Heimweh nach Wolfenbüttel

Heute startet an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel das Schreibseminar zur phantastischen Kurzgeschichte und ich bin nicht dabei. Das macht mich schon etwas traurig.

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass das Schreibseminar im vergangenen Jahr mein Leben verändert hat. Nicht nur das ich sehr viel mehr schreibe als die anderen Jahre zuvor, ich betreibe es jetzt auch sehr viel ernsthafter. Außerdem hat es meine Perspektive für Literatur verändert. So merke ich heute sehr schnell, warum mich mancher Text anspricht und ein anderer wiederum nicht. Unstimmige Erzählperspektiven, Onkel-Dramaturgie, Weißräume, Schwächen im Plot … Es gibt viel, was mir jetzt ins Auge fällt, worüber ich früher nie nachgedacht habe. Meine eigenen Texte und die anderer kann ich nicht mehr ohne kritischen Blick lesen. Was bei den eigenen Arbeiten hilfreich ist, lässt mich aber auch fremde Romane differenzierter lesen. Da passiert es schon mal, dass ich ein Buch wieder weg lege und nicht zu Ende lese, wenn ich merke, dass es zu viele „technische“ Fehler enthält.

Das ich mit dem Schreiben erst am Anfang stehe, sollte klar sein. Meine Entwicklung hat gerade erst begonnen. Wahrscheinlich werde ich noch oft an einem Schreibseminar teilnehmen müssen, um einigermaßen gut schreiben zu können. Genau deshalb ärgert es mich ein wenig, heute nicht an der Bundesakademie zu sein.

Natürlich gibt es dafür einen triftigen Grund, einen höchst erfreulichen sogar. Mein Mann und ich haben heute vor fünf Jahren geheiratet.
Bei unserer Star-Trek-Hochzeit war damals sogar die Presse anwesend, worauf wir immer noch ein klein wenig stolz sind. Wie immer werden wir unseren Ehrentag angemessen begehen; mit einem besonderen Ausflug und einem guten Essen.

Im November findet ein weiteres Seminar zur phantastischen Literatur in Wolfenbüttel statt. Den Termin habe ich mir schon reserviert. Ob ich dabei sein kann, liegt dann ganz im Ermessen der Veranstalter. Ich würde mich riesig freuen.

Ambivalent ambitionierte Kritik mit Interpretationsspielraum

Als ich gestern Vormittag aus dem Keller komme, empfängt mich mein Mann mit den Worten: „Ich hab was gelesen. Rate mal!“ Nun liest mein Mann ziemlich viel, wenn der Tag lang ist und ich wäre wahrscheinlich nicht darauf gekommen, wenn er nicht beiläufig hinzugefügt hätte: „Es hat mit deiner Telepathin zu tun.“ In diesem Moment spüre ich meine Knie weich werden, Hitze wallt durch meinen Körper und ich fange beinahe an zu Hyperventilieren. In meinem Kopf ist plötzlich nur noch Platz für einen einzigen Gedanken: „Oh Gott, die Harbach-Kritik ist online.“

Thomas Harbach, der Reich-Ranicki der Science Fiction-Literatur bespricht auf der Seite von Robots & Dragons meine Perry Rhodan-FanEdition. Und er schreibt viel über den Roman, ziemlich viel sogar. Es dauert eine Weile, bis ich den langen Text durchgelesen habe. Am Ende bin ich überrascht, weil es nicht so schlimm ist, wie ich erwartet hatte.
Die „emotionale Note“ der Geschichte scheint ihn nicht zu stören, obwohl ich das am ehesten befürchtet hatte. Meinem Anspruch einen emotional ansprechenden Frauentauglichen Perry Rhodan Roman zu verfassen, scheine ich wohl gerecht geworden zu sein. Harbach spricht die Perspektivenwechsel an und geht auf meine „belehrend pragmatische“ Erzählweise ein. Was ich mir im Grunde bereits gedacht hatte, denn das ich Probleme mit Erzählperspektiven habe und bei den Figuren eher das „tell“ als das „show“ praktiziere, wusste ich bereits aus Wolfenbüttel. Der Roman entstand ja vor meinem Besuch des Schreibseminars und vieles würde ich aus heutiger Sicht nicht mehr so schreiben.
Aber es wird noch interessanter. Er interpretiert Dinge in den Plot, die ich so gar nicht im Hinterkopf hatte. Zum Beispiel das Golinehs Vater der Führer seines Volkes sein soll, habe ich in keiner Zeile erwähnt. Diese Interpretationen geben mir selbst eine völlig neue Sichtweise auf meine Geschichte. Für ihn wäre die Geschichte gelungener, wenn ich auf die bekannten Helden wie Perry Rhodan oder Atlan verzichtet hätte. Aber genau das wollte ich nicht tun. Aus dem einfachen Grund weil: Wo Perry Rhodan draufsteht, sollte auch Perry Rhodan drin sein. Und ich glaube, dass dies für den Verkauf des Romans förderlich war. Andererseits wollte ich mit der Geschichte beweisen, dass ich sowohl bekannte Charaktere treffend agieren lassen kann, als auch eigene Figuren zu entwickeln weiß.

Zumindest findet Harbach das erste Drittel der Handlung spannend. Schön, dass er die von mir bewusst inszenierte Dreiteilung des Plots durchschaut hat.
Scheinbar gut gefallen hat ihm wohl die Figur des Quartiermeisters Tiberiu Varga, bei dessen Schöpfung ich selbst viel Spaß hatte. Was bei ihm nicht so gut ankam, war der von mir augenzwinkernde und bewusst klischeehafte Umgang mit den Frauen. Er bezeichnet den Mittelteil des Romans als „Persiflage auf die militärischen Hierarchien“. Gut erkannt, dass war auch so beabsichtigt, hat ihm als Leser aber nicht so gut gefallen. Schließlich bemängelt er auch: „Auf der anderen Seite geht es in ihrem Roman weniger um die Stellung der Frau innerhalb der Flotte – findet ja nicht statt – …“ Das ist richtig, deshalb war ich mit dem Werbeslogan („Frauen in der Solaren Flotte!“), mit dem die PRFZ meine FanEdition beworben hat, auch nicht glücklich.
Ich gebe zu, dass der Star Trek Bezug im dritten Teil der Handlung, wohl ein wenig zu offensichtlich ist und für den einen oder anderen harten Perry Rhodan-Fan etwas verstörend wirken könnte. Außerdem hat Harbach recht, wenn er schreibt: „Mit der Geschwindigkeit, mit welcher Christina Hacker plötzlich durch das Geschehen hetzt, gibt es auch keine Möglichkeit, Alternativen ins Auge zu fassen oder überhaupt durchzusprechen…“, und weiter, „…Es ist schade, dass die Autorin wahrscheinlich angesichts des Umfangs ihres Plots sich am Ende zu sehr beschränkt und die grandiose, aber nicht in ihren Wurzeln originelle Idee so abrupt und distanziert beschreiben muss. Vielleicht hätte ein Doppelband dem Plot gut getan.“ Genau an Letzteres hatte ich zwischenzeitlich gedacht. Nachdem mir die anfangs vorgegebenen rund 200.000 Zeichen (mit Leerzeichen) zunächst ausreichend erschienen, dann aber schneller geschrieben waren, während noch jede Menge Exposé übrig war, hätte ich vielleicht wirklich einen harten Schnitt machen sollen und die eigentlich zwei Geschichten separat erzählen müssen. Das ist mir auch erst im Nachhinein bewusst geworden.

Am Ende fällt sein Fazit dennoch überwiegend positiv aus. „Technisch ist der Roman ein ambivalentes, aber für eine „Fanproduktion“ auch zufrieden stellendes vor allem aber ausgesprochen ambitioniertes Leseerlebnis.“ Das klingt für mich positiv, genauso wie die Formulierung: „… den Leser trotzdem bei der Stange hält …“ Damit sehe ich meine Hauptaufgabe als Autor erfüllt. Ich habe es geschafft, das er als Leser den Roman bis zum bitteren Ende gelesen hat. Ebenso positiv werte ich folgenden Satz: „So bleiben zu viele Fragen trotz des Versuches, ein Happy End zu beschreiben offen und der Leser fühlt sich förmlich aus dem Roman gedrängt.“ Ich interpretiere es mal so, dass er sich eine Fortsetzung wünscht.
Als negativ aber zutreffend bewerte ich seine Aussage: „Sobald sie aber Neuland betritt, wird sie insbesondere hinsichtlich des beschränkten Seitenumfangs hektisch, aber auch belehrend pragmatisch.“ Das war nach meiner Rückkehr vom Schreibseminar auch mein erster Eindruck, als ich die Geschichte erneut durchgelesen habe. Aber da war’s schon zu spät für umfangreichere Änderungen.

Thomas Harbach hat mich mit dieser Rezension sicher mit Samthandschuhen angefasst. Ich persönlich wäre härter mit mir ins Gericht gegangen. Ziemlich offensichtlich finde ich seine Art möglichst viele Fremdwörter in seine Rezension zu streuen, um negative Kritik zu verschleiern. So widerspricht er sich häufig selbst, wenn er im Hauptsatz etwas lobt, um es im Nebensatz zu negieren. (Siehe: „… die grandiose, aber nicht in ihren Wurzeln originelle Idee …“ Was denn nun? Wenn die Idee nicht originell ist, ist sie auch nicht grandios.) Man spürt wie er sich förmlich windet und merkt, wie schwer er sich mit dem Roman tut. Mir wäre lieber gewesen, wenn er eine eindeutige Position bezogen hätte, auch wenn diese negativ ausgefallen wäre, als dieses komische Gezerre. An einem Satz habe ich lange gerätselt und ich habe immer noch nicht ganz verstanden, was mir der Rezensent damit sagen will: „… aber vor allem ihrer unklaren Mission den Leser trotzdem bei der Stange hält und Perry Rhodan ein wenig nicht unbedingt negativ wie „Star Trek“ erscheinen lässt.“ Wer oder was ist jetzt nicht negativ?
Auffällig und störend sind auch die vielen Tippfehler im Text. Grundsätzlich freue ich mich aber, dass sich überhaupt mal jemand über den Roman geäußert hat.

Ich denke, dass mich mein Status als Hoppyautorin vor Schlimmeren bewahrt hat. Wenn ich mir ansehe, wie schlecht die Autoren von Perry Rhodan-NEO bei ihm wegkommen, bin ich schon froh, dass er mich nicht ungespitzt in den Boden gerammt hat.

Meine erste Buchmesse

Als ich am Freitag dem 13. März gegen 11:30 Uhr auf der Buchmesse in Leipzig eintreffe, ist es schon gut gefüllt. Bereits draußen sieht man viele junge Leute in fantastischen Kostümen herumlaufen. Die junge Frau, die ich auf der Zugfahrt getroffen habe, erklärt mir, welchen Games viele der Gestalten entspringen. Sie scheint sich gut auszukennen. Am Eingang trennen sich unsere Wege, sie wartet auf Freunde, während ich mein Online-Ticket hervorkrame und durch die Sperre am Eintritt trete.
Die große Glashalle ist gewaltig. Sie spannt sich wie ein riesiges 28 Meter hohes Netz über 19000 Quadratmeter. Dazwischen wuseln Menschen auf zwei Etagen. Ich kenne das Gelände von einem Messebesuch von vor ein paar Jahren, doch dieses Mal wirkt alles viel voller und lebendiger. Auffallend ist die große Medienpräsenz, kaum ein öffentlich rechtlicher Sender, der nicht mit einem Stand vertreten wäre. Kamerateams laufen zu Dutzenden herum, und draußen auf der Straße parkt ein Übertragungswagen am anderen. Ich werfe mich ins Getümmel mitten zwischen die exotischen Kostüme, die mich an die FedCon erinnern, nur dass hier der Frauenanteil deutlich höher ist.

Natürlich führt mein erster Weg in Halle 2. Als ich durch die Tür gehe, läuft mir Reiner Schöne über den Weg. Den Schauspieler kenne ich von einem Besuch beim Münchner Trekdinner. Damals stellte er sein erstes Buch mit dem Titel „Let the Sunshine in“ vor. (Hier kann man den Bericht lesen, den ich 2004 darüber geschrieben habe.) Und wieder bin ich beeindruckt von der Größe des Mannes, der mich um mindestens zwei Köpfe überragt. Eilig hastet er an mir vorbei, umringt von einer Gruppe Journalisten.
Ich gehe auf die Suche nach dem Perry Rhodan-Stand, doch als ich ihn zwischen all den Schulbuchverlagen endlich finde, scheint er verlassen. Ich bleibe stehen, sehe mich eine Weile hilflos um und entdeckte schließlich Kathrin Lienhard. Was denn los sei?, frage ich und sie erzählt mir, dass die Herren aus der Redaktion krank sind. Die Nachricht macht mich etwas traurig, denn ich hatte gehofft, Klaus N. Frick würde für mich das Peter Pank Buch signieren, das ich extra mitgebracht hatte. Doch sie macht mir Hoffnung dass zumindest Michelle Stern und Arndt Drechsler am Nachmittag da sein würden, denn auch der Autor Michael Markus Thurner hatte krankheitsbedingt absagen müssen.

Ich verabschiede mich wieder und gehe in Halle 5, um Jan Weiler im Leipziger Autorenforum zu sehen. Als ich dort eintreffe, komme ich nicht mal in die Nähe der Tribüne. Trauben von Menschen stehen davor, ich höre eine Stimme, die mir bekannt vorkommt, die ich aber vorerst nicht zuordnen kann. Die Menschenmenge ist so dicht, dass ich nicht mal sehen kann, wer da spricht. Erst als ich eine Weile zuhöre, dämmert es mir. Das muss Gregor Gysi sein. Pünktlich um 12:00 Uhr verabschiedet sich der Politiker mit einem seiner üblichen Sprüche. Zu Gesicht bekomme ich ihn aber aufgrund der vielen Menschen nicht. In der Hoffnung, dass der Andrang nachlässt und ich einen Sitzplatz ergattern kann, bleibe ich stehen, komme aber nur ein paar Meter vorwärts, bevor die Tribüne wieder geschlossen wird.
Ein Mann begrüßt Jan Weiler und wieder sehe ich nichts. Der Typ, der die Fragen stellt, macht das grauenhaft unprofessionell. Allein sein stark ostdeutsch gefärbter Dialekt und die saloppe Wortwahl sind zum Fremdschämen. Sein Auftreten erinnert mich an einen Kuhbauern. Außerdem merkt man ihm an, dass er unvorbereitet ist: Er verwechselt Namen und Buchtitel. Jan Weiler reagiert routiniert, erzählt aus der Geschichte seines neuen Romans „Kühn hat zu tun“ und beantwortet brav jede Frage. Ich wechsle den Standort und bekomme tatsächlich den Autor kurz zu Gesicht – ganz klein, eingerahmt zwischen hunderten von Köpfen. Nach dem Ende der Veranstaltung schlendere ich durch Halle 5, verorte schon mal die Koordinaten für die spätere Signierstunde von Jan Weiler und wechsle anschließend in Halle 4, um den Bookspot Verlag aufzusuchen.

Ich bin ja echt fasziniert, wie viele kleine Verlage es gibt und mit was man dort teilweise sein Geld verdienen kann. Es geht von Religion über schräge Esoterik, Tierpsychologie bis hin zu Erotik. Viele Druckkostenzuschussverlage rühren die Werbetrommel und suchen nach Autoren.
Von Halle 4 aus will ich in Halle 1 zum CrossCult Verlag dort liest Andrea Bottlinger aus ihrem neuen Buch. Doch die Security hat den Durchgang zum Foyer gesperrt – dort ist zu viel Andrang. So wechsle ich direkt von Halle 4 in Halle 2 und bleibe am Perry Rhodan-Stand hängen. Es bietet sich ein trauriges Bild: Michelle Stern hält dort allein die Stellung. Ich geselle mich zu ihr und wir reden ein wenig. Hin und wieder kommen Fans, um ein Autogramm zu holen. Ich komme mit ihnen ins Gespräch. Zwischendrin treffe ich auch Olaf Kutzmutz von der Bundesakademie Wolfenbüttel. Ich bin erstaunt, weil er mich auf der Stelle erkennt. Mit gezücktem Smartphone eilt er weiter und am Abend sehe ich auf seinem Twitteraccount das Ergebnis; der Mann ist ein echter Twitterjunkie.
Gegen 14 Uhr gehe ich in Halle 5 zurück, um mir Jan Weilers neues Buch signieren zu lassen. In der Schlange hinter mir erzählt ein älterer Leipziger einem jungen Münchner aus seiner Kindheit; wie er 1945 in Gauting in der Würm das Schwimmen lernte. Ich höre interessiert zu und so vergeht die Zeit bis zur Unterschrift wie im Flug.

Anschließend bummle ich durch Halle 3 und stattete auch noch Halle 1 einen Besuch ab, in der die Manga und Comic Con stattfindet. Ein bisschen hat das was von FedCon, es sieht aus wie ein überdimensionaler Händlerraum. Hier gibt es nicht nur Comics, Mangas, Kostüme und allerlei Cosplay Zubehör, sondern sogar japanische Süßigkeiten. Unter anderem auch Mochi; das sind sehr süße weiche Teilchen, von denen ich gar nicht so genau wissen will, aus was sie bestehen. Ich hoffte ja bei CrossCult oder Panini ein Geburtstagsgeschenk für meinen Mann zu finden, habe aber kein Glück.
Als ich gegen Drei wieder am Perry Rhodan-Stand vorbeischaue ist Arndt Drechsler noch nicht aufgetaucht. Kathrin Lienhard wirkt nervös, weil er sich nicht gemeldet hat. Angeblich ist auch er krank, wollte aber dennoch kommen.
Ich hole mir derweil einen Kaffee, mache noch einen Rundgang und lausche einer Kinderbuchautorin, die von einem Waschbären erzählt. Ich bewundere ja Leute, die Kinderbücher schreiben können. Ich glaube nicht, dass ich dazu fähig wäre.
Kurz vor 16:00 Uhr kehre ich an den Perry Rhodan-Stand zurück und da steht ein Berg von einem Mann – Arndt Drechsler. Er erinnert mich ein bisschen an Yul Brunner in „Der König von Siam“. Aber auch er macht keinen gesunden Eindruck, dennoch signiert er brav mein mitgebrachtes Perry Rhodan-Heft mit Atlan auf dem Cover. Außerdem darf ich zusehen, wie er für einen anderen Fan Icho Tolot zeichnet. Als er in die Runde fragt, ob ein Haluter Nasenlöcher hat, sehen wir uns fragend an; keiner weiß es und schließlich zeichnet er doch welche ein.
Dann ist es auch schon Zeit für mich zu gehen und ich verabschiede mich.
Unten im Foyer kaufe ich noch einen widerlich schmeckenden Hotdog, der ein Vermögen kostet, bevor ich die Messe verlasse und zum Messe-Bahnhof eile. Es ist kalt auf dem Vorplatz und ich bewundere die jungen Mädchen in ihren sehr freizügigen Kostümen.
Erst als ich am zugigen Bahnsteig auf einer Sitzbank Platz nehme, stelle ich fest, dass ich die ganze Zeit über gelaufen und gestanden bin. Für jemanden der den ganzen Tag sitzt, ist das normalerweise ziemlich anstrengend. Doch wahrscheinlich bin ich so voller Endorphine, dass mir die Anstrengung nichts ausgemacht hat. Nur mein Kopf fühlt sich, wegen meiner Migräne etwas matschig an.
Das war meine erste Buchmesse und ich weiß schon jetzt, dass ich mir den Termin in Leipzig fürs nächste Jahr im Kalender anstreichen werde.

Ich will wiederkommen – Nein – ich muss wiederkommen.

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Die richtige Perspektive

Ich habe es geahnt … Nein, eigentlich habe ich es gewusst …

In dieser Woche traf die erste hammerharte Kritik zu meiner FanEdition ein. Mein Gott, das war erdend. Der Kritiker (selbst PR-Autor) hat nur eine Szene gebraucht, um mir zu zeigen, was ich alles falsch mache. Brutal. Decken wir lieber den Mantel des Schweigens darüber. Das Schlimmste aber ist, dass ich ihm in allen Punkten zustimmen muss. Die Fehler sind schwerwiegend und offenkundig.

Worauf man mich bereits in Wolfenbüttel aufmerksam machte, hat sich bestätigt: Ich scheitere an der Erzählperspektive. Autorenperspektive oder Figurenperspektive – ich habe Probleme das zu unterscheiden und bei einer Perspektive zu bleiben. Ganz böse ist es, weil ich mittels der Autorenperspektive auch noch so eine Art „Onkel-Dramaturgie“ betreibe. Das heißt, ich erkläre dem Leser die Situation, anstatt sie ihm zu zeigen. Momentan überlege ich mir gerade eine Strategie, wie ich das zukünftig vermeiden kann. Leider will mir noch nichts dazu einfallen. Jetzt durchforste ich erstmal meine letzten literarischen „Ergüsse“ um die Problemstellen zu markieren.

Eine weitere Sache, die der Kritiker bemängelte und die auch im Seminar angesprochen wurde: Ich beschreibe zu wenig. Die Umgebungen in denen meine Szenen spielen, bleiben meist im Unklaren. Seit ein paar Wochen lese ich deswegen die Romane von George Simenon, weil der belgische Autor ohne viele Worte eine gelungene Szenenbeschreibung liefert. Ich muss lernen, den Hintergrund meiner Geschichten besser auszuschmücken.

Puhh! Ja, Schreiben ist schwerer, als man denkt. Es hat nichts mit Talent zu tun, sondern ist harte Arbeit. Zumindest wenn man den Anspruch hat, es professionell betreiben zu wollen. Und da ich einen Hang zu Perfektion habe, wurmt es mich umso mehr, dass ich bei meiner FanEdition so stümperhaft gearbeitet habe. Nun, leider wusste ich damals noch nichts von alledem. Dennoch ist mir das Ganze jetzt ziemlich peinlich!

Schreibarbeit

Wie zäh die Arbeit eines Autors sein kann, wird mir dieser Tage zum ersten Mal so richtig bewusst.

Links von mir liegt das lektorierte Manuskript von „Parallelwelten“, rechts meine Notizen vom Schreibseminar und dazwischen die Tastatur. Dazu höre ich Susan Boyle.
Ich arbeite mich Seitenweise voran: Korrigiere zunächst die angestrichenen Fehler, gehe dann Satz für Satz noch einmal durch. Streiche, füge hinzu, ändere, manchmal schreibe ich sogar einen kompletten Abschnitt neu. Das alles ist so langwierig und quälend, dass es mich schnell ermüdet. Mehr als 4-5 Normseiten am Tag sind nicht drin und der Papierstapel auf meinem gläserneren Schreibtisch scheint nicht kleiner zu werden.

Dabei habe ich so viele Ideen zu neuen Projekten im Kopf, die ich so gern aufschreiben würde. Aber ich diszipliniere mich, raffe mich auf.
Gedanklich habe ich mit der Geschichte schon längst abgeschlossen. Doch ich will, dass sie auch wirklich gut wird. Besser als der Kram, den ich bisher geschrieben habe. Mit der neuen Perspektive, die ich in Wolfenbüttel erhalten habe, sehe ich meine bisherigen Arbeiten in einem völlig neuen Licht. Und was ich da erblicke, ist weder schön noch perfekt. Es ist weit von dem entfernt, wo ich hin möchte. Ich stelle fest, dass da wohl noch ein langer, steiniger Weg vor mir liegt.

Literarisches Superschnäppchen

FederweltAuf dem Schreibseminar in Wolfenbüttel kam in den vielen Gesprächen, die ich dort führte, jemand auf die „Federwelt“ zu sprechen. Die „Federwelt“ ist eine Zeitschrift für Autorinnen und Autoren mit jeder Menge Tipps zum Schreiben und Veröffentlichen. Seitdem liebäugelte ich damit, mir mal eines dieser Hefte zu kaufen und näher anzusehen. Jetzt bot sich mir auf einer bekannten Online-Auktions-Plattform die ultimative Chance – 18 Ausgaben von Nr. 91-108 in einem Rutsch. Da musste ich einfach mitbieten und bekam schließlich auch den Zuschlag für ganze 11,40 EUR inkl. Versand. Was für ein Schnäppchen! (Der Originalpreis pro Ausgabe liegt bei 6,50 EUR.)

Die Hefte kamen gestern an und schon beim bloßen Durchblättern bin ich an einigen interessanten Artikeln hängengeblieben. Der Inhalt ist abwechslungsreich und reicht von Schreibtipps, über Marketingstrategien bis hin zu Interviews von Leuten aus der Branche. Ich glaube, da habe ich in der nächsten Zeit viel zu lesen und zu lernen. Über den einen oder anderen Artikel werde ich sicher hier berichten.

Bundesakademie 2015

DSC06298_1024Heute fand ich das neue Programm der „Bundesakademie für Kulturelle Bildung“ im Briefkasten. Toll schaut es aus, sehr hochwertig gemacht und mit hochwertigem Inhalt.
Ich muss ja sagen, das ich, seit dem ich in Wolfenbüttel war, großer Fan der Bundesakademie bin. Da stimmt irgendwie alles – das Kursangebot genauso wie das Umfeld oder die Verpflegung. Wenn man in dem Heft ein bisschen blättert, stellt man sehr schnell fest, das einem da ein umfassendes und abwechslungsreiches Programm geboten wird. Egal ob es sich dabei um bildende Kunst, darstellende Kunst, Literatur, Museum oder Musik handelt, da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Natürlich gibt es auch wieder zwei Seminare zum Thema phantastische Literatur, für die ich mich bewerben wollte. Dumm ist nur, das gerade das Kurzgeschichten-Seminar zu einem für mich saublöden Termin stattfindet. Nämlich an unserem 5. Hochzeitstag. Das kann und will ich meinem Mann nicht antun. Er hat sich schon in diesem Jahr für mein Hobby geopfert und drei langweilige Tage in Wolfenbüttel verbracht. Also bleibt mir nur noch der Termin im November und ich hoffe sehr, dass es dann auch klappt. Denn das Thema hört sich sehr interessant an: „In der Meisterklasse – Wie man beim Fantasy-, Horror- und Sciencefiction-Roman von Vorbildern lernt“.

Wolfenbüttel und die Folgen

IDSC06074_1024ch bin ja selbst Schuld. Ich habe das so gewollt und muss nun die Konsequenzen tragen.

Im Frühjahr diesen Jahres erfuhr ich von der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Unter den vielen Bildungsmöglichkeiten die es dort gibt, finden sich auch Schreibseminare für phantastische Literatur. Da ich seit etwa eineinhalb Jahren wieder verstärkt schreibe, dachte ich mir, das es eine gute Idee wäre, mal so ein Seminar zu besuchen. Meine ebenfalls als Hobbyautoren tätigen Freundinnen, rieten mir ab. So nach dem Motto: Das braucht man doch nicht oder Schreiben ist reines Talent, entweder man kann es oder nicht.
Ich ließ mich aber nicht von der Idee abbringen. In mancher Hinsicht neige ich zu Perfektion und da erschien mir ein professionelles Schreibseminar der richtige Ansatz zu sein. Zumal ich gerade in der Rekordzeit von einem Jahr den 6. Band meiner T’Cai Reihe fertiggestellt hatte und ihn für durchaus gelungen hielt.
Also rief ich in Wolfenbüttel erst einmal an, um mich bei einem sehr freundlichen Herrn (Olaf Kutzmutz) zu erkundigen, ob ich denn für ein solches Seminar eigentlich geeignet bin. Wenig später reichte ich online meine Bewerbung ein. (Ja, man muss sich für diese Seminare bewerben.) Als dann die Teilnahme-Bestätigung einging, war ich so richtig glücklich.

Am vorletzten September Wochenende war es dann soweit. Schon Tage vorher war ich aufgeregt und das kumulierte in einer ungebremsten Unruhe. Das legte sich jedoch schnell, als ich erkannte, das meine Mitstreiter (eine bunt gemischte Truppe aller Altersklassen mit verschiedensten beruflichen Hintergründen) durchweg sehr nett waren und wir allesamt das gleiche Ziel verfolgten, nämlich unsere Schreibkenntnisse zu verbessern. Die Dozenten, unter ihnen auch Olaf Kutzmutz, zeigten sich offen und kritisch, aber ohne erhobene Zeigefinger und ohne persönlich zu werden. Was, soweit ich gehört habe, bei anderen Schreibseminaren nicht selbstverständlich ist.
So erfuhr ich über Erzählperspektiven und „Weißräume“ und das ich genau damit ein Problem habe. Der Ausschnitt meines Romans krankt an fehlender Szenenbeschreibung und oftmaligen Perspektivenwechsel. Emotionale Kopplung bekomme ich zwar hin, die ist aber widersprüchlich und leidet an fehlender Tiefe. Kurzum, nach dem Rundumschlag von Seminarteilnehmern und Profiautoren, blieb von meiner Geschichte nicht viel übrig. Da half es auch nicht mehr, dass ich am letzten Tag einen kleinen Abschnitt in einer Schreibaufgabe neu formulieren durfte und zumindest diese Aufgabe einigermaßen erfüllte. Ich war einfach nur schlecht.
Jetzt trage ich mich mit dem Gedanken den ganzen Plot in Frage zu stellen und komplett zu überarbeiten. Was nichts anderes heißt, als die Arbeit eines ganzen Jahres im Papierkorb zu versenken.

Dennoch, die Teilnahme an diesem Seminar hat mir die Augen geöffnet und ich bin allen voran den Dozenten für ihre konstruktive Kritik dankbar. Es wird ganz sicher nicht mein letztes Seminar gewesen sein. Ich freue mich darauf, wieder teilnehmen zu dürfen.

Einen ausführlichen Bericht zum Schreibseminar an der Bundesakademie gibt es hier.

Und übrigens, Wolfenbüttel ist eine sehr schöne Stadt, wie man anhand der Fotos unschwer erkennen kann.
(Beschreibung der Bilder in ihrer Reihenfolge: Das Gästehaus der Bundesakademie,  „Klein Venedig“, Wolfenbüttels berühmte Bibliothek, Fachwerk reiht sich hier an Fachwerk)

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