Tür zu in der U-Bahn

Es ist zum verzweifeln. An den Tagen, die ich in diesem Monat nach München zur Arbeit gependelt bin, kam ich nicht an einem einzigen pünktlich an. Zwei Mal stand ich morgens am Bahnhof und der Meridian fiel aus unerfindlichen Gründen aus. Da hieß es warten und mit dem EC fahren. Ein paar mal hatte ich in München massive Verspätung. Und am einzigen Tag, an dem bei der Bahn alles reibungslos funktionierte, streikte die U-Bahn. Genau genommen die Türen …

Ich sitze in der U6 und kann kaum glauben, dass es erst fünf nach halb Acht ist. Ich bin seit zwei Stunden unterwegs und freue mich. Denn wenn ich den Bus zehn nach halb bekomme, bin ich fünf vor Acht auf Arbeit.

Der Zug fährt in einen U-Bahnhof ein und bleibt stehen. Die Türverriegelung gibt ein Klacken von sich, doch die Leute zerren für umsonst an den Hebeln. Die Türen des Wagons bleiben geschlossen. Der U-Bahn Fahrer kündigt die Weiterfahrt an. Einer der Passagiere betätigt den Notfallknopf. Die Stimme des Fahrers erkundigt sich nach dem Grund und irgendjemand sagt ihm, dass die Türen nicht aufgehen. Der Fahrer versucht es ein paar mal, die Türen geben ein Klacken von sich, rühren sich aber nicht. Das Spielchen setzt sich eine Weile so fort.

Ich schaue zur Uhr. Meinen Bus kann ich vergessen.

Der Fahrer macht den Zug stromlos. Der Motor erstirbt, das Licht flackert, geht kurz aus und springt wieder an, als auch der Motor wieder läuft. Der Fahrer versucht erneut die Türen zu öffnen. Leider vergeblich. Er kündigt an, zum Wagon zu kommen und die Türen manuell zu schalten.

Schulkinder stehen an den Türen und finden das total spannend. Studenten tippen gelangweilt auf ihren Handys rum und die Berufspendler sind schlicht genervt. Weiter hinten im Wagen plärrt ein Kleinkind, die Mutter versucht vergeblich, es zu beruhigen.

Da kommt der Fahrer im Dauerlauf angehetzt und öffnet von außen die Fahrerkabine des Wagons. Er drückt ein paar Knöpfe auf dem Steuerpult und ein Zischen erklingt. Die Leute können endlich die Türen öffnen und aussteigen. Draußen auf dem Bahnsteig haben sich inzwischen weitere Fahrgäste angesammelt. Die steigen ein. Der Fahrer schlägt die Tür zur Fahrerkabine zu und rennt zurück.

Ich schaue zur Uhr. Gerade fährt mein Bus. Mhm!

Gefühlte Minuten später ertönt der Ruf des Fahrers: »Bitte Zurückbleiben!«. Die Türen schließen sich, doch der Zug bewegt sich nicht von der Stelle. Wieder knackt es verdächtig in der Türverriegelung. Dem Aufruf des Fahrers, nochmals alle Türen zu öffnen, wollen aufmerksame Fahrgäste nachgehen. Leider rührt sich wieder nichts. Die Türen des Wagons bleiben zu. Draußen rennen ein paar verspätete Fahrgäste auf die U-Bahn zu, kommen aber nicht rein. Sie laufen am Zug nach vorn. Anscheinend sind weiter vorn die Türen auf.

Dann ein paar Versuche später, kommt die Durchsage, des Fahrers, dass die U-Bahn wegen einer Türstörung nicht weiterfahren kann und das alle Passagiere aussteigen sollen. Allgemeines Aufstöhnen. Prima! Wenn die Türen aufgingen, würde man der Aufforderung ja nachkommen. Aber so. Wieder drückt einer den Notfallknopf. Der Fahrer wirkt gestresst. Ja, er käme ja gleich.

Und tatsächlich, er kommt angerannt und betritt die Fahrerkabine. Doch dieses mal kommt er direkt und den Wagen und öffnet die Tür, an der ich stehe, in dem er den versiegelten Notfallöffner herumreißt. Er fordert alle Fahrgäste des Wagons auf, durch diese Tür den Wagen zu verlassen. Der Aufforderung wird Folge geleistet, wenn auch mit lautem Gemurmel.

Ich stehe am Bahnsteig und schaue zur Uhr. Den nächsten Bus kann ich ebenso vergessen.

Die Leute um mich herum telefonieren und machen Bilder mit dem Smartphone. Ein kleiner Junge fragt seine Mutter, warum die U-Bahn nicht weiterfährt. Sie erklärt es ihm in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ein andere Junge quengelt seine Mutter an, dass er jetzt den Turnunterricht verpasst und dass er das aber nicht will. Kleine Dramen spielen sich am vollen Bahnsteig ab.

Es dauert eine Ewigkeit bis die U-Bahn endlich losfährt. Und eine weitere Ewigkeit bis die nächste U-Bahn kommt. Die ist natürlich brechend voll, als sie weiterfährt. Es sind noch drei Stationen.

Angekommen, renne ich um mein Leben, die Treppen hoch, um wenigstens noch den übernächsten Bus zu bekommen. Ich bin nicht die einzige, die an diesem morgen jammert und den MVV verflucht. Am gelassensten sind noch die Studenten, die ihre Vorlesung verpassen.

Eine geschlagene halbe Stunde komme ich an diesem Tag zu spät. Alles in allem war ich knapp drei Stunden unterwegs, um zur Arbeit zu kommen. Am Nachmittag erwartet mich der gleiche Weg zurück, vielleicht gehen dann die Türen in der U-Bahn auf.

Als Pendler lernt man eben, was Geduld ist.

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