht und später kam noch NEO-Neuautorin Madeleine Puljic hinzu. Zu viel wurde wie üblich nichts über die Handlung bis Band 150 verraten, aber die Leser erfuhren einige spannende Dinge aus dem Nähkästchen der Exposéautoren.

Im Anschluß folgte Hubert Haensel. Er sprach über die Entstehung der Silberbände. Ich musste aber erstmal an die frische Luft, weil es mir inzwischen zu heiß geworden war. Draußen auf der Sonnenterrasse war es leider nicht viel kühler. Ich trank gerade etwas, als Bernd Robker (alias Robert Corvus) vorbeikam, um ein Video-Interview mit mir zu führen. Kaum hatte Bernd auf den Auslöser gedrückt und ich drei Worte gesagt, ging die Sirene auf dem Dach des quadratischen Gebäudekomplex los. Es hallte so laut, dass mir fast die Ohren abfielen, war aber glücklicherweise nach einer Minute wieder vorbei. Eine Viertelstunde später, Bernd hatte gerade Madeleine Puljic vor der Kamera, das gleiche Spiel. Doch dieses Mal war es ein drei Minuten Dauerton, der uns alle schließlich ins Innere trieb. Und selbst da war der Lärm unerträglich. Ein lachender Haluter oder ein startendes Raumschiff waren nichts dagegen. Es gab auch einige, die sich angesichts der Sirene echte Sorgen machten. Ein Blick ins Internet verriet, das just an diesem 1. Oktober eine Österreichweite Zivilschutzübung stattfand, bei der die Sirenen getestet wurden und sich das Spielchen noch bis 12:45 Uhr mit weiteren Sirenentönen hinziehen würde.

Wir nahmen es mit Humor und gingen erst einmal was essen. Der Veranstaltungsort war übrigens die Kantine der Verkehrsbetriebe der »Wiener Linien«. Das hatte den Vorteil, dass es zwischen 12 und 15 Uhr ein Mittagsbuffet und ansonsten Snacks und Getränke gab. Sogar für Vegetarier gab es zwei Gerichte zur Auswahl und es schmeckte richtig gut. Danach half ich Uwe am PRFZ-Stand aus und signierte mehrere FanEditionen. Einen Teil hatte ich schon am Morgen signiert, damit sie vorrätig waren, falls jemand danach fragte, wenn ich gerade nicht da war.

Einer der unterhaltsamsten Events des Austria Cons fand nicht im Vortragsraum statt, sondern an den Stehtischen im Bistro. Romans Freundin Angelique brachte das exklusive Con-Quartettspiel unter die Leute. Die Packung enthielt aber nicht das vollständige Spiel, sondern bunt gemischte Karten, die untereinander getauscht werden mussten, damit man das Quartett vollständig hatte. Innerhalb kürzester Zeit entspann sich ein, von Verena Themsen organisiertes, wildes Gefeilsche, dass Autoren und Fans beschäftigte. Da ging es zu wie beim Bingo. Jeder rief wild Zahlen Buchstabenkombinationen in die Runde. »5c! Hat jemand eine 5c.« oder »Ich brauche noch eine 6a.« bzw. »Ach, es gibt auch Achter?« Alle legten ihre doppelten Karten auf den Haufen und fischten sich die Karten heraus, die ihnen noch fehlten. Verena Themsen und mir ging nur noch eine 5b ab. Ich hatte Glück und schnappte sie Verena vor der Nase weg. Wenig später hatten alle ihre Quartette vollständig. Jetzt verstand ich auch, was es mit den Jokern auf sich hatte, die ich als Präsent beim Rathausempfang bekommen hatte. Darauf waren die drei Bestsellerautoren abgebildet. (Diese Karten habe ich übrigens doppelt. Wer also nicht beim Empfang war und keine bekommen hat, ich gebe sie gern ab.) Das lustige Kartentauschen führte aber zwangsläufig dazu, dass sich kaum einer für die Buchpräsentation von Andreas Brandhorst interessierte.

Ich wollte ja unbedingt zur Buchpräsentation von Andreas Eschbach. Aber als es soweit war, fehlte vom Autor jede Spur, obwohl er am Vormittag dagewesen war. Roman ließ ihn zuerst ausrufen und ging dann selbst auf die Suche. Um dann zu verkünden, dass man Rüsselmopsvater Reinhard Habeck vorzog und anschließend Robert Corvus über sein Buch »Rotes Gold« sprach. Später erfuhr ich, dass Andreas Eschbachs Frau erkrankt war und er deshalb verständlicherweise nicht anwesend sein konnte.

Nachdem uns die Hitze den ganzen Tag lang, den Schweiß aus den Poren getrieben hat, beschlossen wir kurz ins Hotel zu gehen, um uns für den langen Conabend frisch zu machen. Das Hotel lag ja nur ein paar Gehminuten entfernt. Wieder zurück kamen wir gerade rechtzeitig zum Programmpunkt der PR-Lektoren Rainer Nagel und Michael Thiesen. Eine Thematik die mich brennend interessierte und die von Roman auch großartig moderiert wurde. Gleich im Anschluss erfuhren die Perryfans mehr über das neue Geheimprojekt. Die Miniserie heißt TRIVID und wird ausschließlich als E-Book erscheinen. Geschrieben wird sie von Christian Montillon und Oliver Fröhlich. Da ersterer kurzfristig absagen musste, war es an Oliver, ein wenig mehr über das Projekt zu verraten. Es wird ein Thriller sein, in dem es um das Genom einer Frau geht, mit dem Perry Rhodan erpresst wird. Der Handlungszeitraum liegt zwischen Band 2699 und 2700. Klingt spannend. Das erste E-Book wird bereits im Oktober erscheinen.

Der nächste Programmpunkt wurde von den Fans am meisten erwartet, ging es doch um den neuen Sternengruftzyklus und die Bände bis 3000. Weil Expokrat Christian Montillon nicht nach Wien kommen konnte, sollte Wim Vandemaan per Skype zugeschaltet werden. Das klappte aber aufgrund von sporadischen Netzwerkausfällen nicht und so konnte Roman nur die vorbereiteten Antworten von Christian vorlesen. Das war sehr schade, aber die Wiener hatten zumindest alles versucht. Dafür versammelten sich nochmals alle anwesenden Autoren der EA auf der »Bühne« und plauderten über den aktuellen und den vergangenen Zyklus. Die Zuschauer stellten kniffelige Frage, die von den Autoren nicht immer zur Zufriedenheit aller beantwortet werden konnten. Zum Schluss kamen auch die anderen Autoren hinzu und jeder Leser konnte sich Romanhefte und Autogrammkarten signieren lassen.

Nachdem der Abend bereits sehr weit fortgeschritten war, wurde die geplante Versteigerung auf den nächsten Tag verschoben.

Ich habe an diesem Tag viel geredet, nicht nur mit den Fans, sondern auch mit den Autoren, wie Verena Themsen, Hubert Haensel, Uwe Anton und ziemlich lange mit Kai Hirdt. Kein Wunder, das ich todmüde und völlig überreizt im Hotel ins Bett fiel.

5 thoughts on “Der Ruf der Sirenen

  1. Nur eBook? Vielleicht werd ich langsam ja alt, aber damit kann ich irgendwie nix anfangen. Die Dateien langern dann auf irgendeinem Stick oder ’ner Festplatte und irgendwann sind sie verschwunden :-(

    1. Stimmt! Und du kannst es nicht mal verschenken, wenn es dir nicht gefällt. :-(
      Aber viele auf dem Con hatten gute Argumente, keine Hefte aus Papier mehr zu kaufen.
      Ich lese dennoch lieber klassische Totholzbücher. Allein wegen des Papiergeruchs.

  2. EBooks werden mit dem Benutzerkonto beim jeweiligen Buchshop verknüpft, sodass man sie sich beliebig oft runterladen kann. Absolutes Totschlagargument gegen Papier: Platzverbrauch. Sagt der Verstand. Und trotzdem habe ich auf der Con nur raschelnde Druckwerke eingekauft! :D Jagen, erbeuten, heimzerren, (Verpackung) zerreißen und verschlingen. Sagt das Herz.

  3. hehe, genau. Jäger und Sammler, es steckt in unseren Genen ;-)

    Davon ab, das Downloadargument zieht ob solcher Postings

    http://enpunkt.blogspot.de/2016/10/digitale-krisen.html

    für mich ganz und gar nicht.

    Wenn die Online-Klitsche zu macht ist von einen auf den anderen Tag dein gekauftes (!!) virtuelles Vermögen einfach im Internetnirwana aufgegangen und, wenn es dumm läuft, schlicht weg. Nee nee, da hab ich lieber einen Ivar-Irrgarten im Haus.

  4. Mein Papiergarten hat leider seine maximale sozial-verträgliche Ausdehnung schon erreicht. Außer eBook mit x-Sicherheitskopien seh ich da keine Möglichkeit mehr. Für jedes erlegte Buch das ich anschleppe, muss eines „gehen“ und schön langsam gehen mir die kann-man-getrost-wegschenken/schmeißen-Bücher aus. <.<"

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