Kinder, Posbis und ein Sternenschwarm

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 373 – »Mission Kristallberg« von Marlene von Hagen

Die durchdrehende Nathalie Rhodan da Zoltral hält ihre Eltern Perry und Thora sowie die Sicherheitschefin der AENEAS auf Trapp. Nachdem die Besatzung seltsame Hypersignale aus einem Sonnensystem am Rande der Lokalen Blase empfangen hat, versucht Nathalie das Schiff mit allen Mitteln zu verlassen, dabei wendet sie sogar Telekinese an. Perry Rhodan und seine Frau Thora drängen den Kommandanten der AENEAS sie und ihre gemeinsame Tochter Nathalie auf den bislang unerforschten Planeten im Nerythsystem abzusetzen. Auf der Suche nach der Quelle der Hypersignale erklimmen sie den dort befindlichen Kristallberg und treffen überraschend auf die sieben Cybora-Kinder.
Die Kinder haben nach ihrem vorgetäuschten Tod keinen Plan, wie es weitergehen soll. Der Empfang des Hypersignals ist eine willkommene Abwechslung von der sie sich eine Idee für die Zukunft erhoffen. Doch der Ausflug auf den fremden Planeten geht gründlich schief. Zwei der vier Shuttles stürzen ab. Die mitgereisten Posbis versuchen die Kinder vor eventuellen Gefahren zu beschützen und einige opfern sogar ihre Existenz. In einer Kaverne stoßen sie nicht nur auf eine insektoide Spezies, die sie als Götter verehren, sondern auch auf den Sternenschwarm von dem die Hypersignale ausgehen. Die Projektion hat eine hypnotische Wirkung, von der eine Gefahr für die Kinder auszugehen scheint. Nur durch das Eingreifen von Nathalie, die mit dem Sternenschwarm kommunizieren kann, verliert das Phänomen seine Wirkung auf die Kinder.

In dem Chaos, das Nathalies Eingreifen auslöst, können die Sieben zusammen mit den Posbis fliehen. Bis Perry Rhodan und seine Familie zurück auf der AENEAS ist, hat der Fragmentraumer der Posbis das System bereits verlassen. Zumindest haben die Terraner nun erfahren, dass die Entführten noch am Leben sind.

Raumschiffe, Roboter, Dschungel und Höhlen – alles Dinge, die in der NEO-Serie beliebt sind, finden sich in diesem Roman. Der bunte Mix ist gut zu lesen und die Kinder werden von der Autorin auch wirklich wie Kinder beschrieben und nicht wie kleine Erwachsene. Dass sie sich von den Posbis lieber einen Kletterparcours bauen lassen, als vernünftige sanitäre Anlagen ist durchaus glaubhaft. Auch die Zweifel von einigen, ob die Entscheidung ihren Tod vorzutäuschen wirklich richtig war, zeigt Marlene von Hagen mit großem Gespür für die Psyche von Kindern.

Nicht so gut fand ich die Kapitel über die Sicherheitschefin der AENEAS, Elina Darvos. Mal davon abgesehen, dass sie mir ein bisschen zu militant war. Ihr Narkoknüppel saß jedenfalls ziemlich locker und ihre anderen Waffen auch. Sie sagt, dass sie nur an den Posten der Sicherheitschefin kam, weil andere gescheitert waren. Sie sieht es nicht als ihren Verdienst an, sondern hadert mit Selbstzweifeln. Auch der Spruch ihres Ausbilders, dass sie als Frau zu emotional für einen Job bei der Sicherheit ist … Echt jetzt? Die Geschichte spielt im 25. Jahrhundert. Wenn die Menschen dann immer noch so antiquiert denken, wie wollen sie in der galaktischen Gemeinschaft klarkommen. Nein, ich denke, dass das zu jenem Zeitpunkt keine Rolle mehr spielen wird. Wenn nicht, wäre die Menschheit nie so weit gekommen.

All zu viel passiert in dem Roman nicht, außer das wieder ein Nakk auftaucht. Selbst dieser mysteriöse Sternenschwarm verschwindet schnell wieder in der Versenkung, so dass man ihn schneller vergisst, als ein Posbi sich individualisieren kann. Die skurrilen kleinen Roboter, die Marlene von Hagen den Kinder zur Seite stellt, vergisst man definitiv nicht. Ein Posbi im Uhu-Kleid, eine kleine Anspielung an Ruben Wickenhäuser (von denen es im Roman noch sehr viel mehr gibt) und ein Medo-Posbi namens Hildegard (nach Hildegard von Bingen), mangelnde Kreativität kann man der Autorin nicht nachsagen. Ich beginne mich aber inzwischen ernsthaft zu fragen, wo die Reise bzw. die Staffelhandlung hingehen wird. Lassen wir uns überraschen.

»Mission Kristallberg« hat mich auf einer Zugfahrt gut unterhalten. Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen, was man vom Vorgängerroman nicht sagen konnte. Insofern kann ich diesen NEO guten Gewissens empfehlen.