„Verhalten“ im Forum

Interessehalber stöbere ich hin und wieder in diversen SF-Foren. Ab und zu schreibe ich selbst einen Beitrag, tue dies aber eher zurückhaltend und das hat einen Grund.
Was mir nämlich häufig auffällt, sind die schlechten Umgangsformen, die von einigen Forumsmitgliedern an den Tag gelegt werden. Besonders wenn es darum geht über PR-Autoren und PR-Redaktion herzuziehen.
Bestes Beispiel Jubiläumsband 2800: Da werden Vorurteile gepflegt und über die Autorin gelästert, ohne das dieser Band überhaupt erschienen ist. Da glauben selbsternannte Experten, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und dürften Stil und Inhalt eines Romans beurteilen, den es noch gar nicht gibt. Nur weil ihnen frühere Romane der Autorin nicht gefallen haben. Da werden Lektoren schlechtgemacht und die Redaktion der Unfähigkeit beschimpft.
Ehrlich, wenn ich das lese, kommt mir die Galle hoch. Kritik gern, aber wenn, dann doch bitte konstruktiv. Aber nein, es werden Pauschalurteile gefällt und auf Nichtigkeiten herumgetreten. Mich wundert’s, dass Autoren und Redaktion nicht schon längst die Flinte ins Korn geschmissen haben. Sollen die, die es besser zu wissen glauben, doch ihre eigenen Heftromane verfassen, mal sehen, ob sie’s denn wirklich besser könnten.

Nein, ich reg mich nicht auf.

Frauen in der Solaren Flotte …

… so steht’s in der Anzeige der aktuellen „phantastisch!“

Meine Freunde vom Trekdinner haben mich vor ein paar Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass in dem bekannten Magazin auf einer kompletten A4-Seite Werbung zu meiner FanEdition gemacht wird. Sogar mit einem Bild von mir. Der Text ist jener, den ich für die Internetseite der PRZF geschrieben habe.
Die etwas reißerische Überschrift ist aber nicht von mir. Eigentlich ist sie so nicht ganz richtig, denn es werden keine Frauen in der Solaren Flotte gezeigt, sondern es geht um den Umgang der Solaren Flotte mit Frauen. Doch ich glaube, jetzt bin ich spitzfindig.  :)

Was mich aber heute wirklich gefreut hat, ist folgende Nachricht von der Perry Rhodan Homepage:
Zum allerersten Mal in der mehr als 50jährigen Perry Rhodan-Geschichte schreibt eine Frau einen Jubiläumsband. Michelle Stern durfte den Heftroman 2800 mit dem Titel „Zeitriss“ verfassen. Somit scheinen die Frauen tatsächlich in der Solaren Flotte angekommen zu sein. Dazu sollte man („Frau“) ihr herzlichst gratulieren. ;)

anzeigePhantastisch

Sternenkinder

Quelle: Perrypedia

Perry Rhodan NEO 86 – Sternenkinder; von Rüdiger Schäfer

Mit Perry Rhodan NEO verbindet mich so etwas wie eine Hassliebe. Von den ersten vier Bänden der Serie war ich hellauf begeistert. Nur leider ließ diese Begeisterung sehr rasch nach. Beim Wega-Zyklus habe ich mich an den Hörbüchern versucht und enttäuscht aufgegeben. Die Handlung war mir zu hastig, zu verzettelt und der Versuch aus Perry Rhodan einen Teamplayer zu machen endete darin, dass er zu einem Waschlappen mutierte. Ich gab auf.
Mit Band 50 versuchte ich nochmals einzusteigen, weil ich der Serie und mir eine Chance geben wollte. Doch das ging genauso daneben. Mit dem Zyklus „Protektorat Erde“ haben mich die Macher letztendlich doch gekriegt, auch wenn ich immer noch meine, dass die Handlung zu verworren und viel zu überstürzt geschieht. Wenigstens haben sie aus Perry Rhodan das gemacht, was er sein sollte – einen Helden. (Na, ja zumindest ein bisschen.)

Ich lese nicht jeden der zweiwöchig erscheinenden Romane, sondern suche mir meist die mit dem Perry Rhodan Handlungsstrang raus oder von jenen Autoren, die ich mag. So zum Beispiel die Romane von Rüdiger Schäfer.

Mit Band 86 hat er sich übertroffen. Das Schöne an „Sternenkinder“ ist, das man nicht viel Hintergrundinformationen über PR-NEO benötigt. So gesehen, könnte der Roman als solcher auch alleine stehen … Ja, er würde sogar ohne das Label Perry Rhodan funktionieren.
Der Roman spielt komplett in der Schwerelosigkeit und stellt eine Zivilisation in den Mittelpunkt, die am Rande unseres Sonnensystems heimisch ist. Faszinierend und sehr intensiv beschreibt der Autor die Abenteuer von Ras Tschubai und seinem Begleiter, die im Kuipergürtel von den „Sternenkindern“ gefangen wurden. Diese verborgene Zivilisation wird sehr sorgfältig und spannend beschrieben. Neben gesellschaftlichen und sozialen Einblicken erfährt der Leser auch über innenpolitische Spannungen, die sich durch das Auftauchen der Arkoniden im Solsystem ergeben. Das alles ist gleichzeitig sehr fremd, aber auch so vertraut, dass man sich gut in die Charaktere hineinversetzen kann. Die geheimnisvolle Vergangenheit des Volkes trägt das Ihre dazu bei.
Allein mit dem plötzlichen Auftauchen einer weiteren ähnlichen Spezies am Ende des Romans wird die kompakte Erzählung auseinandergerissen. Der Leser fragt sich zurecht, was das soll und wohin ihn die Geschichte führen wird… Wieder so ein unbefriedigendes, weil überstürztes Ende, wie bei den meisten NEO-Romanen zuvor. Die große Frage ist, wann werden wir wieder etwas über die „Sternenkinder“ erfahren? Denn im Folgeroman geht es um eine der vielen anderen Baustellen im NEO-Universum. Ich finde, dass sich die Exposéautoren zu sehr in der Zyklushandlung verzetteln. Die Anzahl an Handlungssträngen ist zu groß und zu komplex und verlangt dem Leser viel Ausdauer ab. Für „Sternenkinder“ hätte ich mir ein anderes, ein versöhnlicheres Ende gewünscht. Doch der billige Cliffhanger führt wiederholt dazu, dass mein Lesevergnügen geschmälert wurde. Schade! Eigentlich!

Hochgefühl

Am gestrigen Abend überkam mich ein Glücksgefühl nach dem anderen, deshalb scheine ich heute den ganzen Tag an der Decke zu schweben. Ich hoffe, das hält noch etwas an, bevor mich die Realität wieder gnadenlos auf den Boden zurückholt.

Angefangen hat es damit, dass ich am Hauptbahnhof schnell noch das neueste Perry Rhodan Heft gekauft habe, bevor ich mich auf den langen Weg nach Thüringen machte. Schon beim Durchblättern des Heftes bin ich im Laden fast aus den Latschen gekippt, wie man so schön sagt.
Da stand sie – schwarz auf weiß – eine Anzeige zu meiner FanEdition. Ich war platt. Dann schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass die Heftromane eine Auflage von etwa 80.000 Stück haben, und das dort jetzt überall mein Name steht. Spätestens da bekam ich weiche Knie.
Später im Zug las ich auf der Leserkontaktseite auch noch den Bericht bzw. das Interview zur PRFZ, in dem nochmals Werbung für meinen Roman gemacht wurde. Ich war hin und weg.
An alle Verantwortlichen der PRFZ und der Perry Rhodan-Redaktion: Leute ihr seid Spitze.

Als ich dann am späten Abend meine E-Mails gelesen habe, traf es mich erneut: Klaus N. Frick, Chefredakteur bei Perry Rhodan, bespricht in seinem Blog meine Rezension zu seinem „Chaos en France“.
Ganz ehrlich – besser kann ein Tag nicht zu Ende gehen.

Bei so viel Ehre kriege ich fast schon wieder ein schlechtes Gewissen.

AnzeigeAch, und das in dem Heft ein Druckfehler steckt (in der Überschrift auf der dritten Seite), ist mir vor lauter Aufregung entgangen.

Atlan ist zurück

PR2779Ich bin ein wenig ratlos, nachdem ich gestern Abend die Heftroman-Triologie von Michael Marcus Thurner (MMT) fertig gelesen habe. Die PR-Hefte 2777-2779 beschäftigen sich mit der Suche nach Atlan. Der von vielen Fans heißgeliebte Arkonide, ist seit Heft 2599 nicht mehr in der Erstausgabe (EA) aufgetaucht und seine Rückkehr wurde sehnsüchtig erwartet. Doch sowohl die Suche nach ihm, als auch sein Auftauchen auf Wanderer, das in den Romanen von MMT beschrieben wird, können mich irgendwie nicht vom Hocker reißen. Inzwischen glaube ich auch zu wissen, warum. Es ist nicht, dass ich mehr erwartet hätte, es liegt wohl eher am Zuviel, dass mir als Leser hier zugemutet wird.

MMT’s Romane zeichnen sich durch eine überbordende Kreativität aus. Egal ob er Charaktere, Völker, Technik oder Umwelt beschreibt, alles sprüht vor unglaublichen Einfällen. Der Mann scheint eine unbändige Phantasie zu besitzen. Wenn es da nicht einen Haken gäbe. Durch die Vielzahl an kreativen Ideen geht etwas Entscheidendes verloren, nämlich der Kern der Geschichte. Statt die Zyklusinterne Handlung voranzutreiben, scheint man auf der Stelle zu treten. Da wird noch ein neuer Charakter hinzugefügt und noch eine neues Superartefakt und noch ein neuer Planet, von all denen wir später nie wieder etwas hören werden. Kann man das nicht einwenig eindämmen? Denn in den Romanen stecken durchaus tolle Szenen, manche anrührend andere wieder lustig. Und das alles liest sich auch nicht schlecht. Nur hat mich die Fülle an Charakteren und die exakte Beschreibung abgedrehter Orte und Handlungen völlig überfordert. Hier wäre weniger, mehr gewesen.

Ich glaube zu wissen, warum bei vielen Fans die alten Zyklen so beliebt sind, weil dort die Handlung zügig vorangebracht wurde. Es gab zwar auch hier Füllromane, also Hefte die nichts zur Zyklushandlung beitrugen. Aber die Haupthandlung wurde unbeirrt, manchmal schon Reportagenhaft, durchgezogen, was wiederum ins andere Extrem umschwenkte. Nämlich, das man kaum etwas über das Innenleben der Figuren erfuhr. Letzteres klappt in der EA heute besser und ich wünschte, man würde das mit weniger abgedrehten Ideen kombinieren. Das wäre dann solide Science Fiction, die wahrscheinlich nicht nur mir gefallen würde.

Das Cover von Arndt Drechsler zum Heft 2779 ist einfach genial. Genauso habe ich mir Atlan immer vorgestellt. (Es erinnert ein bisschen, an den britischen Schauspieler Alan Rickman.)

Mit Perry in Brasilien

Seit letzter Woche ist meine Telepathin auch in Brasilien unterwegs. Irgendjemand hat die Zusammenfassung sogar ins Portugiesische übersetzt. Das finde ich cool. Leider wird das potentiellen Lesern nichts nützen, sofern der Inhalt nicht auch übersetzt wird. Aber vielleicht gibt es ja einige deutschkundige unter den brasilianischen Perry-Fans.
Ich bin dennoch begeistert, und es zeigt mir mal wieder mehr als deutlich, wie klein das Internet unsere Welt gemacht hat.

Zur brasilianischen Seite geht’s hier lang.

brasil

Wie ich den Unsterblichen traf

In ein paar Tagen werden es fünfundzwanzig Jahre, seit ich zum ersten Mal Perry Rhodan begegnete. Die Geschichte ist so ungewöhnlich, dass ich sie unbedingt erzählen möchte.

Sie beginnt an einem kalten Tag im Februar 1990 an einem Bahnhof. Es muss sehr früh am morgen gewesen sein, vielleicht auch mitten in der Nacht, so genau weiß ich das nicht mehr. Mein Vater und ich wollten zum ersten Mal nach der Grenzöffnung zu meiner Tante in den Schwarzwald fahren. Der Interzonenzug fuhr zwar durch Saalfeld, hielt dort aber nicht an, sondern erst einige Kilometer weiter an der noch bestehenden innerdeutschen Grenze. Dort wurden Pässe kontrolliert und der Zoll nahm den halben Zug auseinander. Noch wenige Wochen zuvor durfte dort niemand zusteigen, nun bot sich für uns diese einzigartige Möglichkeit.
Doch einfach war es dennoch nicht, da der Zug (ein alter IC mit Abteilen) heillos überfüllt war. Die Menschen standen, saßen und lagen in den Gängen und sogar in den Durchgängen zwischen den Wagons. Irgendwie quetschten wir uns mit ein paar weiteren Reisenden noch hinein. Ich fand einen Platz vor der Toilette, den ich jedoch jedes Mal räumen musste, wenn einer aufs Klo wollte. So standen wir (ich saß zeitweise auf meinem Koffer) bis Stuttgart. In Nürnberg leerte sich der Zug zwar etwas, aber einen Sitzplatz bekamen wir nicht. Doch wir erlangten zumindest etwas mehr Bewegungsfreiheit.
Von Stuttgart ging die Reise in einem InterRegio weiter nach Karlsruhe. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich von dem modernen Zug war, als er durch die vielen Tunnel rauschte. Und das beste war, wir hatten sogar einen Sitzplatz. In Karlsruhe stiegen wir in einen D-Zug nach Basel (Schweiz). Basel hat mehrere Bahnhöfe, in einem davon hielten und halten die Züge aus Deutschland. Dort stiegen wir in eine Regionalbahn, die uns endlich ans Ziel brachte. Ich habe keine Ahnung, wie viele Stunden wir unterwegs waren, aber es müssen acht bis zehn gewesen sein.
Meine Tante wohnte in Zell im Wiesental, einem kleinen Ort am Fuße des Hochschwarzwald. Sie hatte ein großes Haus, in dem sie, seit dem Tod ihres Mannes (dem Bruder meines Vaters) und ihrer Tochter, allein lebte. Ich durfte im Zimmer meiner verstorbenen Cousine schlafen, das so aussah, als hätte es die achtundzwanzigjährige gerade erst verlassen. Von hier aus, gelangte man über eine kleine Terrasse ins Dachgeschoss einer Doppelgarage, das als Speicher genutzt wurde.
Neugierig wie Fünfzehnjährige eben sind, sah ich mich dort um und machte eine Entdeckung nach der anderen. Denn dort lagerten Hunderte von Rätselheften, Comics, Büchern und Heftromanen. Letztere waren meist Arzt- oder Heimatromane, hin und wieder fanden sich auch Western und Kriegshefte darunter. Ich stöberte so lange, bis ich auf ein paar Hefte stieß, auf denen Raumschiffe und außerirdische Welten abgebildet waren. Irgendwie faszinierten mich die Abbildungen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch kein großer Science Fiction-Fan war. Ich schnappte mir die Hefte und las sie abends im Bett. Sie hatten leider keine zusammenhängende Nummerierung; es waren teilweise schon etwas zerfledderte Erstausgaben aus den frühen Sechzigern. Dennoch nahmen mich die Geschichten gefangen. Es ging um eine Gruppe Raumfahrer, die auf dem Mond das Raumschiff gestrandeter Außerirdischer entdeckt hatten und um Mutanten. In einem Heft gab es einen Außerirdischen, der wie eine große Maus aussah und immer Mohrrüben futterte, das gefiel mir gut.
Am nächsten Tag durchsuchte ich den Speicher fieberhaft nach weiteren solcher Heften, fand aber keine mehr.
Bevor wir wieder nach Hause fuhren, fragte ich meine Tante, ob ich die drei Hefte mitnehmen dürfte. Sie hatte nichts dagegen und so kam ich in den Besitz meiner ersten PERRY RHODAN-Hefte.

Ein Vierteljahr später kam die Währungsunion und bescherte uns Ostdeutschen ungeahnte Möglichkeiten. Erst dann konnte ich meine Liebe zu PERRY RHODAN vertiefen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Übrigens, diese drei PERRY RHODAN-Hefte von damals, besitze ich heute noch. Es sind die Hefte mit der Nummer 10, 56 und 164.

Ein zweiter Gucky

IMG_0070.JPGLetzten Freitag haben wir uns endlich auch „Guardians of the Galaxy“ angesehen. Im Kino haben wir den Film verpasst, aber die BluRay kam schon am 8. Januar in die Läden. Und nach den Vorschusslorbeeren, die der Film bekommen hat, wollte ich ihn unbedingt gleich ansehen… Es stimmt, sieht man von ein paar Kleinigkeiten ab, ist es einer der witzigsten Science Fiction Filme der letzten Jahre. Mir gefiel besonders der bunte Look: Die Welten, die Figuren, alles präsentierte sich auffallend farbig. Besonders die Weltraumszenen boten ein prächtiges Augenfutter.
Nun ja, die Geschichte war gewöhnlich, aber gut durchdacht.
Doch am meisten lebt der Film von seinen Figuren. Diese ungewöhnliche Truppe an Helden, die sich zwangsweise verbünden müssen, um das Artefakt zu finden und gegen den Feind zu verteidigen, ist das Ungewöhnlichste, was man im SF-Genre seit langem gesehen hat. Dabei hat es mir als Perry Rhodan Fan besonders der Charakter des Rocket angetan. Schon beim ersten Blick auf das Filmplakat kam mir der Gedanke: Das ist GUCKY, der Mausbiber.
Manche Dialoge waren schwach und überzogen, aber das tat der Unterhaltung keinen Abbruch. Wenn man sich klar macht, dass dies eine Comicverfilmung ist, kann man auch über die abstruse Szene (Rettung im All ohne Raumanzug) hinwegsehen.

Der Film bietet spannende Unterhaltung, tolle Effekte und eine diesmal grüne Zoe Saldana. Die Schauspielerin ist hauptsächlich durch ihre Rollen in Avatar (damals ganz in blau) und als Uhura in Star Trek XI & XII bekannt.

Mein Fazit: Schöner Film, ich habe mich jedenfalls keine Sekunde gelangweilt.

Kosmische Schundliteratur

muenchhausen_dunkelsternMünchhausen im Weltraum Band II – wie uns der Himmelsriese fraß … und wie ich einen Dunkelstern erhellte …

Am Wochenende machte ich eine Entdeckung. Aus dem Stapel alter abgenutzter Bücher, die noch aus einer vergangenen Erbschaft stammten, zog ich ein Buch, das mich verwunderte. Wir haben damals so viele Bücher von meiner Tante geerbt, dass ich mich beim besten Willen nicht an jedes erinnern kann. Ganz beiläufig nahm ich es am Samstag zur Hand, blätterte durch die vergilbten Seiten und blieb fasziniert und abgestoßen zugleich an dem Text hängen. Die Sprache war direkt und simpel und gerade deshalb so faszinierend. Und der Inhalt der Geschichte erinnerte mich ein bisschen an die Perry Rhodan Abenteuer aus den frühen Sechzigern, ohne aber dessen Qualität oder Ernsthaftigkeit zu erreichen.

Aber alles der Reihe nach. Erzählt wird die Geschichte eines modernen Baron Münchhausen, der mit einer fliegenden Untertasse im Sonnensystem auf der Flucht ist. Diese Untertasse hat er im vorangegangenen Band von einem Volk auf dem Marsmond Phobos „gestohlen“, zusätzlich mit der Mannschaft und zwei hübschen Damen, die ihm als Kommandanten nun zu Füßen liegen. Dieser Münchhausen stellt sich als Tausendsassa dar: Er kann alles, und es gibt keinen, der ihm das Wasser reichen kann. Sein riesiges Ego lässt ihn seine Mitmenschen, die er allesamt als unterlegen betrachtet, ziemlich grob behandeln. Ganz besonders Frauen begegnet er mit herablassender Überlegenheit und sieht sie eher als Eigentum, statt als gleichberechtigtes Lebewesen. Kein Wunder wenn sich eine der Damen rächt und die Steuerung sabotiert, so dass die Untertasse vom Kurs abkommt und zunächst in Sonnennähe einer lebendigen Dunkelwolke begegnet.
Auf ihrer Flucht verfehlen sie die Erde und müssen schließlich auf einer kalten Welt am Rande des Sonnensystems notlanden. (Warum der Planet im Roman stets als „Dunkelstern“ bezeichnet wird, hat sich mir leider nicht erschlossen.) Dort lebt ein Volk mit starren Moralvorstellungen. Sowohl Wetter als auch Licht sind künstlich geschaffen, doch nicht zum Wohl der Bewohner, eher zu ihrem Gegenteil. Keiner soll sich wohl fühlen, es gibt weder Schatten noch Wärme, keine Freude, keine Liebe und erst recht keine Lust. Alle männlichen Bewohner werden nach der Pubertät impotent, einfach weil ihnen die Übung fehlt.
Das stößt mit Münchhausens lockeren Moralvorstellungen natürlich in konträrer Weise zusammen. Auch wenn er sich zunächst nicht einmischen will (Man beachte, welch fortschrittliche Denkweise – verglichen mit PR) kommt es doch durch einen Handkuss zur unweigerlichen Reaktion einer weiblichen Bewohnerin. Der Baron ist nämlich ein von allen Frauen begehrter Mann, er sich ausnahmslos als toller Hengst darstellt. So kommt es, wie es kommen muss: Die Frauen des Planeten, von Münchhausen quasi „sexuell befreit“, brechen eine Revolution vom Zaun und machen den Baron zum neuen König. Doch das ist dem freiheitsliebenden Münchhausen dann doch zuviel. Er flieht mit seiner Mannschaft und lässt den Planeten in Anarchie zurück…

Anfangs war ich mir nicht so ganz sicher, wie ich den Roman einschätzen sollte. Man darf ihn keinesfalls als ernstgemeinte Geschichte sehen, eher als Satire. Und aus diesem Blickwinkel offenbart der Text durchaus eine Fülle an Systemkritik: Sei es an den überzogenen Moralvorstellungen von Kirche und Staat, oder am Missbrauch von Macht durch Regierungen. So geniale Aussagen wie: „Kein Mensch redet davon die Moral abzuschaffen. Das wäre die größte Dummheit, die ich machen könnte. Ich stehe auf dem Standpunkt, die Moral hört dort auf Moral zu sein, wo sie unmoralisch wird.“ haben mich in Erstaunen versetzt. Ganz nebenbei wird Doppelmoral enttarnt und spitzzüngig Kritik am System geübt. Zwischendrin schimmert der Gedanke durch, das man Anarchie als etwas begrüßenswertes auffassen sollte.
Auf der anderen Seite aber steckt Münchhausens Denkweise in der damaligen Zeit fest. Der Roman richtet sich eindeutig an ein männliches Publikum. Die Geschichte liest sich an vielen Stellen so pubertär, dass es die Rahmenhandlung eines Pornos sein könnte. Manchmal scheint es, als tropfe die Frauenfeindlichkeit regelrecht von den Seiten. (Ehrlich, da ist PR noch harmlos dagegen.) Auch geht Münchhausens Handeln nicht mit der geübten Kritik konform. Denn das, was er predigt, scheint nicht für alle zu gelten.

Einerseits gesellschaftskritisch und andererseits menschenfeindlich, lässt mich der Roman am Ende etwas zwiegespalten zurück. Überrascht hat er mich dennoch. Für ein Buch das 1955 veröffentlich wurde, erscheint der Schreibstil und ein Teil der Aussagen im heutigen Licht erstaunlich modern. Es erinnert mich mit seinen aufmüpfigen Aussagen und in seiner offenen Sprache fast ein wenig an Punk.

Bei eBay wird eine Ausgabe dieses Buches als Sammlerstück für 59 Euro angeboten. Da habe ich wohl einen echten Schatz entdeckt.

Bemerkenswert ist aber das Vorwort des anonym erschienen Werkes. Wer möchte kann es hier nachlesen.

Atopische Spannung

„Das Atopische Tribunal“ heißt der derzeitige Zyklus der Perry Rhodan Erstauflage (EA). Ich lese nicht jeden Roman, so viel Zeit habe ich gar nicht, aber ich kaufe mir die Hefte meist wenn irgendetwas Besonderes geschieht, der Heftroman viel Lob bekommen hat oder ein Gastautor den Roman geschrieben hat. Oder auch nur wenn im PR-Journal ein, für mich, interessanter Artikel steht.

Toll fand ich den ersten Roman von Andreas Eschbach, „Der Techno-Mond“ war ein würdiger Einstieg in den Zyklus. Besonders gut gefallen haben mir auch „Das Sorgenkind“ von Gastautorin Tanja Kinkel und „Die Engel der Schmiege“ von Caroline Brandt (Wer auch immer sich hinter dem Pseudonym verstecken mag.).

Der Zyklus ist tatsächlich spannend und vielschichtig. Die Protagonisten handeln logisch und mit Köpfchen und die Antagonisten sind schwer zu durchschauen. Das mag ich.

Ich hinke ja mit dem Lesen der EA immer etwas hinterher. Am Mittwoch nahm ich den Roman „Der Kosmoglobus“ von Hubert Haensel mit auf den Weg zur Arbeit. Ich habe ja im Zug genügend Zeit zum Lesen und die kleinen Hefte nehmen in meiner Tasche nicht viel Platz ein (weniger als ein E-Book-Reader). Der Roman war so gut, dass ich mir gleich am Donnerstag den Anschlussroman „Stadt der Kelosker“ von Oliver Fröhlich vom Stapel gegriffen habe. Der Roman war überaus spannend und gut erzählt. Blöd nur, dass ich nach der Arbeit am Donnerstagabend nach Thüringen gefahren bin und nun bis Dienstag warten muss, bis ich im nächsten Roman „Störfaktor Gholdorodyn“ von Uwe Anton erfahre, wie es weitergeht.

Im Gegensatz zur „PR-Stardust“-Serie machen die Verantwortlichen im derzeitigen Zyklus der PR-EA alles richtig. In wenigen Heften steht das Finale an und ich bin schon gespannt, wie der Handlungsbogen endet.

Ich möchte an dieser Stelle mal der Bahnhofsbuchhandlung in Traunstein ein Lob aussprechen. Die haben stets alle aktuellen PR-Hefte vorrätig. Und dort bekommt man auch mal Ausgaben von vor ein paar Wochen, wenn einem erst reichlich spät einfällt, dass man vergessen hat den Roman kaufen. Ansonsten wird es zunehmend schwerer an die Heftromane heranzukommen. Viele Kioske und Zeitschriftenläden führen die Serie gar nicht mehr. Am Münchner Hauptbahnhof hat ein einziges der vielen Zeitungsgeschäfte PR-Hefte. Und das finde ich echt schwach. Wie will man so Gelegenheits- oder Neuleser gewinnen. Darüber sollte sich der Verlag echt mal Gedanken machen.