Eine gefühlte Ewigkeit arbeite ich dieses Mal an der Zusammenstellung des SOL-Magazins mit der witzigen Nummer 123. Irgendwie zog es sich länger hin als geplant, was auch an meinen privaten Problemen lag. Aber nun ist sie fertig und im Druck.
Kurz vor den 6. PERRY RHODAN-Tagen wird die SOL 123 die Mitglieder der PRFZ erreichen. Im Schwerpunkt dreht sich alles um PERRY RHODAN in den USA. Wir blicken auf Forrest J. Ackerman und beantworten die Fragen: Wer war dieser Mann und wie brachte er die PERRY RHODAN-Serie in die USA? Auch NEO wurde in den USA veröffentlicht, wie es zu dieser – wenn auch kurzen – Stippvisite der Serie beim J-Novel Club kam, wird ebenfalls beleuchtet. Außerdem beantworten wir die Frage: Was hat Perry Rhodan im »Playboy« gemacht?
Die Interviews führten wir dieses Mal mit dem Risszeichner Bernard Stoessel sowie der Autorin Susan Schwartz und dem Autor Olaf Brill.
Dazu gibt es Physikalisches und Musikalisches zur PERRY RHODAN-Serie. Das Volk der Mehandor wird vorgestellt und in der Kurzgeschichte geht es um ein tauranisches Greenhorn auf Olymp. Dazu kommt – etwas verspätet – ein Bericht vom diesjährigen ColoniaCon.
Wie immer werden die PERRY RHODAN-Hauptserie, -NEO und die -Silberbände besprochen. Zudem präsentieren wir die Ergebnisse der Leserumfrage aus dem vergangenen Heft.
Das Cover – passend zum Schwerpunkt – stammt von Andreas Schmal.
PERRY RHODAN NEO Band 387 – »Zeitbruch« von Dietmar Schmidt & Oliver Müller
Endlich sind Perry Rhodan und seine Gefährten in der Gefahrenzone des Taschalonsystems angekommen, wo sie Atlans Sohn finden wollen. Mit einer Maxi-Disk begeben sich Thora und ihr Mann auf den Planeten Zhalur’Kamon. Sie werden begleitet von Atlan, Dao-Lin-H’ay und Gucky. Auf dem Planeten werden sie mit chaotischen Raum- und Zeitphänomenen konfrontiert und Gucky verschwindet plötzlich, weil er Weidenburn in Gefahr wägt. Von Eric Weidenburn erhoffen sich die Rhodans Informationen über ein spezielles Artefakt, das sie benötigen, um ihre Tochter Nathalie zu retten. Doch Weidenburn hat ganz andere Sorgen. Nach einem Experiment mit einem Chrono-Resonator und einem der Artefakte, bei dem eine Kollegin Weidenburns verschwand, reagiert er allergisch auf die Artefakte. Er leidet unter Kopfschmerzen, Übelkeit und Halluzinationen, sobald er sich dem Labor nähert. Doch sein Vorgesetzter, der arkonidische Wissenschaftler Varek da Sharib, übt Druck auf ihn aus, um Weidenburn zur Fortsetzung der Versuche zu zwingen. Dieser versucht wiederum durch Manipulationen, die Anlage zu sabotieren und wird beinahe ertappt. Es ist Gucky, der Eric mehrmals aus einer misslichen Lage hinaus teleportieren kann. Letztendlich gelingt es dem Thetiser die Anlage zu zerstören, doch der Preis dafür ist hoch. Es kommt zu einem Zeitbruch, der sich über den Planeten und das Taschalonsystem ins ganze Universum auszudehnen droht. Es entsteht eine Negasphäre! Am Ende aber können Perry und seine Freunde Eric Weidenburn befreien. Durch ihn erfahren sie, dass die Artefakte in den falschen Händen, eine ungeheure Bedrohung für die Stabilität des Universums darstellen. Weshalb Varek da Sharib, die Artefakte als Waffen einsetzen will, um sich zum neuen Alleinherrscher von Arkon aufzuschwingen.
Oha! Jetzt sind wir also beim Negasphären-Zyklus angelangt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es den Exposéautoren gelingt, alte Begriffe mit neuem Inhalt zu füllen. Man darf gespannt sein.
Der vorliegende Roman ist spannend. Keine Frage. Aber … ein paar der Handlungstwists finde ich weniger gelungen. Ganz besonders am Ende, an dem weder die Protagonisten noch die Leser erfahren, wie sich Perry und Co aus der vertrackten Situation befreien konnten. Das war schwach. Wahrscheinlich ist den beiden Autoren der Platz ausgegangen. Das hätte vermieden werden können, wenn im Vorfeld einige Dinge weggelassen worden wären.
Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, was Perry und Co da eigentlich treiben. Sie wollten nur auf den Planeten, Weidenburn rausholen und wieder wegfliegen. Aber sie lassen sich dauernd von ihrer Mission ablenken. Bei den verschiedenen Raum- und Zeit-Phänomenen habe ich noch ein Auge zugedrückt, weil das irgendwie zur Handlung gehörte. Aber spätestens bei dem Raumschiffwrack und Perrys Suche nach Überlebenden, war der Spaß vorbei. Die Kapitel haben einerseits nichts mit der Handlung zu tun und sind zweitens völlig lebensfremd geschrieben. Man stelle sich vor, man käme auf dem Weg zu einem wichtigen Termin an einem kaputten Auto vorbei. Ein Teil des Autos ist schon von Pflanzen überwuchert, ein anderer Teil schaut neu aus. Würde man wirklich auf die Idee kommen, dass in dem Auto noch Menschen sitzen, die auf Hilfe warten? Und wenn ja, würde man die Verletzten dort ohne Not herauszerren und damit riskieren, dass sich ihre inneren Verletzungen verschlimmern? Vor allem dann, wenn man ohnehin keine Möglichkeit hat, sie angemessen medizinisch zu versorgen? Jeder Rettungssanitäter hätte bei der Geschichte die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Und weil Perry und Co ja so viel Zeit haben, um Weidenburn und den vermissten Gucky zu suchen, holt man auch noch die zweite Leiche aus dem Wrack, um sie neben dem verstorbenen Arkoniden zu bestatten. Hä! Das ist nicht euer Ernst?
Besser gefallen mir dagegen die Kapitel um Eric Weidenburn, die, so tippe ich mal, wegen der hin und wieder eingestreuten Chemie-Hinweise, vermutlich von Dietmar Schmidt stammen. Seine Schilderung von Weidenburns Leiden, seiner Zerrissenheit zwischen dem Wunsch zu forschen und der Notwendigkeit seine Forschungsergebnisse zu vernichten, sind sehr gut geschrieben. Der Thetiser entwickelt sich immer mehr zu einer tragischen Figur.
Die vielen witzigen Bemerkungen und Dialoge vor allem von Atlan und Gucky lockern die doch etwas komplizierten Erklärungen von Zeitparadoxa und seltsamen Raumphänomenen gut auf. Für das Fortschreiten der Staffelhandlung liefert die Geschichte aber zu wenig.
»Zeitbruch« ist ein spannend zu lesender Roman, der die Leser am Ende aber unbefriedigt zurück lässt.
PERRY RHODAN NEO Band 386 – »Sammler der Kuriositäten« von Antares Bottlinger
Um ihrer Tochter Nathalie zu helfen, benötigen Perry Rhodan und seine Frau Thora die Hilfe von Atlans Sohn Eric Weidenburn, zu dem sie aber nur vordringen können, wenn sie ein anderes Artefakt auftreiben.
Ihre Suche nach einem Artefakt führt sie auf den Planeten Agemas im Kugelsternhaufen M13. Dieser Planet wird seit kurzem von schweren tektonischen Erschütterungen heimgesucht. Sie brechen bei einem Kuriositätensammler ein und klauen das Artefakt, doch kaum sind sie zur TERRANIA II zurückgekehrt, bewegt sich das Artefakt eigenständig an seinen Ausgangsort zurück. Dao-Lin-H’ay schlägt vor, den geheimnisvollen Veiyerdal um Hilfe zu bitte, da er sich offenbar mit den Artefakten auskennt. Mit seiner Hilfe gelingt der Diebstahl. Der Abtransport des Artefakts durch die Menschen geschieht gerade noch rechtzeitig, bevor ein Vulkan die Gegend um das Anwesen des Kuriositätensammlers unter Lava begräbt und tausende Arkoniden in Gefahr bringt. Der Ausbruch wurde durch die Anwesenheit des Artefakts ausgelöst.
Wenn im Abspann des Romans nicht auf den Inhalt des Romans eingegangen wird, wirft das in der Regel kein gutes Licht auf die Handlung. Die Geschichte rund um Perry und Co ist in der Tat etwas dürftig und stellenweise auch nicht nachvollziehbar.
Den Roman rettet die Nebenhandlung, die deutlich spannender ist und das Leben der Arkoniden auf einem paradiesischen Planeten zeigt, der von lauter superreichen Touristen heimgesucht wird. Es stecken viele gute Ideen in der Story aber auch eine Vielzahl an Klischees, dennoch spiegelt sie parallele Entwicklungen aus unserer Wirklichkeit gekonnt wieder. Das hätte sich genauso gut auf La Palma abspielen können. Korrupte Politiker und rücksichtslose Superreiche auf der einen Seite sowie die arbeitende Bevölkerung als Leidtragende auf der anderen Seite, ergibt ein in sich stimmiges Bild. Die sympathischen Charaktere und die bodenständige Geschichte sind ein großer Pluspunkt für den Roman.
Dagegen wirken Perry und seine Begleiter »out of character« wie man so schön sagt. Der moralisch überlegene Perry Rhodan bricht in eine Millardärsvilla ein und entwendet das Eigentum eines anderen ohne auch nur ein einziges Mal über eine Alternative zu dem Diebstahl nachzudenken. Er versucht es nicht mal. Erst beim zweiten Versuch wird zumindest ein Grund geliefert, warum es notwendig ist, das Artefakt zu entfernen, da es den Vulkan ausbrechen lässt. Gucky und Dao spielen Taxi, wobei sie mal erschöpft und mal weniger erschöpft sind. Jedenfalls waren sie immer dann fit, wenn sie gebraucht wurden, was der Geschichte die Spannung genommen hat. Dao erschien mir zudem etwas zu kratzbürstig zu sein. Und über den Maahk als Sicherheitschef reden wir lieber nicht.
Das Auftauchen von Veiyerdal war für mich die größte Überraschung. Er war es, der Nathalie angegriffen und mit ihr verschwunden ist. Und keiner, weder Dao, die dabei gewesen ist, noch Perry, dem Dao es erzählt hat, kommt auf die Idee, Veiyerdal nach Nathalie zu fragen. Also irgendwie war das für mich nicht schlüssig. Ich hätte eher gedacht, man wendet sich an Prospektor Lee Norskwod. Veiyerdal erschien mir nach den vergangenen Romanen eher der geheimnisvolle Bösewicht zu sein.
Davon abgesehen, dass man Reginald Bull erstmal wieder auf der Erde geparkt hat und Atlan sich von seinem Kryoschlaf erholen muss – seltsam für einen Zeitträger – fand ich das schnelle hin- und herfliegen zwischen Milchstraße und M13 schon in den vergangenen Romanen unglaubwürdig. Hier wieder. M13 ist 23.000 Lichtjahre entfernt. Früher drehten sich ganze Staffeln nur um den Flug dorthin. In der Zeit der Symaios war es unmöglich M13 zu erreichen und nun reicht ein Fingerschnipsen der Autoren und schon ist man da. Hm!
»Sammler der Kuriositäten« ist ein schwacher NEO mit einer guten Nebenhandlung. Dieser Roman beweist, dass ein guter Autor nicht zwingend auch ein guter NEO-Autor sein muss.
PERRY RHODAN NEO Band 385 – »Das Erbe der Kartanin« von Rüdiger Schäfer
Das Tor zum Larengranulon steht offen. Das Volk des Konzils der Sieben startet seine Invasion des Einsteinuniversums am Vela-Pulsar in der Milchstraße. Trotz diverser Anpassungsschwierigkeiten der Larischen SVE-Raumer droht den Terraner eine verheerende Niederlage gegen die Larenflotte. Da hilft auch nicht die Unterstützung ihrer Verbündeten, den Arkoniden und den Akonen. In buchstäblich letzter Sekunde greifen die Posbis in den Konflikt ein und schließen vorerst die Transgranulare Schwelle. Es wird sich zeigen für wie lange. Durch die Erzählung der Erlebnisse von Dao-Lin-H’ay und Nathalie Rhodan da Zoltral erfährt Perry Rhodan, dass die Artefakte eine zentrale Ursache für den Einfall der Laren in die Milchstraße darstellen. Doch der Ursprung dafür könnte noch viel weiter zurückliegen und viel tiefer gehen, als es sich selbst das Konzil der Sieben jemals vorstellen könnte – im Subkosmischen Kontinuum.
Okay! Jetzt sind wir bei Thez angelangt. Das war mein erster Gedanke, als die Schwestern der Tiefe ihre Theorie des Subkosmischen Kontinuum vorgestellt haben. Dies existiert noch unterhalb (oder oberhalb) des Quantenraums und hier sollen die Entscheidung getroffen werden, welche der Quantenrealitäten Wirklichkeit werden. Es ist also doch nicht alles Zufall im Quantenraum. So habe ich das zumindest verstanden. Eigentlich wollte man bei NEO auf das Zwiebelschalenmodell verzichten, aber offensichtlich kommt man auch bei dieser Serie nicht daran vorbei, um die Geschehnisse irgendwie plausibel zu erklären.
Rüdiger Schäfer liefert in der Haupthandlung des Romans eine gigantische Weltraumschlacht und lässt seine Protagonisten an der Irrsinnigkeit dieses Unterfangens verzweifeln. Es ist schwer, nicht die Moral zu verlieren, wenn man derartig angegriffen wird. Auch ein Perry Rhodan muss einsehen, dass manchmal der Angriff die beste Verteidigung ist.
Im zweiten Handlungsstrang erfahren wir mehr über die Kartanin Dao-Lin-H’ay. Ihrem Schicksal widmete der Autor bereits mindestens drei Romane in denen er ihren Lebensweg und ihre Beziehung zu Nathalie Rhodan beschreibt. Er führt das in diesem Roman konsequent fort und wirft dabei etwas Licht auf die Artefakte und ihre Herkunft. Ich erfahre zudem, wie Nathalie verschwunden ist und warum es so wichtig ist, die Träne der Sterne zu finden.
Am Ende sind sich alle einig, dass man Eric Weidenburn finden muss, um mehr über die Artefakte und ihre Wirkung zu erfahren.
»Das Erbe der Kartanin« erklärt ein wenig die Hintergründe zu den Artefakten, ergeht sich aber zu sehr in philosophischen Betrachtungen über Moral und Wissenschaft, als dass mich die Romanhandlung wirklich fesseln konnte. Und nein, bei diesem Rüdiger Schäfer-Roman musste ich nicht ein einziges Mal weinen.
PERRY RHODAN NEO Band 384 – »Der Macht zu nah« von Kai Hirdt
Atlan da Gonozal erwacht aus sem Kryotank und greift seine Freunde an Bord der TERRANIA II an. Warum, erfahren sie, als der Arkonide ihnen erzählt, wie es ihm in den vergangenen Jahren ergangen ist. Auf der Suche nach seinem Sohn Eric Weidenburn reiste er bis in den Kugelsternhaufen M 13, wo er jedem Hinweis nachging. Die Spur führte ihn zur Taryshsippe der Mehandor. Diese Sippe arbeitet verdeckt und scheint mit echten Artefakten zu handeln. Im Hintergrund agiert dort der Terraner Lee Norskwod. Der Empfänger der Artefakte ist ein mysteriöser schwarzhaariger Arkonide namens Varek da Sharib, der Experimente mit den hyperphysikalischen Objekten anstellt. Atlan und die Besatzung der TERRANIA II versuchen das Rätsel zu lüften, wie die Artefakte, die Mehandor, Eric Weidenburn und der entartete Raum zusammenhängen, da erhalten sie die dramatische Nachricht, dass eine Invasionsflotte aus dem Granulon der Laren ausgebrochen ist und die Milchstraße und ihre Völker bedroht.
Man muss es ihm lassen, Kai Hirdt weiß, wie man Dialoge und Geschichten so schreibt, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Und das funktioniert sogar, wenn er seine Figuren nur erzählen lässt, was sie erlebt haben.
In diesem Roman ist das neben Atlan der ehemalige Prospektor Lee Norskwod. Der vom armen Prospektor zum Großindustriellen mutierte Terraner hat durch den Kontakt mit der »Träne der Sterne«, einen großen Plan, den er still und heimlich verfolgt. Jeden von dem er denkt, er könne bei der Verwirklichung seines Plans helfen, macht er zu seinem Verbündeten. Lässt ihn aber auch schnell wieder fallen, wenn es seinem Plan zuwiderläuft.
Sowohl durch Atlan als auch durch Norskwods Erzähliungen fügen sich die Puzzlteile dieser Staffel nach und nach zusammen. Das ist gut gemacht, denn anscheinend unbedeutende Ereignisse aus den ersten vier Romanen werden plötzlich relevant und erscheinen in anderem Licht. Andererseits werden in diesem Roman aber neue Baustellen eröffnet, von denen ich nicht weiß, ob und wie sie die nächsten Romane beherrschen werden. Ich befürchte, dass man sich im zweiten Teil der Staffel mal wieder verzettelt – es wäre nicht das erste Mal – lasse mich aber gern eines Besseren belehren.
Meine Spekulation ist ja, dass die Laren die Artefakte in den Einsteinraum geschickt haben, um die Barriere zwischen ihrem Granulon und dem Universum der Menschen zu überwinden und es gleichzeitig ihren Lebensbedingungen anzugleichen.
»Der Macht zu nah« ist ein ausgesprochen spannender Roman, obwohl er eigentlich nur zwei Geschichten im Zeitraffer erzählt.
PERRY RHODAN NEO Band 383 – »Spur in den Abgrund« von Stefan Pannor
Perry Rhodan, Thora Rhodan da Zoltral, Reginald Bull und Gucky sowie Dao-Lin-H’ay reisen auf die Freihandelswelt Lepso um ein Artefakt zu erwerben, dass ihnen den Zugang zum Taschalonsystem ermöglichen soll. Auf Lepso stoßen sie auf Märkte voller Fälschungen, hinterlistige Betrüger und auf erschreckende soziale Missstände. Die Stadt Orbana ist an der Oberfläche ein glitzerndes Juwel, doch unterhalb in der Tiefe eines alten Meteroidenkraters tut sich ein Abgrund auf und das nicht nur im wörtlichen Sinn. Reginald Bull steigt in diese Tiefe und entdeckt ein System, dass auf illegale Geschäfte, geduldete Kriminalität und Ausbeutung beruht. Je tiefer die Etage, desto erbärmlicher das Leben der Bewohner. Doch seine Suche nach einem echten Artefakt bleibt erfolglos. Genauso ergeht es Thora und Perry an der Oberfläche. Das einzige was sie herausfinden ist, dass eine Mehandorsippe den Artefaktenhandel übernehmen will. In einem ihrer Lagerhäuser espert Gucky ein bekanntes Bewusstsein. Kann aber nicht sagen, wer es ist. Vor Ort finden sie einen Kryotank, dessen Inhalt sowohl für die Mehandor als auch für einen mysteriösen schwarzhaarigen Arkoniden ein höchst wertvolles Gut darstellt. Perry und Co verfolgen heimlich den Weg des Tanks und können die Mehandor mit einem Bluff davon überzeugen, die Empfänger der Lieferung zu sein. Statt des schwarzhaarigen Arkoniden nimmt die TERRANIA II den Kryotank an Bord. Als man ihn öffnet, findet man den seit Jahren verschollenen Atlan da Gonozal.
Wie schon Ruben Wickenhäuser im Vorgängerroman zeigt uns Stefan Pannor die Gesellschaft eines fremden Planeten. Dabei kann das Leben auf der Handelswelt Lepso im Gegensatz zu Arkon I unterschiedlicher nicht sein. Der Autor erzählt dies mittels der Diebin Ssonja Arnon, die auf ihre Art unsterblich ist. Wird sie getötet, wacht sie immer wieder auf. Deshalb ist sie für das gefährliche Leben in der Unterwelt der Stadt Orbana wie geschaffen. Dort unten dominieren Armut und Verbrechen, Dreck und Gestank aber auch Hoffnung. Mir hat es unheimlich gut gefallen, wie es Stefan Pannor gelingt, diese Hoffnung darzustellen.
Die Storyhandlung in Orbana und dessen Unterstadt allein hätte mir gereicht. Die Geschichte um den Kryotank und Perry Rhodans Jagd nach diesem Tank am Ende des Romans, wirkte für mich aufgesetzt. Auch wenn es gut erzählt ist, es gehört nicht zu der Geschichte und fühlt sich wie ein Fremdkörper an. Das Atlan dem Kryotank entsteigt, war keine Überraschung, war der Arkonide doch schon auf dem Titelbild des Folgeromans zu sehen. Insofern bin ich mir nicht sicher, ob das Titelbild von Band 384 eine so gute Wahl gewesen ist, und ob es nicht besser gewesen wäre, die Jagd nach dem Tank lieber in Band 384 zu erzählen.
Die Geschichten abseits der Artefaktsuche haben mir bisher in dieser Staffel am besten gefallen. Mit dem Rest werde ich noch nicht so richtig warm. Aber »Spur in den Abgrund« fand ich absolut lesenswert.
PERRY RHODAN NEO Band 382 – »Der getäuschte Celista« von Ruben Wickenhäuser
Thora Rhodan da Zoltral reist nach Arkon, um mehr über die geheimnisvolle Geisterflotte und die Räuber des Artefakts herauszufinden, welches sie benötigt, um ihrer in Not geratenen Tochter zu helfen. Sie muss mit Pero Yulaf zusammenarbeiten, dem Berater des Präsidenten der Republik Arkon, der Thora wegen ihrer adligen Herkunft verabscheut. Bei ihrer Suche werden sie von unbekannten Söldnern angegriffen und von dem jungen Celista, Menzun da Orcast, gerettet. Zusammen mit ihm findet Thora heraus, dass die arkonidischen Adelshäuser, das alte Imperium neu errichten wollen, aber nicht hinter den Angriffen der Geisterflotte und dem Raub der Artefakte stecken. Doch als da Orcast herausfindet, dass Thora als Essoya geboren wurde und keine blutreine Adlige ist, wendet er sich gegen sie. Währenddessen entdeckt Pero Yulaf Hinweise auf die Händlersippen der Mehandor und mehrere sonderbare Raumregionen im Sternenhaufen M13. Er will mit Thoras Leka-Disk auf eigene Faust losziehen, um herauszufinden, was dort vor sich geht. Doch zuvor rettet er Thora noch vor Menzun da Orcast, der die Hochstaplerin Thora am liebsten tot sehen möchte. Thora und Yulaf flüchten vor ihm in eine der genannten Raumregionen in der sie tatsächlich auf Mehandor treffen, bevor die Raumzeit um sie herum verrückt spielt und sie dort festsitzen. Sie geraten in tödliche Gefahr, aus der Dao-Lin-H’ay sie rettet. Denn Menzun da Orcast ist ihnen gefolgt und greift ihre Leka-Disk an. Aber er kommt dabei ums Leben.
Dieser vielschichtige Politthriller von Ruben Wickenhäuser hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Die politischen Ränkespiele, die Bürokratie, die Unzulänglichkeiten mit der die junge arkonidische Republik zu kämpfen hat, sind aus unserer Wirklichkeit entliehen. Da weiß offensichtlich jemand genau, von was er schreibt.
Der Autor lässt mir zudem als Leserin keine Pause zum verschnaufen. Ständig ist jemand auf der Flucht, oder es wird gekämpft. Dazu kommen unglaublich detaillierte Beschreibung der arkonidischen Kultur und Landschaft. Zwar blickte ich gegen Ende des Romans bei den vielen Namen nicht mehr ganz durch, aber das tat dem Lesespaß keinen Abbruch.
Das einzig Unrealistische, was ich anmerken möchte ist: Die Revolution ist mehr als dreihundert irdische Jahre her und dennoch tun die Arkoniden so, als wären es nur wenige Jahre. Wenn ich überlege, die französische Revolution ist nicht mal 240 Jahre her, und ich sehe nicht, dass der französische Adel nach der Macht strebt. Im Gegenteil, der ist kaum noch existent. Selbst wenn die Entwicklung und der Umbau der Gesellschaft auf Arkon vielleicht langsamer vonstatten ging, aber die Auswirkungen der Symaios und die Jahrzehnte danach, sollten doch spürbare Veränderungen in der Gesellschaft hervorgerufen haben.
»Der getäuschte Celista« ist ein NEO-Roman ganz nach meinem Geschmack. Genau wegen solcher Romane lese ich PERRY RHODAN NEO.
PERRY RHODAN NEO Band 381 – »Im Dienst der Republik« von Jaqueline Mayerhofer
Auf der Suche nach einem mysteriösen Artefakt, das ihrer Tochter helfen kann, machen sich Perry Rhodan und seine Frau Thora an Bord der TERRANIA II auf die Suche. Nahe des Kugelsternhaufen M13 finden sie eine Flotte zerstörter Mehandorschiffe vor, die das Artefakt an Bord gehabt haben müssen. Es sieht so aus, als wäre es den Händlern gestohlen und die Besatzungen der Schiffe gnadenlos massakriert worden – und zwar von Schiffen der arkonidischen Flotte. Um herauszufinden warum die Arkoniden das getan haben, muss die TERRANIA II tiefer ins Zentrum von M13 fliegen. Dort wird auf einer Forschungsbasis Erik Weidenburn in einem goldenen Käfig gehalten. Der Sohn von Atlan und Mirona Thetin ist vor Jahrzehnten aus dem Tiefschlaf erwacht. Er weiß nicht, wie er die drei Jahrhunderte seit der Symaios überlebt hat und wo er sich befindet. Zunächst verdingt er sich auf einer arkonidischen Kolonialwelt bei einem Bergbauunternehmen, bis er sich einer Mehandorsippe anschließen kann. Doch aus seiner Reise zurück in die Milchstraße und ins Solsysem wird nichts. Ein arkonidischer Wissenschaftler überredet Weidenburn an den Artefakten zu forschen, die in der ganzen Milchstraße auftauchen. Weidenburn findet die Arbeit zunächst interessant, bis er merkt, dass man ihn in der Forschungsstation auf dem abgelegenen Planeten gefangen hält. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch ergibt er sich in sein Schicksal.
Anfangs hat mich der Roman verwirrt. Irgendwie schien das alles nicht zusammenzupassen. Mehandor, die in einem Nebel havarieren und auf einen unbekannten Gegner treffen, ein missglücktes Experiment mit einem Artefakt, das eine Arkonidin verschlingt und dann bekommt Reginald Bull von Aurelian Voss einfach so die TERRANIA II, um mit Rhodan auf Rettungsmission zu gehen. Unwahrscheinlich! Natürlich ist es mal wieder Nathalie, die Hilfe braucht und Dao Lin H’ay hat außer ein paar Koordinaten nicht viel zu der Suche beizutragen. Also nichts, was man nicht schon gefühlte hundert Mal bei NEO gelesen hätte.
Spannend wird es erst als Eric Weidenburn ins Spiel kommt. Mit der Lebensgeschichte des Thetiser kann mich die Autorin wieder einfangen. Ihr gelingt es, mir das Schicksal des (zunächst) jungen Mannes nahezubringen und gleichzeitig, mein Interesse für die Geschichte rund um die Artefakte zu wecken. Da bin ich wirklich gespannt, wie es weitergeht.
Nach einem schwachen Start wird »Im Dienst der Republik« dann doch noch richtig spannend. Für Fans von Eric Weidenburn ein absolutes Muss.
Inzwischen sollte die SOL 122 bei den Mitgliedern eingetroffen sein. Im Gepäck hat sie die »Phantastisch! 99«. Der Ausgabe des SF-Magazins, welches ursprünglich im Oktober beim Atlantis-Verlag erscheinen sollte, drohte die Nichtveröffentlichung. Sehr zum Leidwesen von Chefredakteur Klaus Bollhöfener, den Autoren und Mitarbeitern. Als Klaus im Januar nach einer Lösung suchte, dachten wir vom Vorstand der PRFZ, dass man helfen müsse. Schließlich entstand die »Phantastisch!« einstmals als Beilage der SOL. So entschieden wir uns, den Druck der »Phantastisch! 99« zu übernehmen und das Heft als kostenlose Beigabe zusammen mit der SOL 122 an die Mitglieder auszuliefern zzgl. weiterer Exemplare für den neuen Verlag der »Phantastisch!«, Calliope Media.
Diese Beilage war einmalig und nur für die Mitglieder der PRFZ gedacht. Das heißt, alle SOL 122, die jetzt nachträglich im SpaceShop bestellt werden, beinhalten diese Beilage NICHT! Alle Restexemplare der #99 (fast 200 Stk.) wurden dem Calliope Media Verlag zur Verfügung gestellt und sind dort für Interessierte gegen Bezahlung erhältlich.
Die SOL 122 enthält neben den Besprechungen der PERRY RHODAN-Hauptserie, den Silberbänden und NEO wieder viele spannende Artikel rund ums Perryversum.
Im Schwerpunkt dreht sich alles um Hans Kneifel, der in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden wäre. Im Interview erzählt Ruben Wickenhäuser, warum man das Wort Indianer weiterhin sagen sollte. Und Markus Arnold lässt in seiner Kurzgeschichte Myles Kantor wieder aufleben.
Das Titelbild zeichnete Hendrik Fetz ursprünglich für Band 141 der Comicreihe »Unser Mann im All«. Ich habe es ausgesucht, weil es mich an die Handlung aus der NEO-Staffel »Metamorph« erinnert hat, die in der SOL 122 besprochen wird. Wer sieht auf dem Bild auch noch Posbis und Nakken im Inneren eines Tesserakt?
PERRY RHODAN NEO Band 380 – »Jenseits des Schleiers« von Kai Hirdt
Die TERRANIA mit Reginald Bull und Perry Rhodan an Bord macht sich auf die Suche nach mehreren verschwundenen Raumschiffen einer Kolonialwelt. Bei der Untersuchung eines Schiffswracks werden sie von arkonidischen Raumschiffen bedrängt und zur Flucht gezwungen. Die Nottransition führt sie durch eine Raumzeit-Spalte ins Granulon der Kelosker. Die sind alles andere als erfreut über den unfreiwilligen Besuch und beschuldigen Rhodan und die Menschheit am Untergang ihres Granulons und dem Tod tausender Kelosker. Sie entern die TERRANIA und nehmen die Besatzung gefangen, wie sie es schon mit anderen Schiffen zuvor getan haben, darunter auch die vermissten Raumschiffe von der Kolonialwelt und ein Schiff der Arkoniden. Perry Rhodan und seine Frau Thora können die TERRANIA mit Guckys Hilfe unbemerkt verlassen und machen sich auf die Suche nach einem Rückweg. Auf einem Planeten finden sie weitere im Granulon gestrandete Personen aus dem Einsteinuniversum. Alle leben auf einer Art Gefängniswelt in Anarchie und Chaos. Sie treffen auf eine Gruppe arkonidischer Wissenschaftler, die ebenfalls unbeabsichtigt hier gestrandet sind. Zusammen mit einem verbündeten Kelosker suchen sie einen Stato auf, um in den Einsteinraum zurückkehren können. Doch irgendeiner der führenden Kelosker verfolgt einen anderen Plan, denn entgegen aller Wahrscheinlichkeiten können Perry und Thora einen Chrono-Korrelator erbeuten, der die TERRANIA und die anderen Raumschiffe durch den Stato zurückschicken könnte. Die Mediker an Bord stellen fest, dass die vor längerer Zeit Gestrandeten mit einem Virus infiziert wurden, der nicht nur die Menschheit, sondern auch alle anderen Völker der Milchstraße vernichten könnte. Rhodan und seinen Begleitern gelingt es, in ihr angestammtes Universum zurückzukehren. Da taucht Dao Lin H’ay auf. Die Schwester der Tiefe bittet Rhodan um Hilfe zur Rettung seiner Tochter Nathalie benötigen sie ein Artefakt, eine sogenannte Träne der Sterne.
Endlich wieder mal ein Roman von Kai Hirdt. Wie sehr hatte ich mich darauf gefreut. Und tatsächlich kann mich der Co-Exposéautor unterhalten. Die Figuren stimmen, das Timing auch und der Humor sowieso. Dennoch war ich am Ende ein wenig enttäuscht. Vielleicht weil ich schon bessere Romane des Autors gelesen habe, vielleicht auch, weil mich die Darstellung der geheimnisvollen Kelsoker nicht überzeugt hat.
Die bisher als überlegen und weitsichtig beschriebenen Denker mit ihren elf Gehirnen wirken in diesem Roman eher plump und wenig clever. Wenn sie so klug sind, wie bisher beschrieben, müssten sie wissen, das Rhodan nicht für den Schaden an ihrem Granulon verantwortlich sein kann und es wenig Sinn macht, Menschen zu quälen, damit sie ihnen das Gegenteil erzählen. Die Hintergründe des Vorgehens des bösen Keloskers bleiben im Dunkeln, sowohl für Perry, als auch für mich als Leserin. Ich habe hier bewusst alle Namen weggelassen, weil ich im Laufe des Romans bei den vielen Namen irgendwann nicht mehr mitgekommen bin.
Spannend fand ich die Nebenhandlung um den Prospektor, der in einem Asteroiden ein geheimnisvolles Artefakt entdeckt und damit die Machenschaften eines Bergbaukonzerns aufdecken kann. In dieser Geschichte steckt für mich mehr Potenzial als in der Keloskersache. Für einen Roman zum Staffelauftakt hat mir ein bisschen der Wow-Effekt gefehlt.
Ich schreibe diese Rezension zirka vier Wochen nachdem ich den Roman gelesen habe und muss zurückblickend eingestehen, dass mir so gut wie nichts von der Handlung in Erinnerung geblieben ist. Im Gegenteil, ich musste einige Passagen des Romans nochmal querlesen, weil ich nicht mehr wusste, worum es überhaupt ging. Das ist sicher kein gutes Zeichen für einen Roman am Staffelbeginn.
»Jenseits des Schleiers« ist seit langem mal wieder ein NEO-Roman von Kai Hirdt. Zugegeben: es ist kein Highlight auch weil sein Inhalt kaum in Erinnerung bleibt. Es gab aber schon weitaus schlechtere Romane des Autors.