Christinas Multiversum

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Archiv der Kategorie ‘Allgemein’



In hoffnungsvoller Erwartung

Zum vierten Mal bin ich heute am frühen Abend in die Schünemansche Mühle in Wolfenbüttel eingezogen und je öfter ich hierherkomme, desto größer ist das Gefühl nach Hause zu kommen. Alles ist vertraut, vom Rauschen der Oker vor dem Haus, bis zum Geruch der dicken Holzbalken an der Zimmerdecke. Man kennt sich aus, weiß wo man hin muss und wie alles funktioniert.

Warum ich siebeneinhalb Stunden Autofahrt auf mich genommen habe, um hierherzukommen, verrate ich heute noch nicht. Nur so viel, dass ich dieses Mal nicht allein angereist bin.

Selbst das Abendessen nahm ich mit meiner Begleitung an vertrautem Ort ein. Der Thailänder in der Fußgängerzone ist einfach zu gut, um ihn auszulassen. Beim nächtlichen Spaziergang durch die Innenstadt wirkten die Fachwerkhäuser im Glanz der Straßenlaternen wie aus dem Bilderbuch. Auch die Fußgängerzone – vor einem Jahr noch eine Baustelle – erstrahlt inzwischen in neuem Glanz, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt nämlich jetzt mit LEDs beleuchtete Springbrunnen zwischen dem Plaster. Sieht sehr nett aus, wie ich finde. Das Café für das Frühstück wurde auch schon ausgemacht, damit der Sonntagmorgen auch angemessen beginnen kann.

Nun warte ich ungeduldig auf den morgigen Tag und die besondere Veranstaltung an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Vor allem aber auf die vielen alten und neuen Gesichter.

Die Partei und der Pogo

Weil derzeit noch der Wahlkampf tobt und weil die meisten meiner Lesern nichts mit Punk am Hut haben, möchte ich heute eine Partei vorstellen, die vor allem in den Neunzigern und Zweitausendern auf der politischen Bühne in Deutschland mitgemischt hat.

Zugegeben, die »Anarchistische Pogo Partei Deutschlands« – kurz APPD – war nicht wirklich erfolgreich. Sie war vor allem eine Spaßpartei, deren Argumentation zur Arbeit erst auf den zweiten Blick einen tieferen Sinn ergab. Für die meisten Menschen sind die Slogans »Arbeit ist Scheiße« und »Saufen, Saufen, nochmal Saufen« bis heute Sinn befreit. Aber die Partei bot damals Menschen eine Stimme, die bewusst am Rand der Gesellschaft lebten und provozieren wollten. Gegen das System und gegen die Verlogenheit der Politik.

Anlässlich der kommenden Bundestagswahl hat der Spiegel ein Interview mit Karl Nagel geführt, dem ehemaligen Parteivorsitzenden der APPD. 1998 ließ sich der Hamburger sogar als Kanzlerkandidat für die APPD aufstellen. Im Gespräch mit dem Spiegel wird klar, dass es zwar den Punks damals in erster Linie um den Spaß ging, es aber auch einen ernsten politischen Hintergrund gab. Wenn die großen Parteien ihre Wähler an der Nase herumführen können und Dinge versprechen, die sie dann nicht halten, so sollten auch andere das Recht haben, mit Schwachsinn zu werben. Quasi als Protest und Provokation gegenüber den bürgerlichen Parteien.

Ich finde das Interview wirft einen ernsthaften Blick in die Vergangenheit der deutschen Punk-Szene und regt zum Nachdenken an, über Politik, Gesellschaft und wofür Punk wirklich steht.

Ich bin ja erstaunt, dass ausgerechnet der Spiegel dieses Interview abgedruckt hat. Es gibt auf der Seite auch eine Fotostrecke zum Thema APPD und einen Wahlwerbespot, der damals tatsächlich so im Fernsehen gelaufen ist.

Hier der Direktlink auf die Seite vom Spiegel-Interview es lohnt sich.

http://www.spiegel.de/einestages/punk-partei-appd-als-karl-nagel-pogo-kanzler-werden-wollte-a-1168637.html

Behördentelefonate

Einen Teil meiner Arbeitszeit verbrachte ich diese Woche am Telefon, um mit diversen Behörden zu sprechen. Es ging um Netzanschlüsse oder Freigaben zu Bauvorhaben, und es war vor allem am Mittwoch ein Kunststück jemanden an die Strippe zu bekommen. Meist landete ich in Warteschleifen oder es nahm einfach niemand ab.

Den Vogel schoss die Gemeinde Ruhpolding ab, dort landete ich in einer Warteschleife für die ganz Harten. Als Wartschleifenmusik bekommt man da nämlich zünftige Blasmusik ins Ohr geschmettert. Ich hielt erstmal den Hörer in sichere Entfernung und hoffte das schnell jemand dran ginge. Nach einer Minute machte es »Klick« und das Besetztzeichen ertönte. Abgewürgt! Ich habe es nicht wieder versucht, sondern eine E-Mail geschickt, in der ich um Rückruf gebeten habe. Da blieb mir die musikalische Berieselung erspart.

Im Grunde ist das eine exzellente Methode, um Anrufer abzuschrecken.

Family Business

Zeit – ist momentan ein Faktor, der zu einer Variablen geworden ist und zwar zu einer immer kleiner werdenden. Der eine oder andere Leser meines Blogs wird festgestellt haben, dass mir in dieser Woche einige Blogeinträge entglitten sind. Sprich: ich hatte einfach keine Zeit.

Mein Neun-Stunden-Job und der Besuch meiner Eltern lassen wenig Spielraum für sinnvolle Blogeinträge. Ich will meine Leser ja auch nicht langweilen.

Also nehmt es mir nicht übel, wenn es die nächsten Tage hier weniger zu Lesen gibt. Das wird nachgeholt. Versprochen!

Positives von der Deutschen Bahn

Am Wochenende war ich mal wieder mit der Bahn unterwegs und dieses Mal kann ich das Unternehmen nur loben. Nicht nur, das meine Verbindungen allesamt gut geklappt haben, keine Verspätung, keine ausgefallenen Züge oder sonstige Katastrophen. Und das, obwohl die Züge brechend voll waren (Ferienende in Bayern und Baden-Württemberg). Nein, auch der Mobilitätsservice, den ich für meine Eltern am Münchner Bahnhof gebucht habe, hat super funktioniert.

Vor Wochen hatte ich mir am Info-Point in München eine Karte von der Mobilitätsservice-Zentrale geben lassen. Ich rief dort an, um für meine Eltern eine Umstiegshilfe zu arrangieren. Denn der Weg vom Bahnsteig, auf dem der ICE einfährt, bis raus zum Holzkirchner Bahnhof ist in München ziemlich weit. Da hat man schon als jüngerer Mensch Probleme es innerhalb der Umsteigezeit zu schaffen. Wenn man achtzig und nicht mehr gut zu Fuß ist, dann ist das eine Tortur. Die Dame von der Bahn war am Telefon ausgesprochen nett. Wir suchten die Verbindung raus, die meine Eltern fahren würden und vereinbarten einen Bringservice von Zug zu Zug.

Wie gut das funktionierte, hat mich selbst überrascht. Wird stiegen aus und die beiden jungen Damen im E-Mobil standen schon am Bahnsteig bereit. Sie fragten nach dem Namen und meine Eltern stiegen ein. Ich verstaute noch das Gepäck, dann fuhren sie schon los, während ich die Strecke zu Fuß bewältigte. Unterwegs hatten sie allerdings ein paar Mal mit unfreundlichen Reisenden zu tun, die vor dem E-Mobil herliefen und trotz mündlicher Aufforderungen nicht zur Seite gingen. Hupen ist den Fahrern dieser E-Mobile verboten. Na, ja es könnte sich ja einer der Fahrgäste erschrecken und vom Bahnsteig ins Gleis fallen.

Ich bin gespannt, ob das auf der Rückfahrt genauso problemlos funktioniert. So Servicefreundlich mag ich die Deutsche Bahn.

Zwischen den Dialekten

Da ertappe ich mich doch unlängst bei einem Gespräch mit meinem Mann, dass ich chinesisch wie ein Bayer aussprechen, also mit »k« statt mit »sch«.

Seit ich in Waging arbeite und nicht mehr so oft in die »große weite« Welt (sprich nach München) hinaus komme, geht es mit meinem Hochdeutsch bergab. Immer häufiger schleichen sich bairische Ausdrucksweisen in meinen Wortschatz. Da hilft dann nur ein Wochenende in meiner thüringischen Heimat, um das wieder ins Lot zu bekommen. Laut meinem Mann fange ich nämlich sofort, wenn ich dort ankomme, damit an, thüringisch zu reden. Ich selbst merke das nicht oder erst wenn ich wieder zurück in Waging bin. Dann wiegt das Thüringische nämlich das Bairische auf und es bleibt ein einigermaßen vernünftiges Hochdeutsch übrig.

Es ist schon seltsam, wie schnell man einen fremden Dialekt annektiert. Zumindest geht mir es so. Wenn ich den Kollegen am Pausentisch so zuhöre, bin ich immer wieder fasziniert. Ich schnappe fast jede Woche neue Wörter auf und füge sie meinem wachsenden Bairisch hinzu. Letzte Woche lernte ich das Wort »Fotzbloadder« (Herpesbläschen), das steht nicht mal im bairischen Wörterbuch.

Da wir nah an der österreichischen Grenze wohnen, habe ich hin und wieder beruflich mit diversen Architekten und Behörden aus Österreich zu tun. Auch hier gibt es jede Menge neue Wörter zu entdecken … Oder weiß in Deutschland jemand, was eine »Kastralgemeinde« ist? – Das ist nichts Unanständiges und hat auch nichts mit Kirchen zu tun. Es bezeichnet den Geltungsbereich eines Grundbuchs, der muss nicht unbedingt mit der politischen Gemeinde übereinstimmen.

So erweitere ich meinen Wortschatz – ich darf das Gelernte nur nicht in die eigene Sprache übernehmen, dann ist alles gut.

Abschied vom 6233

Alt und neu in trauter Zweisamkeit

Mehr als zehn Jahre hat es mir treu gedient. Jetzt habe ich mein Nokia in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das 6233 eines der besten Handys war, die Nokia je entwickelt hat. Mit den Stereolautsprechern hatte es eine Freisprecheinrichtung, dessen Sprachqualität jedes andere mir bekannte Mobiltelefon in den Schatten stellt. Auch die Fotos, welche die kleine 1,3 Megapixel Kamera aufgenommen hat, konnten sich sehen lassen. Mehrfach habe ich mit dem Handy fotografierte Bilder in ein Fotobuch eingebaut und die Qualität war nicht übel.

Aber nun war es wirklich an der Zeit, der Akku machte nicht mehr mit und die SMS vom Smartphone meiner Kollegin kamen auch nicht mehr bei mir an. Da habe ich mich kurzerhand dazu entschieden auf ein Smartphone umzusteigen, nicht nur wegen der Bahn-App. Heutzutage geht ohne Smartphone fast nichts mehr und von den Nicht-Smartphone-Handys hat mich bisher keines wirklich überzeugt. Auch nicht das von Nokia neu aufgelegte 3310. Als Apple-Jünger greift man dann doch lieber zum iPhone, wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet.

Da liegen sie nun beieinander, das neue und das alte Handy. Es ist schon beachtlich, wie sich die Technik in zehn Jahren entwickelt hat. Wobei ich davon ausgehe, dass das iPhone sicher keine zehn Jahre durchhalten wird.

Verspätungsalarm

Gebucht und nicht gefunden!

Seit einer Weile nutze ich den Verspätungsalarm der Deutschen Bahn. Immer dann, wenn ich ein Online-Ticket gekauft habe.

Bei einer meiner letzten Bahnfahrten erhielt ich vor der Abfahrt nebenstehende Meldung. Die mich mehr amüsierte, als beunruhigte. Gut, ich hatte zuvor nachgesehen und wusste, dass es eine Streckensperrung gibt. Obwohl mich die Sperrung eigentlich nicht tangierte, wirbelte sie den Fahrplan anscheinend so durcheinander, dass die »Positronik« der Bahn meinte, es gäbe keine Fahrt. Gab es aber, woran man erkennen kann, dass das System noch nicht ausgereift ist.

Witzig, in den letzten Tagen erreichten mich die Verspätungsmeldungen für meine verspäteten Züge erst nach der Ankunft. Was auch alles andere als perfekt ist. Aber immerhin, man versucht es zumindest. Vielleicht klappt es irgendwann auch einmal.

Bis dahin heißt es: lieber selber nachgucken!

Ersatz für den Schienenersatzverkehr

Es war mal wieder eine dieser chaotischen Bahnreisen, bei denen man glaubt, ans Ende der Welt zu unterwegs zu sein. Fahrten bei denen man am Ende über jeden Meter froh ist, den man nicht laufend zurücklegen darf.

Dabei hätte ich es schon ahnen müssen. Als ich am Donnerstag am Bahnhof mein Ticket kaufen wollte, verhöhnte mich der Automat mit der Meldung, dass für die gewählte Strecke keine Verbindung gefunden werden konnte. Ich solle den Zeitpunkt ändern oder ein neues Ziel auswählen. Ich war hinreichend irritiert, denn diese Meldung war mir noch nie untergekommen. Irgendeine Verbindung war mir immer angeboten wurden. Ich spielte noch eine Weile vergeblich herum und fuhr dann nach Hause. Auch eine Art seine Kunden zu zwingen, ihre Tickets am heimischen Computer zu kaufen und eben dort auch auszudrucken.

Zumindest fand sich im Onlineportal eine Verbindung, wenn auch mit dem Hinweis, dass die Strecke zwischen Nürnberg und Bamberg gesperrt wäre und ein Schienenersatzverkehr (SEV) verkehrt. SEV – allein der Begriff löst bei Kunden der Deutschen Bahn eine gewisse Panik aus. Denn ein SEV funktioniert nur in wenigen Prozent der Fälle. Aber weil ich unbedingt nach Hause musste – schließlich wird die Cousine nur einmal 50 – stürzte ich mich in das Abenteuer. Ich hatte schließlich den ganzen Freitag Zeit, um ans Ziel zu kommen. Und der SEV zwischen Bamberg und Lichtenfels im letzten Jahr hatte ganz gut geklappt. Dass es am Ende dann doch acht statt der sonstigen viereinhalb Stunden werden würde, konnte ich nicht ahnen. Nun ja ich hätte es ahnen müssen.

Bis Nürnberg lief auch alles prima. Kein Verspätungen, keine falsche Wagenreihung, nettes Personal und auch keine sonstigen Katastrophen. Punkt Neun Uhr stand ich in Nürnberg am Bahnhof und genehmigte mir erstmal einen Kaffee, kaufte mir in aller Ruhe noch meine Perryhefte und schlenderte dann gemütlich zum Südausgang, von wo der SEV fahren würde. Der Weg ist ganz schön weit, und »Gnade Gott« wenn man es da eilig hat. Kurz nach halb zehn stand ich bereits in einer Traube von Menschen, die an einer Bushaltestelle warteten. Ein Bus stand da, aber kein Fahrer in Sicht. Nur zwei Bahnbeamte in gelben Jacken standen am Bahnhofausgang und wiesen den Leuten den Weg zur Bushaltestelle.

Um zehn sollte der Bus fahren. Es war heiß, die Sonne prasselte herab und es gab weder eine Bank noch Schatten. Die Taxis hupten, weil ihnen die wartenden Fahrgäste im Weg waren, denn der Gehweg an der Bushaltestelle war bereits hoffnungslos überfüllt und die Reisenden standen mit ihren Koffern bereits auf dem dahinter liegenden Taxiparkplatz.

Nach und nach kamen drei Busse, die aber nur Fahrgäste entließen und dann weiterfuhren. Man konnte gleich sehen, das es Linienbusse waren, die nur innerhalb der Stadt fuhren, aber kein Reisebus, der über die Autobahn fahren konnte. Kurz nach zehn tauchte ein Busfahrer auf, der sofort von den Wartenden umringt wurde. Als der sagte, er würde erst in einer Stunde fahren, gab es natürlich großes Geschimpfe. Die Leute ließen ihren Unmut an dem Busfahrer aus, der eigentlich nichts dafür konnte und auch gar nicht bei der Bahn beschäftigt war, sondern bei einem Busunternehmen. Er wusste auch nicht, ob und wann ein Bus kommen würde und riet den Fahrgäste an den Servicepoint zu gehen. Die beiden Bahnbeamten am Ausgang waren nämlich auf mysteriöse Weise verschwunden. Doch die Leute ließen sich nicht abwimmeln. Keiner wollte riskieren den Bus zu verpassen, wenn er auf die andere Seite des Bahnhofes ging, um sich zu erkundigen.

Viele Fahrgäste waren älter und wollten nach Erlangen ins Klinikum, weil sie dort einen Termin hatten, den sie nicht schaffen würden, wenn sie noch länger warteten. Also rauften sich ein paar zusammen und nahmen sich Taxis, während andere wieder zum Bahnhof zurückgingen. Der harte Kern aus zirka 80 Leuten aber blieb und redete auf den Busfahrer ein. Dem reichte es irgendwann und er rief seinen Chef an. Nach langem Hin und Her beschlossen sie, dass er für den ausgefallenen Bus einspringen sollte. Daraufhin quetschten sie die Leute rücksichtslos in den Bus. Es war ein Doppelstockbus und ich musste den Koffer über die enge Wendeltreppe nach oben schleppen. Zum Glück ist mein Koffer so klein, damit ich ihn unter dem Sitz verstauen konnte.

Mit zwanzig Minuten Verspätung fuhr der Bus dann ab. Mir war klar, dass ich meinen Anschlusszug in Bamberg wohl nicht schaffen würde, war aber froh überhaupt voranzukommen.

Der Bus quälte sich zunächst durch den Stadtverkehr von Nürnberg auf die Autobahn bis nach Erlangen, wo der Bahnhof günstig direkt an der Autobahn liegt, so dass wir nicht zu viel Zeit verloren. Bei der nächsten Station Forchheim, war das anders. Bis wir dort am Bahnhof waren und wieder zurück auf der Autobahn verging eine Viertelstunde. An der Abfahrt nach Bamberg hegte ich kurzzeitig die Hoffnung, meinen Zug doch noch zu schaffen. Schließlich waren es nur wenige Minuten, die ich später dran war. Die würden den Regionalzug sicher warten lassen.

In Bamberg parkte der Busfahrer den Bus nicht vor dem Bahnhof, sondern am Ende der Straße. Ich rannte, nahm die Abkürzung über den Seiteneingang (inzwischen kenne ich mich am Bamberger Bahnhof leidlich aus), sprintete durch die Unterführung auf Gleis 6, wo der Zug abfahren sollte und las auf der Anzeige: Fährt heute von Gleis 3. Ich wieder runter und auf Gleis 3 hoch … und stand atemlos an einem leeren Bahnsteig. In der Ferne erkannte ich noch die Rücklichter meines Zuges.

Erschöpft und stinksauer suchte ich den nächsten Bahnmitarbeiter, an dem ich meinen Frust auslassen konnte … doch da war keiner. Am Infopoint hatte ich mich zumindest wieder soweit unter Kontrolle, dass ich im höflichen Ton fragen konnte, wann der nächste Anschlusszug fährt. Fügte aber noch eine paar Bemerkungen über die Deutsche Bahn im Allgemeinen und den eingerichtete SEV im Besonderen hinzu. Die Dame am Schalter ließ das kalt. Sie servierte mir ein ausgedrucktes Stück Papier mit den Worten: ich solle mich nicht aufregen, der nächste Zug ginge doch schon in zehn Minuten und ich solle mich lieber beeilen, damit ich den nicht auch noch verpasse.

Erst im Zug registrierte ich, dass es eine »Bummelbahn« war, die an jedem Briefkasten hielt und ich erst eine Stunde später als geplant ankommen würde.

So kam ich mit einer Stunde Verspätung zusätzlich zu den zwei Stunden an, die ich ohnehin durch den SEV später dran gewesen wäre. Es war zum Heulen.

Das Schlimmste aber ist, dass die Baumaßnahme, die den SEV bedingte, dazu dient, die neue Schnellstrecke von Erfurt anzubinden. Und das wenn die im Dezember fertig ist, kein Schnellzug mehr nach Saalfeld fahren wird, sondern nur noch wenige Regionalbahnen. Was zur Folge hat, dass ich in Zukunft noch öfter umsteigen und noch länger brauchen werde. Das macht das Ganze noch viel frustrierender.

Nochmal Karlsruhe

Nachdem wir seit Montag wieder daheim sind, möchte ich doch noch ein paar Gedanken über unseren Urlaub und zu Karlsruhe im allgemeinen loswerden.

Wie immer wenn wir Städteurlaub machen, erkunden wir vieles zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Letzteres haben wir in Karlsruhe nicht gebraucht, weil die Sehenswürdigkeiten nicht so weit auseinander liegen und das Hotel strategisch günstig positioniert ist. Vom Hotel bis zum Schloß brauchten wir nicht mal 20 Minuten. Trotz der schönen Parks und der Fußgängerzone ist Karlsruhe nicht wirklich Fußgängerfreundlich. Schon allein wegen der unglaublich vielen Baustellen, die wohl noch die nächsten Jahre die Stadt »schmücken« werden. Jeglicher Verkehr scheint aufs Auto ausgerichtet, was mich am allermeisten wunderte. Gerade an jenem Ort, an dem das Fahrrad erfunden wurde, sind richtige Radwege selten. Das finde ich schade, denn dadurch nimmt man der Stadt viel von ihrem Reiz. Wahrscheinlich bin ich einfach aus meiner Zeit in München verwöhnt, wo es streng getrennte Rad- und Fußwege gibt und man von Radfahrern auf dem Gehweg oder an der Ampel nicht über den Haufen gefahren wird. Da gibt es auch keine dieser Pseudo-Radwege, die auf die Straße gepinselt wurden und auf der meist Autos parken und man als Radfahrer kaum vorankommt.

Besonders sportlich muss man sein, wenn man eine der Hauptstraßen überquert. Am Ettlinger Tor beispielsweise kamen wir während der Grünphase maximal bis zur Mitte der Straße, dann war wieder Rot und die stehenden Autos legten schon mal den Gang ein. Da ist Schnellsein angesagt – ältere Leute oder kleine Kinder haben da wenig Chancen. Ich glaube jedoch, das dies kein alleiniges Problem von Karlsruhe ist, sondern eines das viele größere Städte haben.

Begeistert bin ich nach wie vor von den vielen Grünanlagen und Parks mit dem alten Baumbestand. Eine solche Vielfalt an Baumarten und vor allem an sehr alten Bäumen habe ich in einer Stadt selten zu Gesicht bekommen. Auch die Sternförmige Anordnung der Straßen rund um das Schloss sieht man selten. Einen mittelalterlichen Stadtkern sucht man in Karlsruhe vergebens, doch es ist gerade diese klassizistische Moderne, welche der Stadt einen besonderen Reiz verleiht.

Mein persönlicher Höhepunkt waren jedoch die Schlosslichtspiele und der Lauterberg, auf dem übrigens nach seiner Einweihung eine Fahrradrennstrecke angelegt wurde. Man stelle sich vor, die jungen Männer von damals, haben sich dort mit ihren Hochrädern vom Berg gestürzt – wahrscheinlich im wahrsten Sinnes des Wortes.

Hier noch ein paar Impressionen:

Megabaustelle am Ettlinger Tor

Ein Sequioa in Karlsruhe

Umklammerung im Park

Die Kräne markieren die Baustellen

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