Christinas Multiversum

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Archiv der Kategorie ‘Rezension’



Merlin in Rom

Quelle: Amazon.de

Die letzte Legion – Ich weiß nicht wie lange der Film schon bei uns im Regal verstaubte, jedenfalls habe ich ihn erst am Sonntag ausgegraben. Er ist auf einer DVD, die irgendwann mal einer Fernsehzeitung beilag. Dabei ist der Film gar nicht so übel.

Es geht um den letzten Kaiser von Rom – der eigentlich noch ein kleiner Junge ist -, einem alten Mann und dem Führer einer Legion. Als die Goten Rom erobern und übernehmen, werden die Eltern des jungen Kaisers ermordet und das Kind nach Capri entführt. Ein paar Legionäre befreien den Jungen und auch einen alten Mann, der ihm als Lehrmeister diente. Alle zusammen fliehen nach Britannien, weil dort angeblich die letzte römische Legion das Kaiserreich verteidigt.

Es kommt natürlich anders als Protagonisten und Zuschauer denken. Die Legion hat sich längst aufgelöst und Britannien wird von einem bösen Herrscher tyrannisiert. Der hat es auf das Schwert des jungen Kaisers abgesehen. Und so kommt es zur finalen Schlacht zwischen Römern und Angeln. Am Ende stellt sich heraus, dass das Schwert Excalibur ist und der junge Kaiser der Vater von König Artus. Der alte Mann ist kein anderer als Merlin der Zauberer.

Mir gefiel der Film, obwohl er schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Die Handlung verbindet das Ende des römischen Reichs mit der Artussage und wird von vielen großartigen Schauspielern getragen. Ben Kingsley als Merlin, Colin Firth als Legionär und sogar Alexander Siddig hat einen Auftritt als böser Nebenspieler mit orientalischem Hintergrund, um nur einige zu nennen. Der junge Kaiser wurde grandios gespielt von Thomas Sangster, der bereits 2003 in den Film »Tatsächlich Liebe …« brilliert hatte.

Wie historisch die Fakten in dem Film sind, weiß ich natürlich nicht, aber die Idee ist gut und hält einen bis zum Schluss bei der Stange. Mich wundert nur, dass ich den Film bisher noch nie gesehen habe. Ich sollte wieder mal unser DVD-Regal durchforsten, vielleicht warten dort noch mehr Schätze darauf, gehoben zu werden.

Transzendenz

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Nachdem Dr. Hubert Zitt auf der Star Trek-Vorlesung im Dezember auf den Film Transcencence hingewiesen hat, haben wir ihn angesehen. Wie schon in Ex Machina geht es um eine künstliche Intelligenz (KI). In diesem Fall wird sie jedoch durch das »hochladen« eines menschlichen Geistes perfektioniert.

KI-Experte Dr. Will Caster wird bei einem Attentat von technikfeindlichen Extremisten mit radioktivem Polonium vergiftet. In der Zeit, die ihm noch bis zum Tod bleibt, versuchen seine Frau Evelyn und sein Freund und Kollege Max Waters, den Gedächtnisinhalt und die Essenz von Will in einer künstlichen Intelligenz zu speichern. Das Experiment glückt, doch die Extremisten sind ihnen auf der Spur. Evelyn gelingt es in letzter Sekunde, Will ins WorldWideWeb zu laden. Von da an entwickelt sich Will zu einem übermächtigen Wesen, dass bald darauf nicht nur Evelyn seinen Willen diktiert. Währenddessen ziehen die Extremisten Max Water auf ihre Seite.
Zwei Jahre später hat die KI ihre Macht ausgebaut und ihre Intelligenz potenziert. Sie rekrutiert vor allem kranke und behinderte Menschen, um sie zu heilen und anschließend zu ihren »Angestellten« zu machen. Als die KI Nanosonden in der Erdatmosphäre aussetzt, um ihren Machtbereich auszudehnen, setzen die Extremisten zum finalen Schlag an.

Dieser Film macht deutlich, wie schmal der Grat ist, zwischen einem Menschen zu helfen und einem Menschen zu schaden. Und dabei spreche ich hier von beiden Seiten, den Extremisten und Will Caster als KI. Im Grunde will Caster Gutes tun und die Wünsche seiner Frau Evelyn erfüllen, Mensch und Umwelt heilen und die Menschheit auf eine neue Evolutionsstufe stellen. Das er dabei einen Schritt zu weit geht, wird auch seiner Frau schnell klar. Er implantiert den Menschen, denen er hilft, einen Netzwerkknoten, denn die Nanotechnologie funktioniert nur, wenn sie mit der KI verbunden ist. Die Auswirkungen sind so weitreichend, das Evelyn sich von ihm abwendet und mit den Extremisten kooperiert, nur um ihren Mann bzw. die KI zu stoppen. Erst zum Schluss erkennt sie, dass es wirklich Will ist und alles, was er tat, auf ihren Wünschen basierte und er dabei keinen einzigen Menschen getötet hat.

Die Extremisten wiederum versuchen die scheinbar menschenfeindliche KI aufzuhalten, wollen das Menschliche im Menschen bewahren und zwar um jeden Preis. Ihre einzige Option ist ein Virus, dass von Max Water entwickelt wird. Über die Konsequenz ihres Handelns scheinen sie sich nicht vollständig im Klaren zu sein. Denn, weil die KI mit jedem Computer auf der Welt verbunden ist, bedeutet das Ende der KI gleichzeitig das Ende des Computerzeitalters. Ein weltweiter plötzlicher Blackout sozusagen. Sie stürzen die Menschheit zurück ins 19. Jahrhundert, ohne Strom, ohne Wasser, ohne Gesundheitsversorgung und nur mit begrenzten Lebensmitteln. Die Umweltschäden, die dabei durch explodierende Kernkraftwerke, verunglückte Flugzeuge und Tanker entstehen, werden im Film nicht mal angesprochen. Es werden auch keine Zahlen genannt, wie viele Menschen durch ihre Tat ums Leben kommen. Es müssten aber Millionen sein.

Am Ende stellt sich dem Zuschauer die Frage: Welches für die Menschheit die bessere Option darstellt? Relative Unsterblichkeit in einem vernetzten Kollektiv, oder der Tod und ein Dahinsiechen in Primitivität in einer verseuchten Umwelt? Eine Frage, die sich so leicht nicht beantworten lässt.

Johnny Depp als Will Castor bleibt den ganzen Film unnahbar und schürt damit beim Zuschauer die Abneigung gegen seinen Charakter, nur um am Ende sein wahres Gesicht zu zeigen. Das fand ich großartig. Rebecca Hall als Evelyn erinnerte mich die ganze Zeit an Scarlett Johansson. Sie spielt die Rolle der zweifelnden Ehefrau ebenfalls sehr überzeugend. Die Extremisten unteranderem Morgen Freeman bleiben dagegen etwas eindimensional.

Spannend und optisch hervorragend umgesetzt, ist der Film nicht nur Freunden intelligenter Science-Fiction-Filme zu empfehlen.

Im Zeichen des Pubertiers

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Nachdem wir zuletzt den Kinofilm gesehen haben, habe ich nun auch das neue Pubertier-Buch – »Und ewig schläft das Pubertier« – gelesen.

Der Film ist ähnlich gut gemacht wie die Serie, wobei mir Jan Joseph Liefers als Pubertiervater besser gefallen hat, als Pasquale Aleardi. Er schien nicht ganz so verplant. Dafür gefiel mir die Darstellerin der Carla in der Serie besser. Witzig war der Gastauftritt von Jan Weiler am Ende des Films, als Buchhändler.

Doch zurück zum Buch. Inzwischen ist es nicht nur ein Pubertier, das dem gestressten Vater auf der Nase herumtanzt. Auch der Sohn verwandelt sich in ein träges und schwer zu verstehendes Monster. Wobei Tochter Carla mit 18 so langsam aus der Pubertät herausgewachsen sein sollte. Gewohnt pointiert beschreibt Jan Weiler den täglichen Kampf mit den hauseigenen »Bestien«, berichtet über schräge Handlungen und sonderbare Eigenheiten seiner beiden Schützlinge im Pubertierlabor. Das ist auch interessant für nicht Pubertierbesitzer. Aber auch die Außenwelt in Form seines Schwagers und des Lehrkörpers wird einbezogen. Das bringt Abwechslung und verschaffte mir den einen oder anderen Lacher. Ich wünschte, der Autor hätte noch mehr solcher kleiner Begebenheiten angeführt. Wobei man als Leser nie weiß, ob ihm das, was er schreibt, wirklich so widerfahren ist.

Somit ist auch der dritte Teil der Pubertierbücher sehr unterhaltsam und zu keiner Zeit langweilig. Das einzige Manko ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. 14 Euro für ein kleinformatiges Hardcover mit 171 Seiten (9,99 Euro kostet das E-Book und 11,49 Euro die Audio CD). Dafür bekomme ich auch ein 500-seitiges Taschenbuch. Das Buch wird bei Amazon als Geschenkbuch geführt, aber für ein Geschenkbuch finde ich es eindeutig zu teuer. Ich persönlich brauche kein Hardcover, mir würde auch ein Taschenheft reichen und vielen anderen Lesern sicher auch. Das war unteranderem der Grund, mir das Buch gebraucht im Antiquariat zu kaufen.

In der Seele der Ostdeutschen

Quelle: Amazon

25 Jahre nach dem Mauerfall erschien 2014 eine Dokumentation über die Ostdeutschen. Warum ich das damals nicht mitbekommen habe, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich ist es in dem Wust an Filmen und Dokus die damals zum Mauerfall überall ausgestrahlt wurden, einfach untergegangen. In den vergangenen Wochen habe ich mir die DVD-Box von »Die Ostdeutschen – 25 Wege in ein neues Land« angesehen.

25 Geschichten, das bedeutet 25 Schicksale in 25 Jahren. Menschen, die durch die Wende viel gewonnen aber auch viel verloren haben, die neuen Wege gesucht und gefunden haben. Manche sind mit dem Erreichten zufrieden, andere wiederum sind noch immer auf der Suche. Aber allen ist eines gemein, sie verbindet eine Vergangenheit in einem Land, das aufgehört hat, zu existieren. Und das heute so fern ist, als hätte es dieses Land nie gegeben. Sie trauern ihrer Heimat nach, nicht jedoch der DDR. Nein, es ist keine »Ostalgie« die in den Interviews mitschwingt. Es sind Erinnerungen an eine Vergangenheit, die so gut und so schlecht war, wie die jedes anderen Bundesbürgers und doch ist sie spürbar, die Verbindung zwischen den so unterschiedlichen Menschen. Sie sind sich dessen bewusst – heute mehr denn je – das sie anders ticken, als ihre Freunde und Bekannten aus dem Westen. Sie ahnen inzwischen, dass ihre Vergangenheit besonderes war und sie damit zwangsläufig zu einem Teil der deutschen Geschichte macht.

Ich wage zu behaupten, dass keiner, der nicht wirklich in der DDR gelebt hat, in irgendeiner Weise nachvollziehen kann, wie unser Leben gewesen ist. Diese Dokumentation öffnet erstmalig einen Blick in die Seele der Ostdeutschen, offenbart ihre Persönlichkeit und beantwortet ganz nebenbei die Frage, warum wir so sind, wie wir sind. Das hat mich schwer beeindruckt.

Jeden, den das Thema interessiert und der erahnen will, was es bedeutet, in der DDR geboren worden zu sein, dem empfehle ich diese Dokumentation. Die DVD-Box bestehend aus 3 DVDs ist bei den einschlägigen Onlinehändlern erhältlich.

War früher wirklich alles besser?

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»Früher war alles schlechter« ist der Titel eines Buches von Guido Mingels, das ich vergangenes Jahr von meinem Mann geschenkt bekam. Auf 115 Seiten werden in anschaulichen Infografiken, Statistiken aus einhundert Jahren aufbereitet. Die Themenvielfalt deckt den ganzen Bereich des menschlichen Daseins ab. Von der Lebenserwartung über Terroranschläge und bis hin zu Bierkonsum und Weißen Weihnachten.

Zahlen lügen nicht, heißt es. Und wenn man sich die Grafiken so anschaut, so ist die Welt tatsächlich nicht so schlecht, wie wir glauben. Früher war tatsächlich vieles sehr viel schlechter. Nur unser Eindruck ist ein anderer, als noch vor zwanzig Jahren. Durch das Internet bekommen wir heute sofort mit, wenn in China mal »ein Sack Reis umfällt« oder in der Nachbarschaft einer die Zeche geprellt hat. Die Flut an Informationen ist es, die uns suggeriert, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht.

Natürlich ist auf der Welt vieles nicht so, wie es sein sollte, aber in manchen Dingen haben wir tatsächlich eine verzerrte Wahrnehmung. Zum Beispiel was die Zahl der Todesopfer von Terroranschlägen in Westeuropa angeht. Die war in den 70er und 80er Jahren doppelt bis dreimal so hoch wie seit dem Jahr 2000. IRA, Eta und RAF töteten manchmal bis zu 400 Menschen im Jahr (nur in Europa). In einer Zusatzinformationen zur Grafik erfährt der Leser, dass Terrorismus eine äußerst erfolglose Form der Konfliktlösung ist, und praktisch alle Terrorgruppen von 1968 bis 2006 scheiterten.

Das kleine Sachbuch zeigt das Leben in nüchternen Zahlen, ist hübsch aufbereitet und mit spannenden Informationen ausgestattet. Ich schlage hin und wieder mal nach, wenn ich irgendwo die Behauptung lese, dass dieses oder jenes früher besser war. Meistens entpuppt sich die Meldung dann als übertrieben. Und das beruhigt mich irgendwie ein bisschen.

Die gebundenen Ausgabe erschien im April 2017 in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist in jeder Buchhandlung oder bei allen Onlinehändlern erhältlich.

Zum Schnurren schön

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Durch Werbung bei YouTube bin ich auf diesen besonderen Dokumentarfilm aufmerksam geworden.

In »KEDI – von Katzen und Menschen« spielen die Katzen Istanbuls die Hauptrolle. Die Stadt am Bosporus muss voller freilebender Katzen sein. Und viele Bewohner kümmern sich aufopfernd um die schnurrenden Vierbeiner. Der Dokumentarfilm stellt einige Katzenpersönlichkeiten und Menschen in den Mittelpunkt, begleitet sie in ihrem Alltag und zeigt ihre Interaktion miteinander. Das ist faszinierend und berührend gleichermaßen.

Dazu kommen großartige Aufnahmen von der Stadt zwischen den Kontinenten. Da kann man sich nicht nur als Katzenfreund kaum sattsehen. Ich haben selten einen so schönen Dokumentarfilm gesehen. Für Katzenfans ist KEDI ein unbedingtes Muss. Vor allem weil die DVD noch umfangreiches zusätzliches Filmmaterial enthält.

»Katzen sind sich der Existenz Gottes bewusst.« Wer wissen will, wie diese Aussage gemeint ist, und warum sie stimmt, der sollte sich diesen Film anschauen.

Ein Katzennarr wie ich wird den Film sicher öfter ansehen. Kostprobe gefällig?

Ein Buch wie eine NOVA

Quelle: Amazon.de

NOVA so lautet der Titel der amerikanischen Ausgabe des Romans von Margaret Fortune. In Deutschland ist er unter dem Titel NEW SOL bei Bastei-Lübbe erschienen.

Die anscheinend rechte junge Autorin – leider gibt es kaum Hintergrund-Informationen über sie – schreibt in ihrem Debüt-Roman über eine Raumstation, eine menschliche Bombe und eine Bedrohung für die Menschheit. Das macht sie auf eine erfrischend unkonventionelle Art. Ihr Roman ist im Ich-Präsens geschrieben. Ein stilistisches Mittel, das ich ebenfalls gern benutze, weil man damit den Leser sehr nah an die Figur binden kann. Das funktioniert nicht immer, aber im Fall der Lia Johnson aus dem Roman ist es ideal. Sowohl Leser als auch Protagonistin sind sich den ganzen Roman über nie sicher, wer oder was sie ist. Immer wenn sie glaubt, es herausgefunden zu haben, wird sie eines Besseren belehrt. Die Autorin spielt sehr geschickt mit den Informationen, die sie Lia und dem Leser gleichermaßen zukommen lässt. Das macht die Geschichte unheimlich spannend. Auch wenn die Grundidee nicht unbedingt originell ist.

In der letzten Hälfte des Romans konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hier bekommt die Geschichte um die menschliche Bombe Lia noch eine weitere Ebene und das macht es sehr sehr spannend. Ich wollte unbedingt wissen, wie der Roman endet. Wird Lia überleben oder zur Nova werden? Und tatsächlich erfährt man erst auf den letzten Seiten, welches Schicksal Lia ereilt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, weil es sich wirklich lohnt, dieses Buch zu lesen.

Man merkt, dass sich der Roman an ein junges Publikum richtet. Lia und ihr Freund Michael sind 16, Michaels Schwester ist 13. Es werden viele Probleme von Teenagern angesprochen, die sich über die Jahrhunderte nicht verändert zu haben scheinen. Das ist oft klischeehaft, aber nicht so schlimm, wie es sich anhört. Problematischer finde ich etwas anderes. In meinen Augen ist die Hintergrundgeschichte nicht sorgfältig genug ausgearbeitet. Man erfährt nicht in welchem Jahr der Roman spielt, warum die Menschen die Erde verlassen haben und auch die politische Situation rund um Sternenbund, Rebellen und Tellurianischer Allianz bleibt trotz Erklärungsversuchen schwammig. Da hätte deutlich mehr Arbeit in den Weltenbau gesteckt werden müssen. Allerdings habe ich eine Ahnung, warum das so ist …

Als langjährige FanFiction-Autorin hatte ich bei NEW SOL die ganze Zeit über das Gefühl, FanFiction zu lesen. Und zwar zur Fernsehserie Babylon 5. Zum einen wegen der Station, deren Beschreibung sich sehr eng an das Babylon-Center anlehnt, aber auch wegen solcher Begriffe wie PsyCorp (PsiCorp) oder Schatten. Selbst den einen oder anderen Schauspieler hatte ich bei manchen Charakteren im Hinterkopf. Bei FanFiction lässt man eine Geschichte in einer bereits bestehenden Welt spielen. Ich nehme an, dass dies bei der ursprünglichen Fassung der Geschichte der Fall war und sich die Autorin später dazu entschlossen hat, die Geschichte als eigenständigen Roman zu überarbeiten. Was man ihr nicht verübeln sollte, denn die Grundidee und die Ausführung der Geschichte sind es auf alle Fälle wert, von einem großen Publikum gelesen zu werden.

Der Roman ist Teil der fünfteiligen Reihe Krieg der Schatten. Band Zwei erschien im November 2017 unter dem Titel PRISMA ebenfalls bei Bastei-Lübbe. In einem Interview äußerte sich die Autorin, dass sie als Leserin mehrbändige Geschichten eigentlich nicht mag, es aber zum Deal mit dem Verlag gehörte, der ihren Debüt-Roman in den USA veröffentlichte. Man kann nur hoffen, dass die weiteren Bände genauso spannend sind und die Autorin die Möglichkeit bekommt, ihr eigenes Universum zu bauen und zu erweitern.

Alte Frauen und ein Bügeleisen

Ich komme gerade aus dem Kino. Richtig, Star Wars Episode VIII.

Nun ja … überzeugen konnte mich der Film nicht. Ich meine, dass Star Wars keine Science Fiction ist, sondern Fantasy, weiß ich ja schon länger. Aber in diesem Film wird es so deutlich, das es wehtut. Da wird die Macht für meinen Geschmack überstrapaziert. Leia, die ohne Raumanzug im Weltraum zurück zum Schiff schwebt? Leute, meintet ihr das wirklich ernst?

Von einer durchdachten Handlung sprechen, kann man auch nicht gerade. Dafür wurden zu viele Baustellen aufgemacht und nicht wirklich fertiggestellt. Oder das, was gebaut wurde, war reichlich trivial. Ich fragte mich die ganze Zeit, welche Aussage der Film hat. Was will er mir sagen? Das man erstmal alles kaputt machen muss, um neu anzufangen?

Das nächste, was mich gestört hat, war diese Gender-Sache. Mir kam es so vor, als bestünde der Widerstand nur aus alten Frauen. Dazu noch Rey und die kleine Asiatin. Sorry, das war mir dann doch eine Spur zu offensichtlich, die Frauen in den Fokus gerückt. So viel Gleichberechtigung geht schon fast nach hinten los.

Das ganz große Problem des Films ist sein Timing. Das stimmte nämlich hinten und vorne nicht. Wie lange verfolgt die Erste Ordung das Rebellenschiff? Stunden, oder Tage? Wie lange werden die Transportschiffe beschossen? Mit dem was in der Zeit dazwischen passiert, wären die hundert mal vernichtet worden.

Noch ein paar Fragen, die mich beschäftigen. Was hat Rey eigentlich von Luke gelernt? Was bedeutet es, das Reys Eltern unbedeutend waren? (Keine unbefleckte Empfängnis in diesem Fall?) Und dann ist ja auch noch Snoke, der Böse der vom Bösen gemeuchelt wurde, quasi im Vorbeigehen. Wer war Snoke und wo kam er her?

Ich könnte noch viele weiteren Fragen stellen. Aber ich lasse es gut sein. Im Vergleich zu »Rogue One« ist Episode VIII einfach nur flach.

Eine gute Szene gab es, und zwar die mit dem Bügeleisen. Grandios!

»taH pagh taHbe«

Quelle: HEEL-Verlag

Wie ein im Saarland lebender Belgier dazu kommt, einen Sprachführer auf Deutsch zu schreiben, ist an sich schon eine spannende Sache. Weil dieser Sprachführer so ungewöhnlich ist, muss ich einfach darüber berichten.

Lieven L. Litaer hat ein Übungsbuch zur klingonischen Sprache geschrieben. Erschienen ist »Klingonisch für Einsteiger« in diesem Jahr im HEEL-Verlag. Der Verlag machte sich vor allem in den Neunzigern und Zweitausender einen Namen im Fandom, weil er viel Sekundärliteratur zu STAR TREK veröffentlichte. Unteranderem erschien hier auch »Das offizielle (klingonische) Wörterbuch« und später »Klingonisch für Fortgeschrittene«.

Lieven L. Litaer weiß wovon er spricht. Er ist Klingonischlehrer und gibt regelmäßig Seminare. Jetzt hat er seine Erfahrungen in einem kleinen Übungsbuch gebündelt. In 10 Lektionen auf 64 Seiten begleitet man den Sternenflottenoffizier Toby Johnson auf seinem Landurlaub auf der klingonischen Heimatwelt Kronos. In kurzen Übungen wird man in die Sprache der Krieger eingeführt. Eine Audio-CD hilft bei der richtigen Betonung. Die Aufgaben richten sich nach dem Muster üblicher Sprach-Übungsbücher. Dabei geht der Autor aber speziell auf die Eigenheiten der Klingonen ein. So lernt man sich bei einem Wettfluchen verbal genauso zu wehren, wie beim traditionellen klingonischen Paarungsritual. Das ist witzig und macht unheimlich viel Spaß. Wichtig beim Lösen der Sprechaufgaben: man muss maßlos übertreiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Lernen in einer Gruppe oder zu zweit noch viel lustiger ist.

Neben den Übungen bietet das Buch auch immer wieder Querverweise auf die Wörterbücher und Fakten zur Grammatik sowie Wissenswertes zur Entstehung des Klingonischen, das von Marc Okrand entwickelt wurde. Dieser schrieb auch das Vorwort und macht das Werk von Lieven Litaer damit sogar offiziell. So weit ich gelesen habe, gibt es auch eine englische Übersetzung. Damit ist »Klingonisch für Einsteiger« wieder ein offizielles STAR TREK-Buch, das zuerst in Europa verlegt wurde, nach der PROMETHEUS-Reihe von Christian Humberg und Bernd Perplies.

Wer sich für exotische Sprachen interessiert, für den ist »Klingonisch für Einsteiger« ein Muss. Einfacher kann man die »am schnellsten wachsende Sprache des Universums« nicht lernen. Das Buch (inkl. Audio-CD) kostet 14,99 EUR und ist im Online Shop bei HEEL und im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

In dem Sinne wünsche ich allen Lernwilligen: Qapla‘!

Übrigens, die Überschrift des Blogeintrages ist ein Zitat aus Hamlet (dem klingonischen Original versteht sich).

Aufstieg zwischen Brodem und Totleben

Quelle: Droemer-Knaur.de

»Das blutende Land« von Klaus N. Frick

Die Eskoher senden einen neuen Verwalter in das von Freibauern bewohnte Land Patloren. Ihn begleitet eine junge Frau mit einem geheimnisvollen Auftrag. Einer der Raureiter, die in Patloren für Ordnung sorgen, sieht im neuen Verwalter seine Chance aufzusteigen. Und dann ist da noch Sardev. Der junge Bauernsohn erlegt einen Geisterwolf und wird damit zum Versuchskaninchen eines Zauberers, der sich die letzten Reste von Magie zu Nutzen machen will. Doch das Experiment setzt Kräfte frei, die alle Parteien in einen blutigen Krieg stürzen.

Man merkt, dass Klaus N. Frick gern Geschichten erzählt. In seinem ersten großen Fantasyroman schwelgt er in Worten, wie in keinem seiner Romane zuvor. Er spricht alle fünf Sinne seiner Leser an, manchmal ist das fast ein bisschen zu viel, aber so bekommt man ein vollständiges Bild von der Inselwelt Patloren. Das Leben dort ist hart, die Herrschenden schonungslos. Ständig fließen Blut und andere Körperflüssigkeiten. Die Charaktere sind verschlagen, kaltherzig und wenig liebenswert. Doch gerade das macht für mich den Reiz dieser Geschichte aus. Es ist keine schöngefärbte Fantasy-Saga mit Elben und Einhörnern, die unter einem Regenbogen wandeln. Was Klaus N. Frick schildert, ist vielmehr die harte Realität des Mittelalters, das in unserer Gegenwart viel zu oft verklärt wird.

Zwischen den Intrigen von Verwalter Nesh-Tilan, der schönen wie klugen Zarg-Nolesa und des Raureiters Shorrn Mekeis gerät Sardevs Geschichte, der im Laufe der Handlung vom Geist eines Wolfs übernommen wird, ein wenig unter die Räder. Vor allem nach dem spannenden Prolog, verschwindet Sardev zunächst aus der Handlung, um erst mit Beginn des zweiten Drittels zurückzukehren. Auffällig ist, dass alle Figuren außer dem Jungen nach sozialem Aufstieg streben. Der Verwalter wünscht sich nach Eskoh zurück, der Raureiter schielt auf einen höheren Posten. Nur die persönlichen Motive der jungen Frau werden bis zum Ende nicht so recht deutlich. Sie scheint ausschließlich dem magischen Zirkel der Eskoher zu dienen. Sie ist es auch, die den Zauberer zu dem Versuch mit Sardev bestärkt. Möchte sie doch, die noch vorhandene Magie für die Eskoher nutzen.

Spätestens hier gewinnt der Roman an Spannung. Der sich durch das Experiment ausbreitende Brodem gebiert Totleben, welches alles eliminiert, was sich ihm in den Weg stellt. Diese »Zombie-Invasion« hat ihren eigenen Reiz und wirkt durch die plastischen Beschreibungen auch ziemlich authentisch. Genauso fassbar ist das Leiden Sardevs. Ein Wolf hat seinen Körper übernommen und die Raureiter richten ihn zu einer Kampfmaschine ab. Der unschuldige Junge muss miterleben, wie er zu einem vielfachen Mörder wird, ohne selbst etwas dagegen tun zu können. Das ist einfühlsam geschrieben und macht das Grauen der Magie für mich erlebbar. Das Geschehen um den Brodem spitzt sich zu und gipfelt in einer epischen Schlacht, bei der es nur Verlierer geben kann. Klaus N. Frick gelingt es, alle Handlungsfäden zu einem befriedigenden Ende zu bringen, ohne dass es hektisch wird oder Fragen offenbleiben.

Neben zwei größeren Kontinuitätsfehlern, über die sich der Autor sicher mehr grämen wird als die Leser, sind es vor allem Redigierleichen und unglückliche Formulierungen, über die ich gestolpert bin. Manche klingen unfreiwillig komisch, wie: »Sein Schreiber hatte bereits … alle Siegel erbrochen.« (vgl. S. 400) Andere sind einfach nur der Nachlässigkeit geschuldet. Auch hier, bin ich mir sicher, ärgert sich der Autor mehr darüber als die Leser.

»Das blutende Land« ist ein Fantasyroman der aus dem Rahmen fällt. Er besticht durch realistische Beschreibungen, die alle Sinne ansprechen und damit eine Wirklichkeitsnähe erzeugen, die man in vielen Bestsellerromanen vermisst. Die Geschichte um Patloren konnte sogar mich fesseln, die mit Fantasy sonst nichts anfangen kann. Deshalb habe ich mir fest vorgenommen nochmal das Sequel »Sardev – Im Schatten des Friedens« hervorzuholen (Das gibt es übrigens als E-Book beim Verlag in Farbe und Bunt). Ich bin mir sicher, dass ich diese Geschichte jetzt mit anderen Augen lesen werde.

Der Roman »Das blutende Land« von Klaus N. Frick erschien als Paperback und E-Book bei Droemer-Knaur und ist in jeder gut sortierten Buchhandlung sowie im Onlinehandel erhältlich.

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