Raus aus meiner Filterblase!

Wie ich hier schon oft erklärt habe, bin ich nicht in irgendwelchen Sozialen Medien oder Netzwerken präsent. Die Gründe dafür will ich hier nicht erneut wiederkäuen. Ich gebe aber zu, dass ich ganz gern bei Twitter vorbeischaue. Dort lese ich mehr oder weniger regelmäßig, was Freunde und Bekannte so treiben, oder was die Fans aus der PERRY RHODAN-Fanszene so zu sagen haben. Schließlich muss ich als Chefredakteurin eines Fanmagazins informiert sein.

Dadurch, dass ich nur einem winzigen Bruchteil der Twitternutzer »folge«, bewege ich mich dort zumeist in deren Filterblasen. Es fällt mir auf, dass fast immer dieselben Leute miteinander kommunizieren und selten andere Stimmen zu hören sind. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist.

In den vergangenen Monaten ist mir dann verstärkt bewusst geworden, dass sich eine bestimmte Klientel von Leuten aufspielen, als hätten sie die Wahrheit für sich gepachtet. Ob es dabei um Gender-Ideologie geht oder um die Flüchtlingspolitik oder zuletzt um das Corona-Virus, man diskutiert nicht miteinander, sondern man schreit seine Meinung dazu aus dem eigenen Elfenbeinturm hinaus in die Welt. Man beweihräuchert sich untereinander, gratuliert sich zu dem tollen Gedanken oder setzt noch einen drauf. Aber jeder, der es wagt, einen Einwurf zu formulieren, oder auch nur ansatzweise Kritik zu üben, wird als Troll betitelt und ausgeschlossen. Es scheint sehr einfach, Leute aus der eigenen Timeline auszuschließen.

Dabei sind es meist gebildete Leute, die sich so verhalten, studiert, mit tollen Jobs im Literaturbereich, belesene Menschen also. Wahrscheinlich sind die im wirklichen Leben echt nett und vielleicht wäre ich mit der/dem einen oder anderen sogar befreundet. Deshalb will mir nicht eingehen, dass so jemand nicht gelernt hat, andere Meinungen zu hören, zuzulassen und zu tolerieren. Dass kaum einer von denen bereit ist, die eigene Meinung zumindest zu hinterfragen, geschweige denn zu diskutieren. Stattdessen tun sie so, als wären sie der Nabel der Welt und als wäre nur ihre Wahrheit die einzig richtige. Für sie gibt es nur ein dafür oder ein dagegen.

Ich glaube, dass wir durch die Struktur der Sozialen Medien, durch die Bildung von Filterblasen, verlernt haben zu diskutieren. Die Streitkultur, die es in den Neunzigern noch gab, und derer man sich damals in Schulen, Universitäten und in der Politik bediente, ist verloren gegangen. Stattdessen werden widersprüchliche Meinungen verdrängt und geächtet. Es ist einfacher jemanden aus seiner Filterblase zu werfen, als mit ihm ein Streitgespräch zu führen. Man könnte ja unterliegen und die eigene Wahrheit könnte sich als falsch herausstellen.

4 thoughts on “Raus aus meiner Filterblase!

  1. Genau so ist es. Allerdings habe ich auch schon Leute entabonniert. Einfach weil mir meine Zeit auch zu schade ist, gegen einen Sturkopf anzudiskutieren. Ich habe es versucht -.-

  2. Guter und richtiger Beitrag. Ich versuche, u.a. deswegen, auf Twitter möglichst breitem Spektrum zu folgen, von links bis konservativ (keine Nazis, das geht nicht!), und international.

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