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Nochmal Karlsruhe

Nachdem wir seit Montag wieder daheim sind, möchte ich doch noch ein paar Gedanken über unseren Urlaub und zu Karlsruhe im allgemeinen loswerden.

Wie immer wenn wir Städteurlaub machen, erkunden wir vieles zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Letzteres haben wir in Karlsruhe nicht gebraucht, weil die Sehenswürdigkeiten nicht so weit auseinander liegen und das Hotel strategisch günstig positioniert ist. Vom Hotel bis zum Schloß brauchten wir nicht mal 20 Minuten. Trotz der schönen Parks und der Fußgängerzone ist Karlsruhe nicht wirklich Fußgängerfreundlich. Schon allein wegen der unglaublich vielen Baustellen, die wohl noch die nächsten Jahre die Stadt »schmücken« werden. Jeglicher Verkehr scheint aufs Auto ausgerichtet, was mich am allermeisten wunderte. Gerade an jenem Ort, an dem das Fahrrad erfunden wurde, sind richtige Radwege selten. Das finde ich schade, denn dadurch nimmt man der Stadt viel von ihrem Reiz. Wahrscheinlich bin ich einfach aus meiner Zeit in München verwöhnt, wo es streng getrennte Rad- und Fußwege gibt und man von Radfahrern auf dem Gehweg oder an der Ampel nicht über den Haufen gefahren wird. Da gibt es auch keine dieser Pseudo-Radwege, die auf die Straße gepinselt wurden und auf der meist Autos parken und man als Radfahrer kaum vorankommt.

Besonders sportlich muss man sein, wenn man eine der Hauptstraßen überquert. Am Ettlinger Tor beispielsweise kamen wir während der Grünphase maximal bis zur Mitte der Straße, dann war wieder Rot und die stehenden Autos legten schon mal den Gang ein. Da ist Schnellsein angesagt – ältere Leute oder kleine Kinder haben da wenig Chancen. Ich glaube jedoch, das dies kein alleiniges Problem von Karlsruhe ist, sondern eines das viele größere Städte haben.

Begeistert bin ich nach wie vor von den vielen Grünanlagen und Parks mit dem alten Baumbestand. Eine solche Vielfalt an Baumarten und vor allem an sehr alten Bäumen habe ich in einer Stadt selten zu Gesicht bekommen. Auch die Sternförmige Anordnung der Straßen rund um das Schloss sieht man selten. Einen mittelalterlichen Stadtkern sucht man in Karlsruhe vergebens, doch es ist gerade diese klassizistische Moderne, welche der Stadt einen besonderen Reiz verleiht.

Mein persönlicher Höhepunkt waren jedoch die Schlosslichtspiele und der Lauterberg, auf dem übrigens nach seiner Einweihung eine Fahrradrennstrecke angelegt wurde. Man stelle sich vor, die jungen Männer von damals, haben sich dort mit ihren Hochrädern vom Berg gestürzt – wahrscheinlich im wahrsten Sinnes des Wortes.

Hier noch ein paar Impressionen:

Megabaustelle am Ettlinger Tor

Ein Sequioa in Karlsruhe

Umklammerung im Park

Die Kräne markieren die Baustellen

Ein Sonntag im Zoo

Wenn wir schon vis-a-vis vom Zoo übernachten, dann müssen wir ihn auch besuchen. So mein Argument.

Um zehn Uhr am Sonntagmorgen war noch wenig los. Doch das änderte sich schnell, und alsbald war der städtische Garten voller Leute. Meist Familien mit Kindern. Die Sonne schien, doch im Schatten war es so kühl, dass ich eine Jacke anziehen musste.

Die weitläufige Anlage ist mehr Park als Zoo, mit uralten Bäumen,  Blumenrabatten und vielen lauschigen Plätzchen zum Verweilen. Die Gehege der Tiere sind nicht so großzügig wie im Leipziger Zoo, aber man spürt die Bemühungen um eine Artgerechte Haltung. Der Zoo in Karlsruhe beherbergt den Altersruhesitz indischer Elefantendamen. Die Älteste, die hier ihr Gnadenbrot bekommt, ist stolze 62 Jahre. Neben Raubkatzen, Menschenaffen, Giraffen und Zebras gibt es sogar Eisbären, Pinguine und kalifornische Seelöwen, die sich in der Sonne aalten. Der Zoo ist stark auf Familien mit Kindern ausgerichtet, denn überall sind Spielplätze und andere Aktivitäten, bei denen sich die Kleinen austoben können. Auf den beiden Teichen schippern überdachte Gondeln dahin, begleitet von Karpfenschwärmen, die bettelnd die Mäuler aus dem Wasser reckten. Das habe ich in der Form auch noch nicht erlebt. Kaum, dass wir auf der Seebühne standen, kamen fünf bis sechs Tiere angeschwommen und streckten das Maul aus dem Wasser. Viele Besucher geben dem nach, weshalb das Wasser des Sees nicht so sauber ist, wie es sein könnte.

Besonders begeistert war ich von einer Attraktion, die von den meisten Zoobesuchern gemieden wurde, obwohl sie eigentlich nicht zu übersehen ist – der Lauterberg. Die Anhöhe wurde im neunzehnten Jahrhundert errichtet, im Inneren befand/befindet sich der Hochspeicher der Stadt. Heute ist der Tank mit Schaumbeton verfüllt. Zwischen den Bäumen schlängelt sich ein steiler Weg nach oben, der in einer Plattform mündet, von der man einen tollen Überblick über die Stadt hat. Außer einer Tai-Chi-Lady, die in Ruhe ihre Übungen ausführte, waren wir über eine halbe Stunde lang die einzigen hier oben. Gedämpft drang das Geschrei der Pinguine und das Lachen von Kindern herauf. Ein frischer Wind brachte den Geruch nach Sommer mit. Wir saßen da und ließen den Anblick auf uns wirken. Ein schöner ruhiger Ort inmitten des Getümmels. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man viele kleine Dinge in der Ferne, ob nun das Atomkraftwerk Phillipsburg im Norden, die Raffinerien vor dem Pfälzerwald im Westen, dem Hauptbahnhof im Süden oder die Ausläufer des Schwarzwald im Osten, man kann ziemlich weit blicken. Besonders abends muss das ein toller Anblick sein, leider schließt der Zoo bereits um 18 Uhr. Abwärts wählten wir den kurzen aber steilen Pfad durch den Wald, als Bergeher sind wir solche Wege gewohnt. Für Familien mit Kinderwagen gibt es einen langen allmählich ansteigenden Weg, aber der scheint kaum genutzt zu werden. Mein Fazit: für mich gehörten die Augenblicke auf dem Lauterberg zu den schönsten in Karlsruhe, von den Schlosslichtspielen mal abgesehen. Allein deswegen würde sich ein zweiter Besuch lohnen.

Übrigens fand ich den Eintrittspreis von zehn Euro ziemlich moderat. Leute, die hier wohnen, können bereits für 40 Euro eine Jahreskarte erwerben, das finde ich so gut wie geschenkt.

Auf dem Rückweg zum Ausgang haben wir uns noch einen Imbiss gegönnt, wenn ich Biertrinker wäre, hätte ich auch mal das legendäre Alpirsbacher Klosterbräu probiert, so blieb es bei einem Wasser.

Nasenbär in Aktion

Skandal im Streichelzoo

Bettelnde Karpfen

Idyll im Stadtgarten

Gondoletta im Zoo

Vom Lauterberg

Panoramaaufnahme vom Lauterberg über Karlsruhe

Open Air-Kino mal anders

Seit ich zum ersten Mal ein Video von den Schlosslichtspielen in Karlsruhe gesehen habe, wollte ich das Ereignis unbedingt live erleben. Deshalb sind wir extra für ein paar Tage nach Karlsruhe gekommen.

Gestern Abend versammelten wir uns dann mit Hunderten von Leuten vor dem Schloss, setzten uns dort auf die Wiese und bewunderten die Show. Los ging es nach Einbruch der Dunkelheit um 21 Uhr.

Es ist beeindruckend, egal ob man es nun aus der Ferne oder direkt vor dem Schloss beobachtet. Es gibt mehrere Shows in Folge, dazwischen wird ein wenig Werbung der Sponsoren gezeigt. Rundum kann man Essen und Trinken erwerben. Man kann als Spende auch ein Armband kaufen, denn für die ganze Veranstaltung ist kein Eintrittsgeld nötig.

Am besten gefielen mir die Stücke von Maxin10sity aus Ungarn. Sie waren es, die 2015 zum ersten Mal mit der Show »300 Fragments« Furore machten. (Ich berichtete darüber.) Ihre diesjährige Show fand ich fast noch beeindruckender.

Ähnlich beeindruckt haben mich die vielen Zuschauer aus allen Schichten der Gesellschaft und allen Altersgruppen. Manche hatten Campingstühle und Tische dabei und ließen sich vor der Show noch das mitgebrachte Abendbrot schmecken. Kinder tollten auf der Wiese herum und junge Leute filmten alles mit ihren Smartphones. Was zur Folge hatte, das gleich nach den ersten Beiträgen das LTE-Netz zusammenbrach, als alle ihre Bilder ins Netz luden.

Die Schlosslichtspiele sind wie ein großes OpenAir-Kino auf einer extrabreiten »Leinwand«, nämlich der Fassade des Schlosses. Die Fassade wird in die Filme integriert, was richtig coole Effekte hervorruft. Wer Interesse an solch außergewöhnlichen Vorführungen hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Die Schlosslichtspiele in Karlsruhe gehen noch bis zum September. Die Vorführungen finden jeden Abend statt. Mehr auf der Homepage der Schlosslichtspiele. Es lohnt sich.

Das Schloss bei Tag und …

… bei Nacht

Es geht los! Die erste Show flimmert über die Fassade

Nur Berlin hat mehr Baustellen

… Diesen Satz bekamen wir vom Hotelportier zu hören, als wir in die Innenstadt von Karlsruhe aufbrachen.

Tatsächlich! Karlsruhe scheint eine einzige Baustelle zu sein: ein Tunnel hier, zwei Baukräne dort und überall Bauzäune. Dazwischen immer wieder beeindruckende Häuser im klassizistischen Stil und Parks mit vielen alten Bäumen. Wir verbrachten einige Zeit im Schloßpark und beobachteten Enten und Eichhörnchen, sowie ein Pärchen, das sich lautstark zankte. Es ging wohl um ein Foto, das sie machen wollte und er nicht erwarten konnte.

Der Vormittag war kühl, eine willkommene Abwechslung von der gestrigen Hitze. Am Verfassungsgericht vorbei spazierten wir zurück in die Fußgängerzone. Eine Menge Leute tätigten dort ihre Samstagseinkäufe, aber es war nicht halb so überfüllt wie ich das aus München kenne. Wobei mich an der Fußgängerzone störte, dass man entweder von der Stadtbahn oder von fahrenden Autos von der Straße gescheucht wurde. Also eine richtige Fußgängerzone, stelle ich mir anders vor. Dafür stößt man immer wieder auf kleine Parks und Grünflächen, wo man sich hinsetzen oder sich an einem der gut zweihundert Brunnen im Stadtgebiet erfrischen kann.

Das Beste ist jedoch das Hotel. Wir haben vom Zimmer aus einen direkten Blick auf den Zoo. Das ist fast wie eine Safari. Hinter dem Zaun kann man die kleinen Pandas beim Klettern beobachten, links davon springen die Gazellen durchs Gehege, am Hang dahinter schleichen die Leoparden über die Felsen und spielen mit herunterhängenden Ästen. Dazu eine Geräuschkulisse wie im Urwald: Brüllaffen, seltsames Vogelgeschrei und ein röhrendes Karibu. Das hat man definitiv nicht überall.

Ach ja, und das Frühstücksbüffet ist echt lecker, bis auf den Kaffee (da reden wir lieber nicht drüber). Dafür gibt es gleich nebenan das Café  »Tante Emma«. Geführt von einer jungen Frau, die in Südafrika geboren wurde und im Schwarzwald aufwuchs. Da gibt es nicht nur leckeren Kaffee, sondern auch Kuchen und Quiches wie von Oma, serviert auf altem Porzellangeschirr, alles biologisch und regional. Sehr schön!

Schneeleoparden vom Hotelfenster beobachtet

Unser Hotel aus der Sicht der kleinen Pandabären

Im Labyrinth der Umleitungen

Der Pfingstsonntag begann regnerisch. Gleich nach dem Frühstück checkten wir aus unserem Hotel aus und fuhren in Richtung Ulm. Auf geradem Weg war das aber nicht möglich, weil alle paar Kilometer die Straße gesperrt war. Eine Umleitung nach der anderen blockierte unseren Weg. Ich hatte die Karte auf dem Schoß und lotste meinen Mann quer durch die schwäbische Pampa. Denn wenn wir nach den Umleitungsschildern gefahren wären, wären wir wahrscheinlich nie dort angekommen, wo wir in wollten. Der Wust an Umleitungsschildern war am Ende so groß, dass man nicht mehr wusste, welches Schild zu welcher Umleitung gehörte. Zumindest kam man an Ortschaften vorbei, von denen man nicht mal geahnt hätte, dass es sie gibt. Außerdem war kaum Verkehr und so war die Fahrerei nicht so stressig.

Den Mittag und Nachmittag verbrachten wir auf einer Geburtstagsfeier. Inzwischen hatte es auch aufgehört zu regnen. Und als wir am späten Nachmittag auf der A8 nach Hause fuhren schien sogar die Sonne vom weißblauen Himmel.

Heute habe ich erstmal die Fotos gesichtet und fügte die Besten zu den Blogeinträgen dazu.

Interessante Ortschaften am Wegesrand.

Unter Siebenbürgen-Sachsen

Dinkelsbühl wirbt mit dem Titel »Schönste Altstadt Deutschlands« und ich finde zurecht. Was sofort auffällt, sind die Fassaden der alten Häuser. Dort finden sich keine Werbeschilder und keine modernen Beschriftungen. Sondern sie sind zurückhaltend in altdeutscher Schrift bemalt. Da mag es auf den ersten Blick seltsam aussehen, wenn der asiatische Name eines Restaurants über den Fenstern steht, aber zum Gesamtbild passt es allemal. Das Städtchen innerhalb der Stadtmauer ist überschaubar, im typisch fränkischen Stil, viel Sandstein, ein bisschen Fachwerk, alles recht bunt bemalt, wirkt es sehr harmonisch, bis auf …

Ja, auch hier sind es wieder die vielen Autos und der Verkehr, der den schönen Eindruck trübt. Direkt vor den Stadttoren gibt es große Parkplätze. Warum also, muss man unbedingt in die engen Gassen fahren und dort verzweifelt nach einem Parkplatz suchen? Ich verstehe es nicht. Zumal ab heute Mittag die Hauptstraße vor dem Münster ohnehin gesperrt war, wegen des Siebenbürger-Treffens.

Das fand ich sehr spannend. Inzwischen kann ich den Dialekt ganz gut identifizieren und ich glaube, dass ich noch nie so viele Siebenbürgen-Sachsen auf einem Haufen gesehen und gehört habe. Noch nicht mal auf unserer Hochzeit. Es gab sogar einen kleinen Markt, auf dem Spezialitäten aus Siebenbürgen angeboten wurden. Von der Kuttelsuppe, über Mici und Sauerkrautwickel bis hin zu Hanklich und Baumstriezel. Letzteren haben wir uns gegönnt. Frisch gebacken und noch warm ist er besonders lecker. Ich habe noch ein Koch- und ein Backbuch erstanden, damit wir die Lieblingsspeisen meines Mannes auch richtig nachkochen können.

Nach dem Mittag verschwand die brennende Sonne hinter dunklen Wolken. Die schwüle Hitze wurde unerträglich und wir gingen langsam zum Parkplatz zurück. Auf dem Weg zurück zum Hotel brachen dann schon die ersten Regenschauer über uns herein und gerade im Hotel angekommen, krachte es. Das Gewitter zog jedoch schnell vorüber. Wir legten uns ein bisschen hin und wurden jäh aus dem Mittagsschlaf gerissen, als plötzlich eine Blaskapelle vor unserem Fenster aufspielte. Im Restaurant des Hotels fand eine Geburtstagsfeier statt und für das Geburtstagskind spielte die Blasmusik auf.

Wir flüchteten und fuhren ein bisschen durch die Gegend, besichtigten eine Keltenschanze und bestiegen den Blasienberg direkt neben dem Dorf, in dem wir übernachten. Bei der Feuchtigkeit und der Hitze, die nach dem Gewitter herrschte, kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Aber wir wurden mit einem wunderbaren Blick über das Ries und einer außergewöhnlichen Flora belohnt. Solche blühenden Wiesen sieht man heute viel zu selten. Leider.

Dinkelsbühl

Stadtmauer von Dinkelsbühl

Stadttor von Dinkelsbühl

Auf dem Blasienberg

Blick auf Kirchheim a. Ries

Panorama vom Blasienberg

Stadt der Touristen

Ich sollte mich nicht beschweren, wenn ich eine Stadt besuche, von der ich weiß, dass sie von japanischen und amerikanischen Touristen heimgesucht wird, und ich dann tatsächlich auf die genannten Touristenströme treffe. Wobei, ich kann mir vorstellen, dass es im Sommer hier noch viel viel schlimmer zugeht. Die Saison hat gerade erst begonnen.

Kurz gesagt, man kann sich Rothenburg ob der Tauber ansehen, aber man muss es nicht. Schon gar nicht bei 30 Grad und während des Aufbaus eines Mittelaltermarktes. Denn die Touristenmassen alleine waren nicht das Hauptproblem. Mich störten vor allem die vielen vielen Autos, die sich rücksichtslos durch die Gässchen drängelten. Alle paar Meter musste man stehenbleiben, um irgendwelche fetten SUVs oder Lieferwagen durchzulassen. Das nervte auf Dauer. In Nördlingen fand ich das nicht ganz so schlimm, obwohl auch hier jeder durch die Stadt fahren kann, wer will. Ich persönlich fände es ohnehin besser, alle historischen Stadtkerne in verkehrsberuhigte Zonen umzuwandeln, in denen nur Anwohner herumfahren dürfen. Aber dann würden die ansässigen Händler wieder das Jammern anfangen. Man kennt das ja.

Es gibt ein paar sehr schöne Ecken in Rothenburg. Der Burggarten gehört dazu und die begehbare Stadtmauer mit den Türmen natürlich auch. Wir haben sogar in einem der vielen Andenkengeschäfte etwas gekauft. Vor vielen Jahren hatten mir meine Eltern auf einem Weihnachtsmarkt ein Fachwerkhäuschen aus Ton gekauft. Das hing zwölf Jahre in meiner Münchner Wohnung an der Wand und hängt jetzt in meinem Arbeitszimmer im Haus meiner Eltern. Schon immer wollte ich noch ein zweites Häuschen dazu haben. Heute in Rothenburg habe ich endlich eines erstanden. Es ist aber kein Häuschen sondern ein Turm. Das Original steht in Lindau, hat uns die Verkäuferin erklärt.

Dank mykiosk.de erfuhr ich auch, wo ich in Rothenburg den aktuellen NEO bekomme und wir hielten auf der Rückfahrt am Einkaufszentrum am Bahnhof, wo ich mich fürs Wochenende mit Heftromanen eindeckte. Anschließend fuhren wir wieder zurück ins Hotel. Hinwärts waren wir auf der A7 gut eine Stunde unterwegs. Rückwärts auf der Romantischen Straße (B25) dauerte es dann ein bisschen länger, dafür waren die Aussichten schöner.

Morgen steht dann Dinkelsbühl an. Das ist nur 25 Kilometer entfernt und wie wir heute erfahren haben, findet an diesem Wochenende dort das Fest der Siebenbürgensachsen statt. Da mein Mann von da kommt, wird das für ihn und für mich sicher interessant.

Rothenburg

Kirche mit Durchfahrt (Rothenburg)

Stadttor mit Kirche (Rothenburg)

Die bekannteste Ansicht von Rothenburg

Im Krater und am Kraterrand

Nördlingen aus dem Prospekt

Urlaub!

Nach den anstrengenden letzten Wochen, den ständigen Auf’s und Ab’s, dem Wechselbädern aus Freude und Enttäuschung wollen wir versuchen in den nächsten Tagen ein bisschen abzuschalten. Und weil wir nicht weit reisen wollten, machen wir Urlaub in Bayern und Baden Württemberg. Gut, dafür hätten wir genau genommen auch zu Hause bleiben können, aber sich woanders den Wind um die Nase wehen zu lassen, ist dann doch besser.

Als Reiseziel haben wir jene Touristenhochburgen ausgesucht, die bei den Japanern und Amis besonders beliebt sind und in denen ich noch nie war. Zeit, das endlich mal nachzuholen. Unser Hotel steht in einem Dorf in der Nähe von Nördlingen. Daneben ist ein Bauernhof, es gibt eine Koppel auf der Pferde, Esel und Ponys grasen und eine eingezäunte Wiese auf der sich fünf Alpakas tummeln. Die sehen echt aus wie Schafe mit langen Hälsen. Von hier aus wollen wir Tagestouren nach Dinkelsbühl, Rothenburg ob der Tauber und Nördlingen unternehmen.

Gestern machten wir auf der Herfahrt einen Zwischenstopp in Augsburg. Dort war ich zwar in diesem Jahr schon mal, hatte damals aber keine Zeit mir die Innenstadt anzusehen. Wir bummelten durch die Fußgängerzone, speisten sehr lecker und günstig in einem asiatischen Imbiss und ich probierte anschließend die Eissorten Macadamia und Kaktus. Eigentlich wollte ich ja noch die Sorte Ananas-Thai-Basilikum kosten, aber das wäre dann doch des Guten zu viel gewesen.

Heute nun stand Nördlingen auf dem Programm. Wir folgten dem historischen Rundweg durch die Altstadt, legten einen Teil des Weges auf der alten Stadtmauer zurück, die man übrigens komplett begehen kann. (Tipp für Mittelalter-Fans: alle drei Jahre findet in Nördlingen das Historische Stadtmauerfest statt, bei dem die Stadt für ein Wochenende ins Mittelalter »zurückversetzt« wird.) Mein Mann bestieg den »Daniel«. Nein, nicht das, was jetzt mancher vielleicht denkt. Der »Daniel« ist der Turm der Stadtkirche St. Georg. Ich bekam unterdessen ganz unverhofft eine einstündige Kirchenführung, weil sonst niemand da war. Später stieß noch mein Mann und ein älteres Pärchen hinzu. Die Dame aus der Kirchgemeinde erklärte uns die architektonischen Besonderheiten des Bauwerks, was ich sehr interessant fand. So ist die Kirche aus Suevit erbaut. Einem Gestein, das durch einen Meteoriteneinschlag in der Gegend vor 15 Millionen Jahren entstanden ist.

Um Meteoriten ging es auch nach dem Mittagessen. Da besuchten wir das Rieskrater-Museum, das Größte seiner Art in der Welt. Ich lernte, dass man Einschlagkrater kategorisieren kann und welche Gesteine bei einem Einschlag entstehen. Besonders spannend fand ich den Meteoriten-Simulator, dabei kann man interaktiv Asteroiden oder Kometen in unterschiedlicher Größe auf die Erde stürzen lassen und sich dann das Ergebnis ansehen. Spannend sind auch die Exponate; von Eisenmeteoriten über Fossilien, die bei Einschlägen entstanden, bis hin zum Mondgestein ist dort alles ausgestellt. Echt sehenswert. Die Sonderausstellung zum Mars beginnt leider erst morgen, dass habe ich zu spät gesehen, sonst wären wir erst am Samstag dorthin gefahren.

Spät am Tag bestiegen wir noch den Goldberg, der nur wenige Kilometer von unserem Hotel aus dem ehemaligen Kraterboden wächst. Die Kalksteinfelsen leuchteten in der Abendsonne, ein leichter Wind blies über uns hinweg und Insekten summten im blauen Himmel. Die Kulisse wirkte wie aus einem Karl-May-Film. Oben angekommen lag uns das Ries zu Füßen. Grüne Felder unterbrochen von den roten Dächern der Dörfer und der ferne Kraterrand, der als bewaldete Hügel den Horizont begrenzt. Außer uns war keine Menschenseele zu sehen, es gab keinen Lärm. Die Luft roch nach den Blüten der Luzerne, die überall blühte. Ich finde, es war der schönste Abschluss eines Urlaubstags, den man erleben kann.

Nördlingen

Der »Daniel« in Nördlingen

Rathaus in Nördlingen

St. Georg

Blick vom Goldberg

Auf dem Goldberg

Paris nachgereicht …

An dieser Stelle noch ein paar Eindrücke von unserer Parisreise.

Wie gesagt war es die ganze Zeit über sehr frostig, was aber nicht schlimm ist, wenn man sich viel bewegt. So sind wir jeden Tag bis zu zehn Kilometer gelaufen und haben uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zumindest von außen angesehen.

Angesichts der Touristenmassen vergeht einem schnell der Besuch von Eifelturm und Co. Wobei auf den Eifelturm zu steigen ohnehin sinnlos gewesen wäre, da man nichts außer Nebel gesehen hätte. Das haben wir auf’s nächste Mal verschoben. Dafür gefiel mir der Weg zur Freiheitsstatue, die sich auf einer sehr schmalen Insel mitten in der Seine befindet. Darüber geht eine Brücke und dort drunter gab es etwas, das ich so noch nie gesehen habe: ein Fitnessstudio im Freien für jedermann und kostenlos. Mit richtigen Geräten zum Workout, für alle Muskelgruppen und jede Altersklasse. Man sollte allerdings größer als 1,40 Meter sein. Und das stand einfach dort, nicht eingezäunt und in sichtlich gutem Zustand. Bei uns wäre so etwas wahrscheinlich innerhalb von Tagen irgendwelchen Randalierern zum Opfer gefallen.

Paris muss man sich, wie auch NYC, erlaufen. So gingen wir am ersten Tag vom Eifelturm bis zum Invalidendom; querten dann die Seine am Grand Palais; wanderten von da aus am Place de la Concorde vorbei durch die Tuillerien zum Louvre; bestaunten dort die Massen an Menschen, die bei klirrender Kälte draußen standen und auf den Eintritt warteten und gingen dann weiter zur Ile de France um Notre Dame zu bewundern. Dann gingen wir wieder über die Seine am Hotel de Ville vorbei zum futuristischen Centre Pompidou. Dieses Objekt wollte ich unbedingt sehen, faszinierte es mich doch schon damals in dem Bildband. Doch das wie eine Fabrik aussehende Gebäude ist heute nur noch ein schmutziges graubuntes Etwas, dass so gar nicht zwischen die Häuser des Viertels passt und nicht annähernd so futuristisch aussah, wie ich es erwartet hatte. Auch davor tummelten sich lange Menschenschlangen und Hunderte von Tauben, die sich frierend in einer Ecke zusammenkauerten.

Besser gefiel mir dann doch Les Halles, das riesige Einkaufszentrum mit dem wie ein Flügel aussehendem Dach. Der Park davor ist leider noch eine große Baustelle, wird aber sicher sehr schön werden, wenn er einmal fertig ist. Ebenso gut gefallen hat mir das Palais Royal, mit der Kunstinstallation von schwarz-weiß gestreifter Pfeiler und dem großen Garten. Einer der Springbrunnen lief trotz der Kälte und an den Hecken blühten die letzten Rosen. Ein etwas irritierender Anblick bei Minusgraden.

Und natürlich musste ich mir auch das berühmt berüchtigte Rotlichtviertel entlang der Metrostationen Place Clichy, Blanche und Pigalle ansehen. Gerade in der Dämmerung machen die Geschäfte mit ihren Leuchtreklamen so einiges her. Eines der Geschäfte hieß sogar »Galactica«.

Beeindruckt bin ich nach wie vor von der Metro, deren Schächte und Stationen sich wie ein Labyrinth unterhalb der Stadt erstrecken. Da kann man ziemlich schnell die Orientierung verlieren und schweres Gepäck sollte man auch nicht unbedingt mit sich rumschleppen. Am beeindrucktesten war die Pünktlichkeit, alle vier Minuten fährt ein Zug, da gibt es garantiert keine langen Wartezeiten. Und das Beste war, dass man vom 31. Dezember 17:00 Uhr bis zum 1. Januar 12:00 Uhr mittags für eine Fahrt mit der Metro nichts bezahlen musste.

Hier nun ein paar optische Eindrücke.

Im Palais Royal

Raffinerie oder Kunstmuseum

Ein Hauch von Frühling

Denkt ihr auch, was ich denke?

Auch Paris hat seine Wolkenkratzer

Galaktisch!

Da bin ich gewesen!

Puha! Gerade heimgekommen bei Eis und Schnee; eine Stunde später als geplant, wegen eingeschlagener Fensterscheiben im ICE. Man sollte bei vereisten Oberleitungen eben nicht mit Tempo 320 km/h fahren. Das musste so kommen!

Egal es war trotzdem ein wunderschöner Kurzurlaub, und ich habe mir nach bald dreißig Jahren endlich meinen Kindheitstraum erfüllt.  In den nächsten Tagen erzähle ich mehr davon.

Ich war nämlich hier:

Paris im Nebel