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Utopisches in Salzburg

Es sah aus, als drohe der Weltuntergang. Im Radio jagte eine Unwetterwarnung die nächste. Wir wagten uns dennoch auf den Weg nach Salzburg, wo eine Veranstaltung zum Thema utopische Literatur stattfinden sollte. Als einer der Gäste war Kai Hirdt angekündigt.

Am Bahnhof in Freilassing wehten uns die Orkanböen beinahe davon. Im Norden und Süden war der Himmel bedrohlich dunkel, nur über uns und in Richtung Salzburg zeigte sich ein heller Streifen. Ich kaufte am Kiosk noch den aktuellen NEO und den TERMINUS meines Schreibcoach. Dann stiegen wir in die S-Bahn und waren keine 10 Minuten später da. Über die Promenade an der Salzach gelangten wir schneller zum Veranstaltungsort, als wir gedacht hatten und so trafen wir bereits um 19 Uhr in den »Kavernen 1595« ein. Das Foyer und der Saal entpuppte sich als in Felsen getriebene Gemäuer, die aufs modernste eingerichtet waren und somit dem Titel der Veranstaltung »Sprach: Utopie« Rechnung trugen.

Wir überbrückten die Zeit bis zum Beginn bei einem Glas Wasser. Kurz vor halb acht, entdeckte ich unter den ca. 50 Anwesenden im Foyer ein bekanntes Gesicht. Madeleine Puljic kam in Begleitung ihrer Eltern herein geschlendert. Nach einer herzlichen Begrüßung nahmen wir gemeinsam in der dritten Reihe platz.

Auf der Bühne hatten es sich die Teilnehmer der Runde um den Moderator in großen Sesseln bequem gemacht. Kai Hirdt, rechts außen sitzend, überragte mit seiner imposanten Figur alle. Der Veranstalter des Salzburger Literaturfestes eröffnete den Abend mit einer kurzen Rede, bevor Günter Kaindlstorfer vom ORF übernahm. Er stellte als erstes Emma Braslavsky vor, die aus ihrem Roman – »Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen« – lesen sollte. Die Autorin ist nicht auf den Mund gefallen und ließ dem Moderator und den anderen Autoren wenig Gelegenheit zu Wort zu kommen. Es verging einige Zeit, als endlich Kai Hirdt an der Reihe war. Günter Kaindlstorfer fragte als erstes, wie man Perry Rhodan eigentlich richtig ausspricht. Kai erklärte, dass man im Autorenteam und in der Redaktion die deutsche Aussprache bevorzugte, weil man bei einer Konferenz sonst spätestens nach einer halben Stunde einen Knoten in der Zunge hat. Außerdem sitzt der Verlag in Baden-Württemberg und da tue man sich bekanntlich mit dem Englischen etwas schwer. Daraufhin bat ihn der Moderator mal ein Beispiel zum Besten zu geben, was Kai geschickt abwenden konnte und stattdessen über seinen Einstieg ins Autorenteam sprach. Er sei damit quasi zum Erzengel aufgestiegen. Die nächsthöhere Stufe seinen die Exposé-Autoren, die so etwas wie die Götter des Perryversums darstellen.

Danach wandte sich der Moderator dem Historiker Lucian Hölscher zu. Er hat als erster Untersuchungen zur Geschichte der Zukunftvorstellungen angestellt und in einem Buch »Die Entdeckung der Zukunft« niedergeschrieben. Darin legt er dar, ab wann sich der Mensch mit der Zukunft beschäftigt und seit wann es in der Literatur Utopien gibt. Interessanterweise beschäftigen sich die Menschen erst seit zirka dreihundert Jahren damit. Ursprung war die Industrielle Revolution. Der letzte in der Runde war gleichzeitig der jüngste. Joshua Groß aus Nürnberg ist ein junger Autor, der sich an keine Konventionen halten möchte und über Träume und verschobene Parallelwelten schreibt. Sein erstes Buch »Faunenschnitt« räumte einige Preise ab. Ein Faunenschnitt ist übrigens der Fachbegriff für Massenaussterben. Danach kam wieder Emma Braslavsky zu Wort, die aus ihrem Roman las. Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft und beinhaltet mehrere Handlungsstränge, die sich um eine Insel drehen. Mir persönlich war das ein bisschen zu lang und vor allem zu langatmig. Was vielleicht an den Schachtelsätzen lag, die die Autorin mit Vorliebe verwendete. Kai Hirdt gab im Anschluss einen Ausschnitt aus dem ersten Band der Miniserie PERRY RHODAN JUPITER (eine meiner Lieblingsszenen übrigens) und einen kurzen Auszug aus seinem aktuellen Roman der Erstauflage zum Besten. Im Hintergrund blickte der Moderator mit besorgter Miene auf die Uhr. Weil die Zeit schon weit fortgeschritten war, kamen die anderen beiden Autoren leider nicht mehr dazu, aus ihren Büchern zu lesen. Günter Kaindlstorfer, beendete die Lesung nach zwei Stunden, was ich etwas enttäuschend fand, weil ich gern auch etwas von dem Jungautor gehört hätte. Doch draußen wartete bereits der Autor Arnold Stadler um aus seinem Roman »Rauschzeit« zu lesen.

Wir zogen uns ins Foyer zurück, plauderten noch mit Madeleine und Kai und machten das eine oder andere Foto. Der Veranstalter, der die Eröffnungsrede gehalten hatte, kam hinzu und holte sich von Kai ein signiertes Romanheft, das er versprach zu lesen. Von mir wollte er wissen, in welche Verbindung ich zu PERRY RHODAN stehe und ich erzählte ihm ein wenig vom PERRY RHODAN-Fandom.

Nach 22 Uhr brachen wir zum Heimweg auf. Das Unwetter hatte Salzburg verschont, es herrschten angenehme Temperaturen und auf der Promenade waren die Nachtschwärmer unterwegs. Mit S-Bahn und Auto kamen wir eine Dreiviertelstunde später zu Hause an. Auch hier waren die Straßen nur stellenweise nass. Es war also nicht so schlimm gekommen, wie es zunächst den Anschein hatte.

Da es ein sehr schöner Abend in Salzburg war, schlug ich meinem Mann vor, dass wir sowas wir öfters machen sollten. Vielleicht ergibt sich mal wieder die Gelegenheit.

Salzburg im Abendlicht

Das Programm mit einer tollen Kurzgeschichte von Kai Hirdt.

Die Gesprächsrunde

Kai bei seiner Lesung

Gemeinsames Foto

Die SOL 83 ist da

sol-83-cover-c-prfz-001Gestern lag die SOL 83, die Mitgliederzeitung der PERRY RHODAN FanZentrale im Briefkasten. Leider hatte ich am Abend nur Zeit, um sie einmal durchzublättern und die ersten beiden Artikel zu lesen.

Das schöne blaue Cover gefällt mir und natürlich gefällt mir auch das Layout meiner NEO-Kolumne »NEOisiert« die zum ersten Mal in der SOL erschienen ist. Im Grunde ist es eine leicht überarbeitete Zusammenfassung meiner NEO-Rezensionen aus dem Blog. Die einen oder anderen Perryfans, die hier regelmäßig vorbeischauen, werden den Text kennen. Aber das Gros der Mitglieder kennt ihn eben nicht und was lag näher als die Rezensionen einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

In der Kolumne in der SOL 83 geht es um die Posbi-Staffel, während ich gerade den letzten Roman der Staffel »Arkons Ende« lese. Das heißt, dass auch in der nächsten SOL eine NEO-Kolumne von mir enthalten sein wird.

Neben der Besprechung der Romane der Erstauflage von  Markus Gersting enthält die SOL 83 außerdem eine ziemlich lange Geschichte von Holger Döring, ein Interview mit meinem Schreibcoach Roman Schleifer, Artikel über William Voltz, Teil 3 der »Unterwegs mit Gucky«-Reihe, Dr. Robert Hektor schreibt über den kosmologischen Hintergrund der PERRY RHODAN Erstauflage, Herbert Keßel erzählt aus der Vergangenheit der PRFZ und es gibt wieder eine »Coming of Rhodan«-Challenge zwischen Autor und Fan. Genug Material also, damit es mir in den nächsten Tagen nicht langweilig wird.

Ein schmerzvoller Abschied

Quelle: Amazon

Quelle: Amazon

Fan-Edition-, PERRY RHODAN-Arkon- und ganz aktuell MADDRAX-Autor Ben Calvin Hary wagt ein Experiment. Vor wenigen Wochen startete er im Kindle-Store eine Fortsetzungsgeschichte mit dem Titel »Ein Zimmer auf dem Mars«.

In Teil eins »Abschied von Terra« geht es um Conell Biggs der mit seiner Familie zum Mars fliehen will. Der Grund ist einfach. Die Erde liegt nach weltweiten Kriegen in Trümmern, die Umwelt ist nachhaltig zerstört und die chinesischen Besatzer halten die verbliebenen Menschen in Europa unterdrückt. Jeder der Geld hat, wandert auf den Mars aus, um sich in der dort gegründeten Kolonie ein neues Leben aufzubauen.

Die Flucht zum Raumhafen und ins rettenden Raumschiff bringt Biggs, dessen Frau Gill und ihren zweijährigen Sohn Marco an ihre Grenzen. Ben Calvin Hary erzählt das sehr atmosphärisch und unheimlich spannend. Man fiebert mit der Familie und fühlt sich in dem beschriebenen Todesstreifen rund um den Raumhafen ein wenig an die vergangene DDR erinnert. Die Schilderung des Regenwetters und der tristen in Trümmern und Matsch liegenden Umwelt ist so real beschrieben, dass ich mich tatsächlich in die Geschichte hineinversetzt fühlte. Die Hoffnungen und Nöte der Familie sind toll gezeichnet, die Figuren lebendig und ihr Schicksal aufwühlend.

Am Ende des ersten Teils hielt ich tatsächlich den Atem an und giere seit dem auf eine Fortsetzung, die hoffentlich nicht lange auf sich warten lässt. Toller Lesestoff!

»Abschied von Terra« ist für 0,99 EUR im Kindle-Store von Amazon erhältlich.

Wer mehr über den Autor wissen will, dem lege ich Bens Blog ans Herz. Dort postet er Neuigkeiten über seine aktuellen Projekte. Und wer ihn zusammen mit meinem Schreibcoach auf einem Panel über Autorenwege erleben will, dem empfehle ich folgendes Video.

Fan-Edition 18 – Es ist offiziell

Titelbild von Hans-Jochen Badura

Titelbild von Hans-Jochen Badura

Nachdem es jetzt bereits auf der Homepage der PRFZ angekündigt wird, darf ich endlich auch verkünden, woran ich in den vergangenen sechs Monaten gearbeitet habe. Hier der Text aus dem Intro:

Mai 1514 NGZ.
In der Milchstraße brodelt es. Während im Sol-System der mysteriöse Techno-Mond die Terraner verängstigt, versucht Polyport-Präfekt Perry Rhodan den Konflikt zwischen Northside-Tefrodern und Jülziish um den Polyport-Hof ITHAFOR-5 zu entschärfen.
Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt verübt ein Unbekannter einen Giftanschlag auf einen engen Freund Perry Rhodans. Sofort mischt sich der Unsterbliche in die Ermittlungen ein – sehr zum Leidwesen der verantwortlichen TLD-Agentin Fiona Foniqi. Trotz der gegenseitigen Animositäten jagen sie gemeinsam den Attentäter, der ihnen immer einen Schritt voraus scheint.
Als sich der Zustand des Freundes verschlechtert und ihm nur noch wenige Tage zum Leben bleiben, treffen Rhodan und Foniqi eine folgenschwere Entscheidung. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit …

Die Fan-Edition 18 ist mein zweiter Roman im Perryversum. Das ich gerade einen Thriller/Krimi geschrieben habe, habe ich Roman Schleifer zu verdanken, der mich auf die Tatsache in meinem Exposé aufmerksam gemacht hat. Nachdem der Zeitrahmen durch den Wettbewerb festgelegt war, musste ich nicht lange überlegen. Ich wollte eine Vorgeschichte zu Andreas Eschbachs »Der Techno-Mond« schreiben. Der Roman war damals mein Wiedereinstieg in die PERRY RHODAN-Erstauflage. Mir gefiel, wie der Autor Perry Rhodans Privatleben schilderte. Auch ich wollte den Polyport-Präfekten von seiner menschlichen Seite zeigen, vor allem die Verantwortung, die auf ihm lastet. »Am Abgrund der Unsterblichkeit« bedeutet: jede Entscheidung, die ein Unsterblicher wie Perry Rhodan trifft, führt ihn an den Abgrund. Ein Schritt in die falsche Richtung und er gefährdet das Leben von Menschen.

Macht euch bereit auf eine spannende Geschichte mit viel Action, die mir so einige schlaflose Nächte bereitet hat. Und natürlich will ich niemandem das sensationelle Cover vorenthalten, das Hans-Jochen Badura zur Fan-Edition 18 beigesteuert hat.

Ich werde das Buch zusammen mit meinem Schreibcoach Roman Schleifer zum Austria Con 2016 in Wien Ende September präsentieren. Ab dann wird die Fan-Edition im SpaceShop der PRFZ erhältlich sein.

Von der Mündigkeit des Autors

Viele Dinge habe ich im vergangenen halben Jahr gelernt. Nicht nur wie man möglichst spannende Geschichten plottet und schreibt, sondern auch, wo meine Grenzen sind. Was ich gut kann und was nicht so gut. Woran ich noch arbeiten muss, und was ich in Zukunft ausprobieren sollte. Noch mehr aber, als alle Fertigkeiten die mit dem Schreiben zu tun haben, konnte ich jene Eigenschaften erproben, die mir schon immer schwergefallen sind.

Dazu gehört Durchhaltevermögen. Davon braucht man als Autor besonders viel, vor allem dann, wenn die Geschichte geschrieben ist und die Überarbeitungen anstehen. Das wird schnell zur Quälerei und man muss sich schon sehr gut selbst motivieren können.

Ein weiterer Punkt ist Leidensfähigkeit. Wenn der perfekte Text in den Augen des Lektors nämlich nicht so perfekt ist, wie man gedacht hatte. Da hilft auch der sachlichste Tonfall bei der Kritik nicht darüber hinweg, dass man frustriert das Handtuch werfen möchte.

Das wichtigste aber ist bei aller Kritik, sich die eigene Meinung zu bewahren. Sich nicht durch den Lektor vereinnahmen zu lassen, sondern auch mal auf dem eigenen Standpunkt beharren. Etwas was ich gerade erlerne. Regeln und Strukturen beim Schreiben sind gut, sie helfen voranzukommen, orientiert zu bleiben und aus einer guten Geschichte eine sehr gute zu machen. Aber, wenn ich einen Text bis ins letzte Wort in ein Gerüst von Regeln quetsche, wenn ich jeden Satz perfektioniere, dann geht meiner Meinung nach etwas wichtiges verloren. Individualität. Ich weiß jetzt, dass ich den erhofften Perfektionismus nie erreichen werde und dass ich das auch nicht muss, weil die klitzekleinen Schwächen und Unzulänglichkeiten das Salz eines Romans sind – das ureigene Unterscheidungsmerkmal sozusagen. Und ja, mein Schreibcoach wird mir jetzt vehement widersprechen. Ich steh trotzdem dazu.

Wie sagte mir mal ein guter Autorenfreund: »Wir Autoren müssen immer das Gefühl haben, der Boss über unseren Text zu sein, auch wenn wir wissen, dass wir vom Lektor ferngesteuert werden. Sonst kommt man sich entmündigt vor.«

Die Leiden des Autors

Indirekt, passiv, Klischee und show don’t tell – das sind die Begriffe, mit denen ich mich in den letzten Wochen und Monaten auseinandersetzen musste.
Was nichts anderes bedeutet:

  • nicht indirekt beschreiben (dazu gehört meine Lieblingsformulierung »nahm zur Kenntnis«);
  • nicht passiv schreiben (fast alle Sätze, in denen das Wort »werden/wird« enthalten ist.);
  • keine Klischees verwenden (dazu zählen alle Formulierungen, die man jeden Tag in der Zeitung lesen kann)
  • und mein »Lieblingsleitsatz« show don’t tell (zeige, was die Figur tut und fühlt, statt es zu erzählen).

Obwohl mein Schreibcoach Roman Schleifer für jede Änderung den Grund in einem Kommentar erklärte, wusste ich manchmal nicht so recht, warum das, was ich geschrieben hatte, passiv sein sollte oder indirekt. Da half dann nur ein klärendes Gespräch via Skype oder eine E-Mail mit Roman. Durch ihn erfuhr ich, dass ich ein Problem mit Zeitformen habe, speziell mit dem Einsatz von Präteritum und Plusquamperfekt. Denn im obigen Satz müsste es »ich habe erfahren« heißen. Wobei das jetzt das Perfekt ist, das in literarischen Texten nicht eingesetzt wird (dieser Teilsatz ist übrigens passiv, erkennbar am »wird«). Das war mir bisher auch noch nicht bewusst. Man lernt eben nie aus, auch dass man »man« nicht in Romanen verwenden darf. Verben wie »machte« sind genauso schlecht und werden gemeinhin als »Verbfaulheit« bezeichnet. Das Wiederrum zeigte mir mein neues Schreibprogramm Papyrus, das ich jedem Autor ans Herz lege.

Apropos ans Herz legen: Was ich mir abgewöhnen muss, ist die Verwendung von Klischees. Dazu gehört unteranderem der Begriff »Hexenkessel«, wenn ich einen Tumult beschreiben will. Entweder ich umschiffe es mit einer aktiven Beschreibung oder ich finde einen ausgefalleneren Vergleich.

Ich weiß jetzt, dass ich eine Handlung aktiv beschreiben muss und nicht drumrum erklären darf, sprich show don’t tell. Diese Anmerkung von Roman konnte ich am Ende kaum noch ertragen. Aktiv, sprich show, wird es durch Dialoge und Gesten. Wobei ich mit Letzteren aufpassen muss, damit sie nicht zu häufig vorkommen. Da ist Abwechslung gefragt. Was bedeutet, dass ich überlegen muss, wie ein Mensch Gefühle in Bewegungen, Mimik oder Gestik ausdrückt. Außerdem darf ich meine Figur nicht sehen oder beobachten lassen, sondern ich muss beschreiben, was sie sieht, da ich ja im Kopf der Figur stecke und nicht als Autor darüber schwebe. Das ist mitunter schwieriger, als ich dachte. Da kommt es manchmal auf Nuancen an, ob eine Formulierung richtig oder falsch ist.

Wie ist das nun mit all den neuen Erkenntnissen durch das Schreibcoaching von Roman?
Es hat meine Art zu schreiben verändert, weil ich jetzt genauer überlege, ob ein Satz all den Forderungen entspricht. Das ist am Anfang sehr mühsam und ich brauche für einen kurzen Text viel länger als früher. Doch laut Roman soll es nach einer Million Wörtern derart in Fleisch und Blut (wieder ein Klischee) übergehen, dass ich nicht mehr nachdenken muss.

Worüber ich mich aber richtig freue ist, dass ich jetzt weiß, wann man »das« mit s und wann mit ss schreibt. Dieses Problem verfolgt mich seit meiner Schulzeit. Ich habe schon so viele Eselsbrücken ausprobiert, aber keine hat bisher funktioniert. Ich habe das immer gefühlsmäßig eingesetzt, bis Roman mir eine einfache Regel erklärt hat, anhand der ich endlich begriffen habe, wann ich welches Wort verwenden muss. Alleine deshalb hat sich das Schreibcoaching schon gelohnt. Und natürlich auch wegen all den anderen Erkenntnisse …

Detailreiches Bild

Das habe ich noch gar nicht geteilt …

Das Cover für die Fan-Edition ist fertig. Es gefällt mir unheimlich gut. Hans-Jochen Badura hat großartige Arbeit geleistet. Ich war ja schon nach dem ersten Entwurf hin und weg. Weil es genau die Szene war, die ich mir gewünscht habe. Ich hatte mir im Auftrag meines Schreibcoach, Roman Schleifer, vier Szenen aussuchen dürfen, die für das Titelbild in Frage kamen. Natürlich hatte ich eine Lieblingsszene. Ich stellte also den Text zu den Szenen zusammen, der einen Auszug der Szene sowie die Beschreibung der Figuren und des Settings enthielt. Nach circa einer Woche bekam ich die Entwurfsskizze und freute mich riesig, dass es meine Herzblutszene auf das Titelbild geschafft hatte.

Dann ging Hans-Jochen an die Arbeit, während ich mich mit den Korrekturen am Manuskript herumquälte. Relativ schnell bekam ich von ihm einen ausgearbeiteten Entwurf, an dem mir ein paar Details noch nicht gefielen. Inzwischen standen wir in regem Kontakt und ich machte Vorschläge, wie ich mir die Szene vorstellte. Der Künstler schickte mir einen Entwurf zu den Änderungen und in dieser Woche kam dann das fertige Bild.

Ich war hin und weg. Das Bild ist derart detailreich, dass ich staunte. Bloß befürchte ich, dass man es auf dem gedruckten Titel gar nicht richtig sehen kann. Deshalb zeige ich an dieser Stelle meinen Lieblingsausschnitt.

Geschäftiger Freitag

Als Enkelin eines Landwirts habe ich erstaunlich wenig Sinn für Gartenarbeit. Das ich gestern wieder ran musste, um den Wein zu beschneiden, den Rasen zu mähen und Heu zu wenden, lasse ich über mich ergehen. Obwohl das bei der Hitze wahrlich kein Vergnügen war und zumal ich eigentlich viele andere Dinge zu erledigen hatte.

Der Newsletter will layoutet werden, die zweite Überarbeitung des Manuskript für die FanEdition harrt der Vollendung und da müsste auch noch die Rezension für den neunten Arkonband geschrieben werden. Da hieß es gestern Abend nach einem arbeitsreichen Sommertag im Freien, Prioritäten setzen. Abgabetermin für die FanEdition ist am 15 Juli. Also machte ich mich gestern Abend an die Arbeit und wühlte mich durch die Korrekturen, formulierte um, löschte, schrieb neu – das ist in der Tat harte Arbeit. Geschrieben ist eine Geschichte schnell, aber um sie auch lesbar zu machen, gehört eine große Portion Durchhaltevermögen. Meines war kurz vor Mitternacht erschöpft. Aber zumindest hat mein Schreibcoach nun wieder was zu lesen.

Mein gestriger Blockeintrag musste angesichts dessen zurückstehen. Dafür habe ich ihn hiermit nachgeholt.

Motivationsspritze

Ich gebe zu, dass es mir manchmal schwer fällt nach einem anstrengenden Arbeitstag noch einen Blogartikel zu verfassen. Das ist nämlich ziemlich zeitraubend. Und wenn man den ganzen Tag, über einem Manuskript gebrütet hat, schwirrt einem schon mal Buchstabensalat durch den Kopf.

So wie heute. Noch vier Kapitel überarbeiten, dann ist die Fan Edition »für mich« fertig. Ob mein Schreibcoach derselben Meinung ist, bezweifle ich. Zumindest sehe ich das Licht am Ende des Tunnels. Parallel arbeite ich an der NEO-Kolumne für die SOL und der nächste Newsletter will auch vorbereitet werden, dass heißt ich muss mir Fragen für meinen Interviewpartner ausdenken. Da ist es doch schön zu lesen, wenn Hermann Ritter in den aktuellen Clubnachrichten 522 über die SOL 81 und den Newsletter Nummer 12 schreibt. Endlich mal jemand der sich zu dem Interview äußert, dass ich mit Klaus N. Frick im November in Wolfenbüttel geführt hatte. Ich wusste, dass es Hermann Ritter gefallen wird, wenn ich im Interview indirekt auf die Clubnachrichten eingehe. Und ich finde es immer wieder nett, wenn man einem Menschen damit eine Freude machen kann. Das motiviert mich weiterzumachen.

Neues von der Schreibfront

Mein Schreibcoach legte mir dieser Tage nahe, ich solle meine Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich bislang durch das Projekt gewonnen habe, aufschreiben.
Und ich dachte mir, wenn ich es schon tue, warum nicht an dieser Stelle.

Die Verunsicherung, die mich nach jedem unserer Gespräche befällt, klingt nur langsam ab. Am Montag war sie besonders groß. Neben den Hauptpunkten: stimmige Szenenbeschreibung, »Show don’t tell« und dem richtigen Adressieren von Dialogen, hatten wir eine Liste mit Stil-Regeln erarbeitet, die ich beim Schreiben beachten sollte. Die Liste war lang und ich entsprechend gehemmt. Denn immer, wenn ich einen Satz formulierte, fiel mir auf, dass er gegen die eine oder andere Regel verstieß. Also änderte ich den Satz, um gleich darauf festzustellen, dass er jetzt gegen eine andere Regel verstieß. Ich änderte ihn wieder und wieder ab, um ihn am Ende ganz zu löschen. Frustriert gab ich auf und überarbeitete stattdessen die Szene, die wir durchgesprochen hatten, anstatt weiter an der Geschichte zu schreiben. Am nächsten Tag versuchte ich es auf die Weise, mit der ich bisher erfolgreich gewesen war. Ich brachte meine Gedanken – ganz altmodisch – mit einem Stift zu Papier und siehe da, es funktionierte. Weil ich den Satz nicht einfach löschen konnte, blieb er erstmal so stehen und ich konzentrierte mich auf den nächsten und den nächsten und den nächsten. Sie waren allesamt nicht ausgefeilt, aber ich konnte auf diese Weise zirka zwölf Normseiten in zwei Stunden erarbeiten. Anschließend jagte ich den Text durch die Diktier-App und glättete dabei die ersten Unebenheiten. In der Textverarbeitungssoftware arbeitete ich den Text weiter aus.

Weil auf der Liste auch das Überprüfen von Dopplungen, das Ausmerzen des Passivs und die Reduzierung von Adjektiven stand, hatte ich eine Idee. Ich wusste, dass es mit »Papyrus Autor« eine Software gibt, die mir all diese Dinge automatisch anzeigen konnte. Ich lud mir die Demoversion auf den Rechner und was soll ich sagen …
Der Text war ein Meer aus grünen Vierecken, blau unterstrichenen oder rosa durchgestrichenen Wörtern. Ich lernte das Wort »Verbfaulheit« und wurde wieder mit der »Als-Seuche« konfrontiert. Das Programm bietet jede Menge Unterstützung. Der Synonym-Wortschatz ist riesig und die zusätzlichen Erklärungen zu den einzelnen Problemen aufschlussreich. Jedes Füllwort wird gnadenlos gestrichen und wenn man die Passage liest, stellt man fest, dass das Wort tatsächlich überflüssig ist. Das Passiv lässt sich leicht durch die Verwendung eines Verbs oder Artikels zum Aktiv machen und Adverbien und Adjektive lassen sich durch bessere Formulierungen ersetzen. Bei der Arbeit erzieht die Software den Nutzer zu strikteren Formulierungen, da sie knallhart jeden Versuch bestraft, einen Stil-Fehler gegen einen anderen auszutauschen. Man gewöhnt sich recht schnell daran, Füllwörter und Dopplungen zu vermeiden und darauf zu achten, möglichst im Aktiv zu schreiben. Das ist am Anfang unheimlich anstrengend und man braucht für einen Seite eine Ewigkeit, aber je öfter man damit arbeitet, desto schneller kommt man voran.

Was genau hat sich dadurch in meiner Arbeit verändert? Ich achte beim Schreiben darauf, wie ich einen Satz formulieren muss, um den Stil-Regeln zu entsprechen. Bei den folgenden Texten war der Wald an bunten Vierecken und Strichen längst nicht mehr so groß und der Text las sich flüssiger.
Was mir das Programm aber nicht abnehmen kann und was mir nach wie vor große Probleme bereitet, ist das Füllen der »Weißräume«. Wie beschreibe ich eine Szenerie in wenigen Worten? Wie erzeuge ich im Leser ein Bild vom Ort der Handlung? Und wie lasse ich meine Figur agieren, um ihre Gefühle auszudrücken? Das sind die richtig schweren Aufgaben, mit denen ich mich in den nächsten Tagen auseinandersetzen werde.