Christinas Multiversum

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Archiv der Kategorie ‘Rezension’



Science Fiction und Romantik

Quelle: sonypictures.com

Das ich mir selbst ein Urteil bilden und nicht darauf hören sollte, was andere sagen und schreiben, ist mir am Wochenende mal wieder bewusst geworden. Grund dafür ist der Film »Passengers«. Der lief Ende vergangenen Jahres im Kino und wir gingen nicht hin, weil alle sagten, dass der Film nichts tauge. Auch die Rezension bei Robots & Dragons ließ kein gutes Haar an dem Streifen. Erst als ich jetzt die positive Besprechung im Blog einer Freundin las, kam ich auf die Idee mir den Film vielleicht doch anzuschauen.

Ich habe es nicht bereut. Der Streifen erzählt eine schöne Liebesgeschichte. Nichts kompliziertes, aber auch nichts das irgendwie seicht wäre. Die Kulissen und Spezialeffekte fand ich großartig, wobei mir die Szene mit dem Swimmingpool bei Schwerelosigkeit besonders gut gefiel. Erinnerte es mich doch an ein Kapitel aus meinem Fanroman »Am Abgrund der Unsterblichkeit« dort habe ich nämlich ein Agravarium beschrieben, ein Null-G-Schwimmbad. Ich fand das toll, es visualisiert zu sehen.

Die Geschichte über einen 120 Jahre dauernden Raumflug zu einer zirka 50 Lichtjahre entfernten Kolonie war gespickt mit vielen spannenden Szenen. Manches war witzig, anderes wiederum romantisch und allem war gemein, dass die Macher sich viel Mühe gegeben haben, die Physik und Technik möglichst realitätsnah abzubilden.

Irritiert war ich darüber, dass es die im Trailer angesprochene Verschwörung nicht gab. Ich wartete immer darauf, dass irgendein dunkler Antagonist auftauchte, um zu erklären, warum sich die Fehlfunktionen auf dem Schiff häuften. Kein Wunder das viele Zuschauer enttäuscht reagierten, weil es keine wilden Raumschlachten gab. Es gab nicht einmal einen Bösen, es war schlicht ein Kaskadenfehler, ausgelöst durch die Überladung des Schutzschildes bei der Durchquerung eines Asteroidengürtels. Letzteres ist vielleicht der einzige Fehler, den man den Filmemachern ankreiden könnte. Denn Asteroidengürtel sind nicht so dicht, wie sie meist in Filmen dargestellt werden. Ein Zusammenstoß mit einem großen Brocken ist da eher unwahrscheinlich.

Angenehm fand ich den überschaubaren Cast, neben Jennifer Lawrence und Chris Pratt spielte noch Laurence Fisburn und Michael Sheen. Das ließ den Schauspielern viel Freiheit in der Gestaltung ihrer Rollen. Das moralische Dilemma in dem der Protagonist Jim steckt, nachdem er Aurora aus dem Kältschlaf geweckt hat, war glaubhaft inszeniert, wenn auch nicht in letzter Konsequenz.

Fazit: Nicht nur durch die tollen Weltraumszenen und das futuristische Set vermittelt der Film in den zwei Stunden ein gutes Gefühl. Schade, ich hätte ihn der Optik wegen auch gern im Kino gesehen. Das nächste Mal höre ich lieber nicht mehr auf die Meinung anderer, sondern verlasse mich auf meine eigenen Augen und Ohren.

Die Ernährung von Superintelligenzen

Quelle: Amazon

Nach der Lektüre von Arthur C. Clarks »Die Stadt und die Sterne« wollte ich unbedingt mehr von dem berühmten SF-Autor lesen. Und so nahm ich dieser Tage »Die letzte Generation« zur Hand. Der Roman entstand Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts und basiert, zumindest im ersten Teil, auf einer Kurzgeschichte, die Clark 1950 im Magazin »New World« veröffentlichte. Das Buch gehört also zu den Frühwerken des Autors.

Über den großen Städten der Erde tauchen riesige Raumschiffe auf. Die von den Menschen als Overlords bezeichneten Außerirdischen geben sich lange Zeit optisch nicht zu erkennen. Aber sie beeinflußen das Leben der Menschen in großem Maße. Anfangs sieht es so aus, als geschähe es zu Gunsten der Menschheit. Kriege, Armut und Gewalt werden ausgerottet, alle Menschen und auch die Natur werden wertgeschätzt. Über viele Jahrzehnte entsteht ein Utopia, in dem die Menschen in Frieden leben. Einzige Einschränkung, sie müssen auf ihrem Planeten bleiben und dürfen nicht ins All expandieren. Den wahren Grund über die Präsenz, der scheinbar unsterblichen Overlords, erfahren die Bewohner der Erde erst, als die letzte Generation der Menschen sich plötzlich in eine geistige Einheit verwandelt. Ein körperloses Wesen nimmt den geistigen Zusammenschluss von Seelen inklusive des Planeten Erde in sich auf. Zurück bleiben die Overlords und ein letzter Mensch, der sich vor vielen Jahren an Bord eines der Raumschiffe der Fremden schmuggeln konnte. Doch auch er wird zum Opfer seiner eigenen Spezies.

Ich muss gestehen, das mich die Geschichte am Anfang unheimlich gefesselt hat. Da ist es egal, dass es in einigen Kapiteln Fehler in der Erzählperspektive gibt, dass über weite Strecken auktorial erzählt wird und das manch philosophische Betrachtungen zu ausführlich geraten sind. Der Autor hält seine Leser bei der Stange, in dem er vor ihnen das Geheimnis der Overlords genauso verbirgt, wie diese sich den Menschen verbergen. Man möchte wissen, wer die Fremden sind und zu welchem Zweck sie die Erde übernommen haben. Die Charaktere, aus deren Sicht der Autor berichtet, scheinen wahllos ausgesuchte Normalbürger zu sein. Doch ihre Leben sind nicht nur untereinander verknüpft, sondern sie tragen den Kern dafür, dass sich die Dinge am Ende so entwickeln.

Ab dem dritten Teil des Romans fällt die Spannung ab. Arthur C. Clark verfängt sich in theoretischen Betrachtungen über paraphysikalische Vorgänge und über die Gefahr gesellschaftlicher Degeneration durch die utopischen Verhältnisse auf der Erde. Da vermag auch die Offenbarung des Antlitz der Overlords nicht mehr richtig zünden. Es sind Wesen, die Teufeln ähneln. Auch überstürzen sich die Ereignisse, die zum Untergang der Menschheit führen. Mit einem Mal verändern sich die Kinder und lösen sich aus der Welt der Erwachsenen. Das erinnerte mich ein wenig an die Kurzgeschichte von Lewis Padgett »Gar elump war der Pluckerwank«. Auch hier sind es Kinder, die auf eine höhere Existenzebene wechseln. Doch im Gegenzug zu Padgett, der die Vorgänge dazu excellent beschreibt, bekomme ich bei Clark nur eine nebulöse parapsychische Erklärung geliefert.

Nicht nur durch die Overlords auch durch die Worte des Autors wird immer wieder beteuert, wie erstrebenswert der beschriebene Aufstieg der Menschheit ist, weil sie zu etwas Größerem werden. Ich kann dem nicht so ganz zustimmen. Was bleibt denn von der Kultur des Menschen? Es sind nur Kinder in der Lage sich zu verwandeln. Kinder, deren Wissenstand niemals dem eines Erwachsenen gleich kommen kann. Außerdem wurde zuvor ausführlich beschrieben, wie sehr sich die Menschheit, durch fehlende Reibung und Konkurrenzkampf verändert hat. Es gab keine großen wissenschaftlich-technischen Erfindungen und auch keine großartige künstlerische Entwicklung mehr. Die Menschen erforschten die Technik der Overlords, ohne sie je richtig zu verstehen. Es gab einige wenige, die sich der Forschung des Planeten und der Sterne verschrieben. Aber durch das Verbot, die Erde zu verlassen, waren ihnen Grenzen gesetzt. Die Overlords begründeten das Verbot mit dem Schutz des Menschen vor den Unbilden, die im Universum lauern. Aber ist es vielleicht nicht umgekehrt? Wollte die Superintelligenz – wie ich die höhere Macht bezeichnen möchte und unter deren Befehl die Overlords agieren – nicht vielleicht verhindern, dass sich die Menschheit ausbreitet? Sah sie in den Menschen eine Gefahr, die ausgeschalt werden musste, so wie sie es schon mit vielen anderen Spezies zuvor getan hat? Oder diente der ganze Prozess einfach nur der Ernährung? Auch ein vergeistigtes Wesen möchte wachsen und sich weiterentwickeln. Das kann es jedoch nur, wenn es weitere Bewusstseine ist sich aufnimmt. Das auch der Planet Erde am Ende zerstört wird, kann nur als Zeichen angesehen werden, dass die Superintelligenz ein mögliches Aufflammen einer neuen Spezies Mensch verhindern wollte.

Ich sehe viele dunkle Flecken auf der Utopie, die Arthur C. Clark den Lesern hier präsentiert. Und nach dem furiosen Beginn des Romans bin ich über das Ende ein wenig ernüchtert. Da hätte ich mir mehr erwartet. Ich finde man spürt ganz deutlich, dass es sich bei »Die letzte Generation« um ein Frühwerk des Autors handelt. Es schimmert bereits ein bisschen von der Genialität hervor, die er später bei »Die Stadt und die Sterne« so gekonnt einzusetzen vermag. Aber bei »Die letzte Generation« passt vieles noch nicht so richtig zusammen.

Mein Fazit: »Die letzte Generation« gehört sicher nicht zu den besten Werken von Arthur C. Clark. Ist aber ein Roman, den man als Fan des Science Fiction Genre gelesen haben muss, weil hier sehr viele Ideen zum ersten Mal angesprochen werden, die später von Autoren und Filmemachern aufgegriffen und weitergesponnen wurden. Durch den Aspekt mit der Superintelligenz ist er außerdem besonders für PERRY RHODAN-Fans interessant.

Der Roman erschien zuletzt 2003 im Heyne Verlag, in einer von PERRY RHODAN-Autor Bernhard Kempen überarbeiteten Fassung.

Alte Geschichten aus der Zukunft

Quelle: Golkonda-Verlag.de

Science Fiction Hall of Fame 1 (1934-1948)
Herausgegeben von Robert Silverberg

Den Ausschlag gab die Lektüre von »Invasion der Zukunft«. Obwohl ich schon nach dem Kurzgeschichtenseminar an der Bundesakademie beschlossen hatte, mich mehr mit klassischer Science Fiction zu beschäftigen. Die Geschichtensammlung vom Golkonda-Verlag ist dazu ein guter Einstieg. Die Anthologie wurde in einem langen Auswahlprozess von den Mitgliedern der »Science Fiction Writers of America« zusammengestellt und vereint die besten phantastischen Kurzgeschichten der amerikanischen Science Fiction Literatur zwischen 1934-1948.

Das Science Fiction keine Erfindung der Neuzeit ist, war mir zwar klar. Dennoch musste ich mir beim Lesen immer wieder vor Augen halten, wann diese Geschichte geschrieben wurden, nämlich mitten im Weltkrieg in den 30er und 40er Jahren. Was hat die Autoren bewegt, sich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit der Zukunft auseinanderzusetzen? Alle Geschichten stecken voller Visionen und sind stellenweise auch vom wissenschaftlichen Standpunkt korrekter, als ich das erwartet hatte.

Natürlich ist vieles inzwischen von unserer Gegenwart überholt worden. So zum Beispiel, dass es weder Sauerstoff, noch Leben auf dem Mars gibt. Das macht die Erzählungen aber nicht weniger spannend. In vielen der Geschichten werden Botschaften transportiert und auf Schwächen der Gesellschaft hingewiesen. Erstaunlich ist, wie viele Elemente ich bereits kannte, aus Filmen oder Serien, aber auch aus Büchern. Elemente die von Filmemachern und Autoren entdeckt und in veränderter Form weiterentwickelt wurden. So ist gleich die erste Geschichte »Eine Mars-Odyssee« von Stanley G. Weinbaum eine frühe Version von Andy Weirs »Der Marsianer«. Die Geschichte »Arena« von Fredric Brown war unumstritten Inspiration für die gleichnamige Folge der klassischen Star Trek-Serie.

Alle Geschichten haben mir durchweg gut gefallen. Es gab keine, die mich nicht in ihren Bann gezogen hätte. Dennoch sind mir einige besser in Erinnerung geblieben. Dazu gehört »Einbruch der Nacht« von Isaac Asimov, der ein außergewöhnliches Gedankenspiel aufgegriffen hat. Was passiert, wenn Bewohner einer fremden Welt zum ersten Mal den Sternenhimmel sehen? Sie steht beispielhaft für die Phantasie der Autoren, sich in eine Welt jenseits ihrer Realität zu versetzen und eine Gesellschaft zu beschreiben, die sich von ihrer eigenen grundlegend unterscheidet.

In »Die Straßen müssen rollen« von Robert A. Heinlein und »Der mikrokosmische Gott« von Theodore Sturgeon ist es der Technikglaube, der unter die Lupe genommen wird. Die Autoren kommen zu dem Konsens, dass die Technik ohne den Menschen nicht das Allheilmittel sein kann. Warnen aber auch davor, was passieren kann, wenn Technik in falsche Hände gerät. Auch die Zeitreisegeschichte »Abendämmerung« von John W. Campbell, Jr. liefert Impulse zum Nachdenken über die zunehmende Technisierung und die damit einhergehende Degenerierung der Menschen.

Um Psychologie geht es in den Geschichten »Gar elump war der Pluckerwank« von Lewis Padgett und »Zuflucht« von Clifford D. Simak. Letzterer beschreibt in eindringlichen Bildern das Leben eines Mannes, der unter Agoraphobie leidet. Ausgelöst durch eine zunehmende Abkapselung der Menschen voneinander. Ein Thema das gerade in der heutigen Welt mit Internet und Sozialen Medien brandaktuell ist.

Natürlich sind die Geschichten auch durchsetzt vom Geschlechterdenken der damaligen Zeit. Wie in »Helena« von Lester del Rey, in dem es um eine Androidin geht, die sich in ihren Schöpfer verliebt, oder wie in »Der Waffenladen« von A. E. van Vogt sind Frauen meist nur schmückendes Beiwerk und kommen nicht über die Rolle der Sekretärin oder des Heimchen am Herd hinaus. Das ist ein Problem, das auch später in der frühen PERRY RHODAN-Serie noch eine Rolle spielte. Es wird eine großartige technische Zukunftswelt beschreiben, die gesellschaftlichen Strukturen und Denkweisen aus der Zeit, in der die Autoren lebten, aber bleiben. Ob diese Vision die Geschichtenerzähler nicht ereilt hat oder ob sie die schlicht bei ihren Verlegern nicht hatten durchsetzen können, lässt sich heute nicht mehr beantworten.

Besonders fasziniert war ich von den unterschiedlichen Herangehensweisen der verschiedenen Autoren. Die klassischen Elemente einer Kurzgeschichte waren bei manch einer der Stories nicht, oder nur schwach zu erkennen. »Erstkontakt« von Murray Leinster zum Beispiel enthält kaum Dialoge, sondern setzt sich in endlosen Überlegungen mit der Problematik eines ersten Kontakts zwischen Menschen und Außerirdischen auseinander. Das Ganze wird streng auktorial erzählt, klingt wie ein Essay, ist aber alles andere als langweilig.

»Nur eine Mutter« von Judith Merril ist die einzige Geschichte in der Sammlung, die von einer Frau verfasst wurde. Hier geht es um Mutationen von Kindern durch den Atomkrieg. Die zunächst wenig spannende Geschichte wartet mit einem verblüffenden Ende auf.

Im Oktober erscheint Band zwei der Science Fiction Hall of Fame, darin sind Kurzgeschichte aus den Jahren von 1948 bis 1963 zusammengestellt.

Das Cover des Buches ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, erinnert die Abbildung doch eher an einen Plattenspieler denn eine Rakete. Doch für Science-Fiction-Fans, die sich bisher vor allem mit Filmen und Serien des Genres auseinandergesetzt haben, ist es interessant zu lesen, woher all die Ideen satmmen, die man schon oft im Kino und Fernsehen gesehen hat. Es lohnt sich.

Noch eine Notiz am Rande. Viele der Geschichten erschienen in Deutschland erst in den Achtziger Jahren und da zumeist im Pabel-Moewig-Verlag, der Heimat der PERRY RHODAN-Serie.

Sinnfreier Klamauk zum Genießen

Quelle: Kino.de

Die »Bullyparade« war Anfang der Zweitausender ein fester Bestandteil meines Fernsehprogramms. Die halbe Stunde voll witziger Sketche mit vielen Bezügen zu anderen Filmen und Serien war immer das Highlight meines Montagabends. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass die Bullyparade auf der großen Leinwand zu ihrem finalen Abschied wiederkehrt.

Gestern haben wir uns endlich den Film ansehen können und im Gegensatz zu vielen anderen Kinobesuchern, war ich am Ende nicht enttäuscht. Es war lustig, es war professionell gemacht und es hat mich zwei Stunden gut unterhalten. Wahrscheinlich haben viele einen Film wie »Der Schuh des Manitu« oder »Traumschiff Surprise« erwartet. Nur war das Format der »Bullyparade« nie dazu gedacht einen abendfüllenden Film zu tragen. Es waren immer einzelne Episoden, die sich untereinander abwechselten und bei denen auch nicht jede Pointe zündete. Insoweit hat es Produzent Bully Herbig mit den fünf Episoden schon ziemlich gut hinbekommen, die »Bullyparade« kinotauglich zu machen.

Die fünf Geschehnisse folgen einer chronologischen Reihenfolge. Beginnend mit einer Zeitreise zweier Ossis – ala »Zurück in die Zukunft« (»Zurück in die Zone«) – um den Fall der Mauer und den Auftritt von David Hasselhoff zu verhindern. Hier war es die gekonnte Integration der Originalaufnahmen von der Presskonferenz am 9.11.1989 in die Handlung, die mich überzeugten.

Es folgte der Wilder Westen, in der das weitere Schicksal von Winnetou und Old Shatterhand (die endlich auch so heißen durften) nach den Ereignissen von »Der Schuh des Manitu« aufzuzeigen. Es wurde nicht mit Gesellschafts-Kritik gespart und mit Slapstik schon gar nicht.

Weiter durften die Zuschauer dem Schloßkauf von Kaiser Franz und seiner liebsten Sissi zusehen. Wobei Rick Kavanian als Feldmarschall allen anderen die Show stahl. Die Stripszene werde ich wohl ewig in Erinnerung behalten.

Die nächste Episode spielt an der Wallstreet in New York und kann als Parodie auf »The Wolf of Wallstreet« gesehen werden. Auch hier ist es mehr die Kritik im Hintergrund die überzeugt, als die etwas sinnfreie Handlung.

Zum Schluss wurden wir noch Zeuge, wie die Crew der USS Hasselhoff (in Form einer Rettungsboje) auf dem Planet der Frauen eine Klonarmee besiegt. Hier ließen sich die Macher eindeutig von den neuen STAR TREK- und STAR WARS-Filmen von J.J. Abrams inspirieren. Das Raumschiff sah cool aus, der Planet ungewöhnlich, die Frauen waren hübsch, nur den Helden sah man bisweilen ihr fortgeschrittenes Alter an. Hier brachten vor allem witzige Sprüche und Slapstik die Kinozuschauer zum Lachen.

Die größten Lacher erzielten Bully und seine Mannen jedoch im Abspann. Einige der fehlgegangenen Szenen trieben mir Tränen in die Augen. Und genau hier fühlt man, warum dieser Film gemacht wurde: nicht aus Geld, oder um des Erfolges willen. Es geschah aus purem Spaß am gemeinsamen Blödsinnmachen oder um einfach nochmal die alten Zeiten zu durchleben. Was kann es bessere Gründe geben, als diese.

»Bullyparade – der Film« ist ein Streifen gemacht zum Zurücklehnen und Lachen, ohne Anspruch darauf besonders intelligent oder wertvoll sein zu wollen.

Neues von der kotzenden Unschuld

Quelle: Unsichtbar-Verlag.de

Der (für mich) Nobelpreisverdächtige Autor und Lyriker Dirk Bernemann hat im Juni den vierten Band von »Ich habe die Unschuld Kotzen sehen« veröffentlicht. Unter den Untertitel: »Das leise Verschleißen der Gegenwart« präsentiert er gewohnt morbide, unbequeme und auch abstoßende Kurzgeschichten aus der Brutalität des Alltags. In jeder Geschichte findet sich ein Teil der vorherigen wieder und man ist als Leser gespannt, welchem Detail man auf den nächsten Seiten erneut begegnen wird.

Bernemann ist schonungslos mit seinen Figuren und seinen Lesern. Sein Credo: es gibt keine Sicherheit. Er provoziert, sein Schreiben ist Punk. In den Texten geht es oft um Tod und Sterben, manchmal still aber auch oft mit Gewalt, wie in der Geschichte »Das Pferd«. Dieses Mal inszeniert er am Ende sogar die Apokalypse, und zeigt, dass selbst Gott bei Entscheidungen nicht immer ein glückliches Händchen besitzt.

Seine Geschichten zu lesen, erfordert Mut und eine positive Grundeinstellung, denn so mancher Text trifft so tief, dass ein schwaches Gemüt davon aus der Bahn geworfen werden könnte. Warum ich das Buch dennoch fast verschlungen habe, liegt an der Sprache des Autors. Ich kann es nicht beschreiben, man muss es schon selbst lesen, um die Faszination zu verstehen, die aus seinen Wortschöpfungen und seinen Sätzen hervorgeht.

Die Gedanken in »Das leise Verschleißen der Gegenwart« sind noch düsterer und ohne Hoffnung als die Bände zuvor. Was viel über den Gemütszustand des Autor erzählen mag und was mich ein wenig besorgt. Es klingt noch stärker als in seinen bisherigen Romanen nach einem Menschen der zutiefst unglücklich ist, vor allem über sich selbst und die Welt in der wir leben. Sein Unglücklichsein steckt an und deshalb konnte ich das Buch auch nicht an einem Stück lesen. Obwohl ich es gern getan hätte. Denn Bernemanns Geschichten haben auf mich noch einen anderen Einfluss – einen sehr positiven wie ich finde. Wenn ich Texte des Autors gelesen habe, schreibe ich selbst besser. Und das ist ein Kompliment, was ich bisher noch keinem Autor machen konnte.

»Ich habe die Unschuld Kotzen sehen« Band 4 erschien im Unsichtbar Verlag und ist als limitiertes Hardcover oder E-Book im Buchhandel oder auf den einschlägigen Onlineplattformen erhältlich.

Wer sich mit dem ungewöhnlichen Stil von Dirk Bernemann vertraut machen möchte, kann das in seinem Blog tun. Oder aber sich eine Leseprobe seiner Werke in den E-Book-Stores herunterladen.

Bilderbuch zum phantasieren

Quelle: Amazon

Zwei Werke von Torben Kuhlmann stehen bereits bei mir im Bücherregal, jetzt ist auch noch das Dritte dazugekommen.

»Maulwurfstadt« ist deutlich dünner als die beiden Mäuse-Bände (Armstrong und Lindbergh) und es gibt noch einen Unterschied, das Buch enthält so gut wie keinen Text. Dafür ist es mit großformatigen detailreichen Zeichnungen illustriert, welche nicht nur die Geschichte einer Maulwurfstadt erzählen. Im Grunde ist es die Geschichte unserer Welt, kritisch übertragen auf die Mauswurfsgesellschaft. Zuerst waren ein paar Maulwürfe auf einer Wiese. Es kommen neue hinzu, die Stadt wächst und mit ihr der Dreck, Lärm und die Tristesse. Am Ende ist von der Wiese nur ein winziges Stück eingezäuntes Gras übrig. Es beginnt ein Umdenken und auf der letzten Seite, sieht man Windräder statt rauchender Schornsteine.

Einige könnten einwenden, dass dies nicht das richtige Thema für ein Bilderbuch für Kinder ist. Doch ich finde, es ist dem Autor und Illustrator gut gelungen, die Entwicklungen in verständlichen Bildern zu zeigen. Zum Vorlesen eignet sich die Geschichte nicht, aber das ist gar nicht wichtig. Die Zeichnungen regen die Phantasie an. Kinder können hier ihre eigene Geschichten zu den Bildern erfinden und das halte ich fast noch für wichtiger.

Wir Erwachsenen bewundern die kleinen Kunstwerke und entdecken auch nach dem dritten und vierten Durchblättern noch unbeachtete Details. Das finde ich schön.

Das Bilderbuch kostet 14,99 EUR und ist im Buchhandel sowie bei den einschlägigen Online-Portalen erhältlich.

Person oder Sache

Quelle: Amazon

Die DVD von »Ted 2« bestellte ich irgendwann mal für kleines Geld bei Jokers. Weil ich mir nicht sicher war, ob der Film so gut sein würde wie sein Vorgänger, stand er jetzt länger unangesehen im Regal. Vorgestern konnte ich mich davon überzeugen, dass er tiefsinniger ist, als gedacht.

Der zum Leben erwachte Teddybär mit dem losen Mundwerk und dem Hang zum Drogenkonsum heiratet und möchte eine Familie gründen. Das erregt aufsehen und ruft irgendwann die Behörden auf den Plan. Sie sehen Ted nicht als Person, sondern als Sache. Ted engagiert zusammen mit seinem besten Kumpel John (Mark Wahlberg) die junge Anwältin Samantha (Amanda Seyfried) und klagt seine Rechte als Individuum ein. Doch sie scheitern, weil ein alter Widersacher von Ted (Donny – teuflisch gespielt von Giovanni Ribisi) einen Spielzeughersteller aufhetzt, den Gegenanwalt zu bezahlen. Ihre letzte Hoffnung ist ein Anwalt für Menschenrechte (Morgan Freeman) in New York, wo die drei mitten in eine ComicCon geraten, auf der Donny dem Teddybären auflauert …

Das eigentlich ernste Thema verpackt Seth MacFarlane (der Macher von Family Guy) in seinen üblichen derben Humor, der den Geschmack des Publikums auf eine harte Probe stellt. Da werden Zoten verteilt, gekifft und geflucht was das Zeug hält und das Publikum mit unappetitlichen Szene konfrontiert. Dennoch bewegt sich der Humor nicht unterhalb der Gürtellinie und der ernste Grundgedanke des Films wird nie aus den Augen verloren. Die vielen Anspielungen auf Musik, TV-Serien und andere Dinge aus den Achtzigern sind es, die den Film für meine Generation so erfreulich werden lässt. Da kommen nicht nur bei den Protagonisten die Erinnerungen hoch, sondern auch bei den Zuschauern, die sich mit ihnen identifizieren können. Andererseits steckt so viel Kritik an der amerikanischen Gesellschaft drin, dass man den Film nicht als sinnlosen Quatsch abtun kann.

Stolz liest sich auch die Liste der Gastdarsteller. Aus dem ersten Film spielt wieder Sam J. Jones (Flash Gordon) als er selbst mit. Weitere Gastdarsteller sind Schauspieler Liam Neeson, Moderator Jay Leno, Footballspieler Tom Brady und jede Menge Schauspieler aus Star Trek. So spielt neben Sir Patrick Stewart (als Erzähler) und Nana Visitor (Kira) auch Michael Dorn (Worf) mit, der am Ende des Films noch einen Auftritt in einem Klingonenkostüm absolviert. Genial! In einer kurzen Filmszene ist übrigens auch noch Levar Burton (Geordie LaForge)  zu sehen. Bei der Anwaltskanzlei in Boston hatte ich fast mit Crane, Pool & Schmidt und einem Auftritt von William Shatner als Danny Crane gerechnet, da wurde ich leider enttäuscht.

Fazit: Ein überraschend tiefsinniger Film, der vor frechen Dialogen, irrwitzigen Gags und cooler Musik strotzt. Ich finde ihn noch besser als den ersten Teil.

Orgie in pastell-bunt

www.imdb.com

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein Blockbuster, dem man die europäischen Wurzeln ansieht.

Die beiden blutjungen Agenten Valerian und Laureline werden während der Erfüllung ihres Auftrages in Ungereimtheiten verwickelt. Daraufhin beginnen sie mit der Suche nach der Wahrheit, an deren Ende die Rettung einer Spezies und die Bestrafung des Bösen steht.

Dazwischen bekommt man als Kinogänger futuristische Orte, bunte Alienmasken und noch buntere Kostüme präsentiert. Technische Gimmicks wirken vertraut und doch irgendwie neu, auch Gesellschaftskritisches schwingt zwischen den Zeilen. Das schöne am Film, es ist mal keine Dystopie die Regisseur Luc Besson inszeniert. Alpha, die Stadt in der tausende Lebensformen friedlich zusammenleben ist trotz Chaos ein funktionierender Organismus, in dem jeder seinen Platz findet.

Ich kenne die Comic-Vorlage nicht, weiß also nicht inwieweit sie angepasst oder verändert wurde. Die Serie läuft ja auch schon seit Ende der Sechziger. Die Geschichte im Film ist reich an Wendungen, wenn auch nicht super originell, aber das war die Handlung von Das fünfte Element seinerzeit auch nicht. Es ist die Detailverliebtheit, die den Film besonders macht. Die androgynen Aliens und besonders ihr Planet Mül haben es mir angetan und ich hätte mir am Ende ein anderes Ende für sie gewünscht. Ein Ende an dem der Planet noch existiert hätte, weil er von den Menschen nur zum Abbau der Energiekugeln missbraucht wurde, und diesen ihn dem gestrandetem Volk zurückgegeben hätten. Das Motiv des Bösewichts für die (eigentlich) sinnlose Zerstörung empfand ich dann doch etwas zu dünn.

Die beiden Hauptdarsteller spielten mit viel Witz und Engagement, waren mir persönlich aber eine Spur zu jung für ihren Posten. Aber vielleicht altern die Menschen in 723 Jahren langsamer und die beiden waren schon viel älter, als sie ausgesehen haben. Man weiß es nicht.

Der Film wird mir dennoch in Erinnerung bleiben und zwar wegen des großen Ganzen. Wegen der Idee einer großen Raumstation, in der vielen Völker des Universums mehr oder weniger friedlich zusammenleben und in dem die Menschen jedem Fremden die Hand reichen. Solche utopischen Botschaften brauchen wir heutzutage mehr denn je.

Der Film ist bunt und pastellig und weniger realistisch animiert, als wir das von amerikanischen Blockbustern kennen. Und endlich wieder ein Streifen bei dem das 3D-Format gerechtfertigt ist.

Punkrock-Wundertüte

56!

Genauso viele Kurzgeschichten beinhaltet der Sammelband, der den etwas langweiligen Namen »Punk Stories« trägt. Ich habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder darin gelesen. Allen Geschichten ist eines gemeinsam, jeder Autor stellt eine bekannte Punkrockband in den Mittelpunkt. Mal schwelgen die Autoren in Nostalgie, mal erzählen sie dokumentierte Begebenheiten und mal auch erdachte Geschichten, jeder in seinem Stil und jeder anders. Manches gefiel mir gut, mit anderem konnte ich weniger anfangen. Am besten im Gedächtnis blieb mir die Kurzgeschichte, welche »Die Kassierer« in den Mittelpunkt stellte.  Darin ging es um Außerirdische, die im Ruhrgebiet Unterschlupf suchen. Das war so richtig Punk.

Auch wenn ich das Buch mehr aus Recherchegründen las, unterhaltsam war die Lektüre allemal. Vor allem muss man diesen Kurzgeschichtenband nicht am Stück lesen, sondern kann immer wieder darin herumschmöckern. Und nebenbei noch ein Stück Punkrockgeschichte erleben, geschrieben von deutschen Autoren, die irgendwann mal Punks waren oder noch heute sind. Darunter so bekannte Namen wie Anne Hahn, Jan Off und Arne Rautenberg. Nur den Namen Klaus N. Frick habe ich in der illustren Runde vermisst.

»Punk Stories« erschien schon 2011 bei LangenMüller und ist auch als E-Book erhältlich.

Birnenkuchen mit Lavendel

Gestern Abend lief in der ARD eine echte Film-Perle. Der französische Streifen »Birnenkuchen mit Lavendel« aus dem Jahr 2016 war sehr erfolgreich an den französischen Kinokassen und auch in den deutschen Kinos.

Im Film geht es um den Asperger-Autisten Pierre, der von einer Obstbäuerin Louise angefahren wird, die seit dem Tod ihres Mannes, um den Erhalt von Haus und Hof kämpft. Die Anwesenheit von Pierre auf der Plantage bringt das Leben von Louise und ihren Kindern zunächst durcheinander. Erst nach und nach begreifen beide, dass sie einander brauchen, doch Pierre droht die Einweisung in eine Psychiatrische Klinik …

In der wunderbaren Geschichte aus der Provence stecken nicht nur wunderschöne Bilder und tolle Dialoge, sondern auch richtig viele Emotionen. Die Macher transportieren das Leben aus dem Süden Frankreichs direkt in die Herzen der Zuschauer. Man kann den Duft der blühenden Bäume und der weiten Felder fast riechen. Und auch die Darsteller versprühen den unverwechselbaren französischen Charme. Eine Film zum Verlieben, in eine Region und ihre Geschichte.

Nur eines hat mich etwas irritiert. Korn- & Lavendelfelder und blühende Obstbäume passen zeitlich nicht so ganz zueinander. Aber das macht dem Sehgenuss keinen Abbruch.

Den Trailer und kleine Ausschnitte gibt es auf YouTube. Der Film wird am 9. Juli um 20:15 Uhr auf ONE wiederholt.

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