Meine Gedanken zur »Spahnschen Grippe«

Während die Medien die Apokalypse vorhersagen, scheint draußen die Sonne, auf der Wiese vorm Haus blühen die Frühblüher und die Amsel zwitschert. Das fühlt sich mehr als ein wenig surreal an.

Trotz der Panik im Land war ich am Wochenende quer durch Deutschland unterwegs. Schließlich kann und will ich meine achtzigjährigen Eltern in einer solchen Situation nicht allein lassen. Dabei hatte ich weniger Sorge mich anzustecken, sondern mehr, dass die Bahn den Zugverkehr einstellt und ich nicht mehr zurückkomme.

Die ICEs waren deutlich leerer als sonst. Die Regionalbahnen nur etwas weniger besetzt. Es ist schon seltsam, wie sich die Wahrnehmung verändert und man jeden Fahrgast genau beobachtet und abschätzt. Am Freitag musste ich dann auch noch einen unfreiwilligen Stopp am Nürnberger Hauptbahnhof einlegen. In München hatte mal wieder der Triebwagen gestreikt und der Zug anschließend zehn Minuten Verspätung. Die Regionalbahn wartete nicht und ich war gezwungen meine Fahrkarte am ServicePoint abstempeln zu lassen, um mit dem IC weiterfahren zu dürfen. In der Bahnhofshalle war genauso viel los, wie immer. Auch am Bahnsteig merkte man wenig. Ich habe mich dann in Nürnberg nicht in ein Café gesetzt, sondern die 45 Minuten am zugigen Bahnsteig verbracht, wo ich mir die Tauben vom Hals halten musste.

Am Samstagmorgen war ich dann für meine Eltern einkaufen. Normalerweise ist Samstag in der Früh wenig los. Dieses Mal waren doppelt so viele Leute im Supermarkt unterwegs. Das Toilettenpapier (bis auf die öko-Variante) und Taschentücher waren aus, das Nudelregal bis auf ein paar Lasagneblätter leergefegt. Die Verkäuferin an der Kasse sagte zu ihrer Kollegin: »Vielleicht sollten wir draußen ein Schild aufstellen, dass Alkohol desinfiziert, dann können wir auch unsere Schnapsvorräte verkaufen.« Besser kann man die Situation nicht kommentieren. Das Seifenregal beim »dm« war auch leer, dafür waren viele Leute in der Innenstadt unterwegs, mehr als an einem normalen Samstag.

Am Sonntag vertrieb ich mir die Zeit mit Hausarbeit und Nachmittags sammelte ich mit meinen Eltern im Wochenendhaus die bei letzten Sturm abgebrochen Äste zusammen und las gefühlte Tausend Tannenzapfen auf. Arbeiten in freier Natur – besser kann man den Sonntag vor der »Apokalypse« kaum verbringen.

Heute fuhr ich zurück und die Züge waren schon fast Geisterbahnen. Sowohl der RegionalExpress, als auch der ICE.

Mit Sorge beobachte ich die Entwicklung, weil ich es nicht als so katastrophal erlebt habe, wie uns die Medien Glauben machen wollen. Die Zeitung in Saalfeld verkündete heute, dass der einzige Coronapatient geheilt aus dem Saalfelder Krankenhaus entlassen wurde. In ganz Thüringen gibt es zum heutigen Tag 55 Fälle. (Achtung Ironie!) Ein Beweis für meine These, dass die Thüringer lieber daheim bleiben, die haben ja schon bei der Völkerwanderung nicht mitgemacht. Deshalb können viele Menschen, mit denen ich am Wochenende gesprochen habe, die derzeitige Situation nicht verstehen und glauben, dass es ganz andere Gründe für die »Maßnahmen« der Regierung gibt.

Ganz ehrlich, ich möchte derzeit nicht in der Haut eines Politikers stecken. Die Entscheidungen die sie momentan treffen müssen, werden enorme wirtschaftliche Folgen für uns alle haben und uns das nächste Jahrzehnt beschäftigen. Die Arbeitslosenzahlen werden steigen, Gaststätten, Geschäfte und kleine Selbständige werden pleite gehen. So viele Milliarden kann die Regierung gar nicht aufbringen, um das abzuwenden.

Was ist uns ein Menschenleben wert? Nicht mehr und nicht weniger als diese Frage steht im Raum. Ich hoffe, dass die Politiker weise und rational entscheiden und sich nicht von Emotionen leiten lassen, die in den sozialen Netzwerken hochkochen.