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Welt im Schmiedefeuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 156 – »Die Schmiede des Meisters« von Oliver Plaschka

Das ich ein Fan des Autors bin, habe ich schon mehrfach erwähnt, um so mehr freut es mich, dass er zur aktuellen Staffel einen Roman beisteuern durfte. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn dem »Meister der Harmonie« gelingt es wiedermal eine rundum gelungenen Geschichte zu erzählen. Die Abläufe passen perfekt ineinander, der Plot ist nicht überladen und auch die Charaktere sind überzeugend. Und da sich die Geschichte um die Meister der Insel in Andromeda auch über die nächsten Staffeln hinziehen wird, ist es nicht weiter schlimm, wenn dieser Roman so gut wie keinen Handlungsfortschritt innerhalb des Staffelkorsetts bietet.

Analog zu Band 154 von Susan Schwartz erzählt Oliver Plaschka ebenfalls die Geschichte aus den Augen einer jungen Frau, die auf einem Planeten der Thetiser lebt. Anders als seine Autorenkollegin widmet sich der Autor dabei keinen ungewöhnlichen Umweltbedingungen, sondern den gesellschaftlichen Umständen auf einer Industriewelt. Die Welt Soom im Kur’shsystem ist eine Diktatur der Arbeit. Arbeit ist das höchste Gut der hier lebenden Thetiser. Sie produzieren ohne nachzudenken, gehen in ihrer Arbeitet auf und opfern ihr ganzes Leben um Meister Molat zu dienen. Eine planetenweite Überwachung, mediale Beeinflussung und bedingungslose Treue zum System begleiten die Bewohner des Systems von der Geburt bis zum Tod. Ein System aus Klassen teilt die Thetiser in Sektionale und Sektorale in Arbeiter und Intelligenz. Beherrscht werden sie von einem Kreis aus Transsektionalen, die dem Meister unterstellt sind und in seinem Sinne regieren sollen. Dass dem nicht immer so ist und dass die Meister der Insel noch viel verschlagener sind, bildet die Grundaussage dieses Gesellschaftsromans. Denn eine Gruppe junger Menschen, die sich L’Urka nennt, verweigert sich dem System und zettelt eine Revolution an. Als die Rädelsführerin öffentlich hingerichtet werden soll, kommt es zu einer überraschenden Intervention durch Meister Molat höchstpersönlich.

Perry Rhodan und Co sind nur Beobachter in diesem »Spiel«, eigentlich sind sie nur Bittsteller ohne die Möglichkeit zu intervenieren. Denn Leibnitz hat mit einer Transsektionalen vereinbart, dass die MAGELLAN im Austausch gegen Posbitechnologie die dringend benötigten Ersatzteile bekommt. So sind Perry Rhodan die Hände gebunden, als die wie Punks auftretenden L’Urka ihn um Hilfe bitten. Der Perry Rhodan der EA hätte nicht lange gefackelt und sich auf die Seite der Aufständigen geschlagen, der NEO-Perry, der bereits miterleben musste, wie sein Eingriff in die Belange einer fremden Spezies zur Katastrophe führte, hält sich auffällig zurück. Selbst als die Mitglieder seines Teams, Luan Perparim und Abha Prajapati, an sein Mitgefühl appellieren, bleibt er hart. Rhodan steht zwischen den Stühlen und zum ersten Mal entscheidet er sich bewusst für seine eigenen Leute. Die Darstellung des moralischen Dilemmas ist Oliver Plaschka, wie ich finde, ausgesprochen gut gelungen. Da schimmerte stellenweise so ein bisschen Star Trek hervor. Das ist intelligent und unterhaltsam erzählt.

Das Schicksal der L’Urka, vor allem das der Protagonistin Gor-Amash und ihrer Freundin der Rädelsführerin La-Roulon, berührt. Nicht nur weil ihre Rebellion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, es ist vor allem das Zwischenmenschliche, was mich berührt. Die beiden jungen Frauen sind mehr als nur Freunde, sie sind Liebende. Eine Liebe, die letztendlich am Scheitern der Revolution und der Arglist des Meisters zerbricht. Der Autor beschreibt die Beziehung feinfühlig und zurückhaltend, wodurch sie Glaubwürdigkeit erlangt.

Die bedeutendste Information, die ich als  Leser aus dem Roman mitnehme, ist jene, die auch Perry Rhodan beschäftigt. Denn Meister Molat richtet sich persönlich an ihn. Es sieht so aus, als würde er Rhodan kennen. Die Frage lautet: woher? Und was bedeutet das letztendlich für die MAGELLAN?

Das die Thetiser einst Menschen waren, wird an einem Detail klar. Die Armbänder, mit denen die Bevölkerung kontrolliert wird, dienen auch dazu, sich vor den Auswirkungen des Nervenfeuers zu schützen. Eines Überbleibsel aus grauer Vorzeit, als sie ihren Heimatplaneten verlassen mussten und unter dem Fehlen der gewohnten Sonnenstrahlung erkrankten. Ähnliche Armbänder tauchten bereits in Band 152 auf.

»Die Schmiede des Meisters« ist ein außergewöhnlicher Roman, in dem Oliver Plaschka mal wieder beweist, dass spannende Science Fiction, emotionale Beziehungsdramen und anspruchsvolle Gesellschaftskritik á la »1984« einander nicht ausschließen. Von mir gibt es daher eine unbedingte Leseempfehlung.

Die Partei und der Pogo

Weil derzeit noch der Wahlkampf tobt und weil die meisten meiner Lesern nichts mit Punk am Hut haben, möchte ich heute eine Partei vorstellen, die vor allem in den Neunzigern und Zweitausendern auf der politischen Bühne in Deutschland mitgemischt hat.

Zugegeben, die »Anarchistische Pogo Partei Deutschlands« – kurz APPD – war nicht wirklich erfolgreich. Sie war vor allem eine Spaßpartei, deren Argumentation zur Arbeit erst auf den zweiten Blick einen tieferen Sinn ergab. Für die meisten Menschen sind die Slogans »Arbeit ist Scheiße« und »Saufen, Saufen, nochmal Saufen« bis heute Sinn befreit. Aber die Partei bot damals Menschen eine Stimme, die bewusst am Rand der Gesellschaft lebten und provozieren wollten. Gegen das System und gegen die Verlogenheit der Politik.

Anlässlich der kommenden Bundestagswahl hat der Spiegel ein Interview mit Karl Nagel geführt, dem ehemaligen Parteivorsitzenden der APPD. 1998 ließ sich der Hamburger sogar als Kanzlerkandidat für die APPD aufstellen. Im Gespräch mit dem Spiegel wird klar, dass es zwar den Punks damals in erster Linie um den Spaß ging, es aber auch einen ernsten politischen Hintergrund gab. Wenn die großen Parteien ihre Wähler an der Nase herumführen können und Dinge versprechen, die sie dann nicht halten, so sollten auch andere das Recht haben, mit Schwachsinn zu werben. Quasi als Protest und Provokation gegenüber den bürgerlichen Parteien.

Ich finde das Interview wirft einen ernsthaften Blick in die Vergangenheit der deutschen Punk-Szene und regt zum Nachdenken an, über Politik, Gesellschaft und wofür Punk wirklich steht.

Ich bin ja erstaunt, dass ausgerechnet der Spiegel dieses Interview abgedruckt hat. Es gibt auf der Seite auch eine Fotostrecke zum Thema APPD und einen Wahlwerbespot, der damals tatsächlich so im Fernsehen gelaufen ist.

Hier der Direktlink auf die Seite vom Spiegel-Interview es lohnt sich.

http://www.spiegel.de/einestages/punk-partei-appd-als-karl-nagel-pogo-kanzler-werden-wollte-a-1168637.html

Begegnung mit Lem

14.000 Zeichen, so viel habe am Montag auf der Zugfahrt für meinen Roman geschrieben. Damit bin ich auf die Zielgerade eingebogen. Es wird langsam eng für meinen Protagonisten, die Handlung verdichtet sich und das große Finale wirft seine Schatten voraus. Noch ein paar solcher Zugfahrten und ich darf ENDE unter die Geschichte schreiben. Es sind zwar mehr Seiten geworden, als ich gedacht habe, aber mehr Fleisch an einem Text kann nicht schaden, denn es wird beim Überarbeiten sicher noch einiges wegfallen.

Für meine Blogleser, veröffentliche ich heute mal wieder einen Appetithappen vom Anfang meines nicht mehr so geheimen Geheimprojekts. Mein Protagonist Pogo hat inzwischen eine neue Mitbewohnerin. Die junge Mandy ist bei ihm eingezogen. Das Mädchen stellt Pogos Geduld gehörig auf die Probe. Dabei findet er in Mandy genau das, was er verloren glaubt – jugendlichen Eifer.

Zehn Minuten später steht sie in der Tür. Sie trägt schwarze Leggins, aus denen ihre dünnen Beine wie Hühnerfüße herausragen. Der löchrige Pullover hängt ihr wie ein Lumpen am Körper. Ihre bunten Haare stehen unmotiviert nach allen Seiten ab, aber dafür ist ihr Gesicht wieder sauber. Ihre Finger nesteln an den Ärmeln des Pullis, ziehen sie in die Länge.
Ich versuche sie zu ignorieren, lese weiter in dem alten Taschenbuch vom Aufbau-Verlag, dass ein Belgier geschrieben hat. Und obwohl mich der Krimi fesselt, bin ich durch Mandys Anwesenheit abgelenkt. Aus den Augenwinkeln heraus beobachte ich, wie sie auf der Türschwelle steht und von einem Bein aufs andere tritt. So, als traue sie sich nicht in die Höhle des Löwen. Die Aktion in der Küche hat sie tatsächlich verunsichert.
Irgendwann kommt sie doch herein und streift wortlos durch mein Zimmer. Ihr Blick huscht unruhig hin und her, als suche sie nach etwas, das sie nicht findet. Mit enttäuschter Miene bleibt sie schließlich neben meinem Bett stehen.
»Hast du kein Fernseher, oder was?«
Ich schüttele den Kopf, ohne zu ihr aufzusehen. »Nein, den Fernseher hat mein Ex-Mitbewohner mitgenommen. Ich kann mir die Rundfunkgebühren eh nicht leisten.«
»Und was ist das da?« Sie deutet auf meinen Mac-Performa.
»Das ist mein Computer, der ist absolut tabu für Dich. Sollte ich dich auch nur in der Nähe des Teils antreffen, bist du tot, verstanden?«, drohe ich mit dem Finger und meine es vollkommen ernst. Der Computer ist der einzige Besitz, der mir etwas bedeutet, nicht nur weil er mein Werkzeug ist.
Ihr Blick wandert unsicher zwischen mir und dem Mac hin und her, dann lässt sie die Schultern hängen. »Das ist doch scheiße, ohne Fernseher. Total langweilig.« Dabei ist ihr Ton vorwurfsvoll, beinahe anklagend. »Was soll ich’n jetzt machen ohne Fernsehen?«
Ich verschweige ihr lieber, dass der Computer einen integrierten TV-Tuner hat. Schulterzuckend und ohne sie eines direkten Blickes zu würdigen, schlage ich stattdessen vor: »Lies ein Buch!«
Der Gedanke scheint ihr nicht zu gefallen. Denn das verächtliche Stöhnen ist nicht zu überhören. Jetzt sehe ich doch zu ihr auf. »Was hast du gegen gute Geschichten?« Ich mag nicht glauben, dass es jemanden gibt, der grundsätzlich gegen Literatur ist.
Sie rümpft wieder ihre Stubsnase. »Lesen fetzt nicht.«
»Wer sagt das?«
»Das weiß doch jeder!«, nuschelt sie und blickt zu Boden während ihr rechter Fuß in der bunten Stricksocke immer wieder gegen die Europalette tritt, auf der meine Futonmatratze liegt.
Ich lege den Krimi zur Seite und rappele mich auf. Mit einem sanften Schubs befördere ich sie zu dem, aus Bierkisten zusammengezimmerten, Bücherregal an der gegenüberliegenden Wand, in der auch der Plattenspieler steht. Die LP muss ohnehin gedreht werden. Das erledige ich gleich, dann greife ich wahllos in die Bücherfront und hole ein Buch heraus, das ich ihr feierlich überreiche. »Hier, damit ist dir bestimmt nicht langweilig.«
Sie nimmt es in die Hand und dreht es hin und her, als hätte sie nie zuvor ein Buch gesehen. Dann bleibt ihr Blick am Titel hängen. »Solaris? Von was handelt’n das?«
»Von einem Raumfahrer und einem geheimnisvollen Ozean auf einer fremden Welt.«
»Das ist doch nicht etwa so’ne Science Fiction Scheiße?«
»Nein keine Scheiße, das is’n echter Klassiker«, verteidige ich den alten Lem.
Sie streckt mir das Buch entgegen und fragt stirnrunzelnd: »Hast du auch was, das nich’ für Jungs is‘?«
»Das können auch Mädchen lesen«, widerspreche ich und schmeiße mich wieder auf mein Bett.
Sie bleibt eine Weile unschlüssig stehen, hält das Buch wie etwas Schmutziges, ihr zutiefst Verhasstes.
»Take it or leave it!«, murmle ich vor mich hin und nehme wieder meine eigene Lektüre zur Hand. Als sie gehen will, frage ich beiläufig: »Sag mal, wie alt bist du eigentlich?«
Sie zuckt zusammen.
»Das hab ich dir gestern schon erzählt«, sagt sie protestierend und fügt herausfordernd hinzu: »Vielleicht solltest du weniger saufen, da bleiben auch deine Gehirnzellen intakt.«
Ich muss mich wirklich zusammenreißen, um meine Überraschung nicht zu offensichtlich werden zu lassen. Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir ihre Respektlosigkeit. Ich tue so, als hätte sie nichts gesagt und widme mich wieder meinem Buch, während sie stehenbleibt und mich herausfordernd ansieht. Keiner von uns redet, nur die Musik ballert aus den Lautsprechern.
Dann geht sie. Das Buch nimmt sie mit.

Neues von der kotzenden Unschuld

Quelle: Unsichtbar-Verlag.de

Der (für mich) Nobelpreisverdächtige Autor und Lyriker Dirk Bernemann hat im Juni den vierten Band von »Ich habe die Unschuld Kotzen sehen« veröffentlicht. Unter den Untertitel: »Das leise Verschleißen der Gegenwart« präsentiert er gewohnt morbide, unbequeme und auch abstoßende Kurzgeschichten aus der Brutalität des Alltags. In jeder Geschichte findet sich ein Teil der vorherigen wieder und man ist als Leser gespannt, welchem Detail man auf den nächsten Seiten erneut begegnen wird.

Bernemann ist schonungslos mit seinen Figuren und seinen Lesern. Sein Credo: es gibt keine Sicherheit. Er provoziert, sein Schreiben ist Punk. In den Texten geht es oft um Tod und Sterben, manchmal still aber auch oft mit Gewalt, wie in der Geschichte »Das Pferd«. Dieses Mal inszeniert er am Ende sogar die Apokalypse, und zeigt, dass selbst Gott bei Entscheidungen nicht immer ein glückliches Händchen besitzt.

Seine Geschichten zu lesen, erfordert Mut und eine positive Grundeinstellung, denn so mancher Text trifft so tief, dass ein schwaches Gemüt davon aus der Bahn geworfen werden könnte. Warum ich das Buch dennoch fast verschlungen habe, liegt an der Sprache des Autors. Ich kann es nicht beschreiben, man muss es schon selbst lesen, um die Faszination zu verstehen, die aus seinen Wortschöpfungen und seinen Sätzen hervorgeht.

Die Gedanken in »Das leise Verschleißen der Gegenwart« sind noch düsterer und ohne Hoffnung als die Bände zuvor. Was viel über den Gemütszustand des Autor erzählen mag und was mich ein wenig besorgt. Es klingt noch stärker als in seinen bisherigen Romanen nach einem Menschen der zutiefst unglücklich ist, vor allem über sich selbst und die Welt in der wir leben. Sein Unglücklichsein steckt an und deshalb konnte ich das Buch auch nicht an einem Stück lesen. Obwohl ich es gern getan hätte. Denn Bernemanns Geschichten haben auf mich noch einen anderen Einfluss – einen sehr positiven wie ich finde. Wenn ich Texte des Autors gelesen habe, schreibe ich selbst besser. Und das ist ein Kompliment, was ich bisher noch keinem Autor machen konnte.

»Ich habe die Unschuld Kotzen sehen« Band 4 erschien im Unsichtbar Verlag und ist als limitiertes Hardcover oder E-Book im Buchhandel oder auf den einschlägigen Onlineplattformen erhältlich.

Wer sich mit dem ungewöhnlichen Stil von Dirk Bernemann vertraut machen möchte, kann das in seinem Blog tun. Oder aber sich eine Leseprobe seiner Werke in den E-Book-Stores herunterladen.

Schlüpfriges im Zug

17.000 Zeichen auf 450 Kilometern in knapp fünf Stunden. Das war mein Werk vom Montag. Ich schrieb im Zug mal wieder an meinem Punkroman und es lief richtig gut. Was könnte ich wohl alles schreiben, wenn es auch zu Hause so klappen würde. Obwohl, manchmal habe ich auch da Tage, an denen alles passt.

Das beste jedoch war der Inhalt des Kapitels an dem ich gearbeitet habe. Ein paar mal blickte ich auf und sagte zu mir: Wenn die Leute um mich herum wüßten, worüber ich da gerade schreibe? Viele wären wahrscheinlich vor Scham im Boden versunken, die meisten hätten zumindest einen roten Kopf bekommen. Ich schrieb zwar keine offensichtliche Sexszene, aber es ging um Pornographie. Meine beiden Protagonisten sehen sich gemeinsam einen Porno an. Das Beschreiben der Handlungen und die Reaktionen meiner Figuren darauf machte mir richtig viel Spaß. Ich hoffe, dass es dann für die Leser ebenso lustig ist.

Zum Glück kann noch keiner Gedankenlesen, sonst wäre es für mich ziemlich peinlich geworden. So fand ich es ausgesprochen cool, in der Deutschen Bahn zwischen völlig unbeteiligten Menschen zu sitzen und mit sexuellen Phantasien zu jonglieren. Das verlieh dem Schreiben einen besonderen Reiz.

Sexszenen schreiben im ICE, ich finde, dass sollte jeder Autor mal ausprobieren. Es sei zur Nachahmung unbedingt empfohlen.

Punkrock-Wundertüte

56!

Genauso viele Kurzgeschichten beinhaltet der Sammelband, der den etwas langweiligen Namen »Punk Stories« trägt. Ich habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder darin gelesen. Allen Geschichten ist eines gemeinsam, jeder Autor stellt eine bekannte Punkrockband in den Mittelpunkt. Mal schwelgen die Autoren in Nostalgie, mal erzählen sie dokumentierte Begebenheiten und mal auch erdachte Geschichten, jeder in seinem Stil und jeder anders. Manches gefiel mir gut, mit anderem konnte ich weniger anfangen. Am besten im Gedächtnis blieb mir die Kurzgeschichte, welche »Die Kassierer« in den Mittelpunkt stellte.  Darin ging es um Außerirdische, die im Ruhrgebiet Unterschlupf suchen. Das war so richtig Punk.

Auch wenn ich das Buch mehr aus Recherchegründen las, unterhaltsam war die Lektüre allemal. Vor allem muss man diesen Kurzgeschichtenband nicht am Stück lesen, sondern kann immer wieder darin herumschmöckern. Und nebenbei noch ein Stück Punkrockgeschichte erleben, geschrieben von deutschen Autoren, die irgendwann mal Punks waren oder noch heute sind. Darunter so bekannte Namen wie Anne Hahn, Jan Off und Arne Rautenberg. Nur den Namen Klaus N. Frick habe ich in der illustren Runde vermisst.

»Punk Stories« erschien schon 2011 bei LangenMüller und ist auch als E-Book erhältlich.

Mein punkiger Beitrag zum Conbuch

Das Conbuch der 2. Perry Rhodan Tage Osnabrück

Vor lauter Urlaub, Redaktionsschluss und Con-Nachwehen habe ich doch glatt vergessen zu erwähnen, dass ich mit einem Beitrag im Conbuch der 2. PR-Tage Osnabrück vertreten bin. Die etwas ausgefallene Geschichte heißt »Der Weltraumpunk« und handelt von einem jungen Mann, der nach durchzechter Nacht in einer heiklen Situation erwacht. Dabei muss er sowohl den Reizen zweier Androidinnen bestehen, als auch seiner Mutter, die eine unliebsame Überraschung für ihren, dem Punkrock zugeneigten, Sohn hat.

Die Geschichte entstammt einer spontanen Idee und war meine eingereichte Textprobe beim Kurzgeschichtenseminar in Wolfenbüttel. Damals hatte ich nur acht Normseiten zur Verfügung und konnte die Geschichte nicht so zu Ende erzählen, wie ich es gern getan hätte. Weshalb ich sie mit einem offenen Ende versah. Woraufhin mir von einem der Seminarleiter bescheinigt wurde, dass der Plot ziemlich dünn sei. Manchmal braucht es eben länger, um eine Geschichte zu erzählen. Ich nutzte die Gelegenheit, den Text zu überarbeiten und einen neuen, originellen Schluss zu schreiben.

Dass die Geschmäcker von Lesern höchst unterschiedlich sind, beweist die Tatsache, dass meinem Mann der neue Schluss der Geschichte nicht so gut gefällt, wie das offene Ende zuvor. Mir war jedoch wichtig die Geschichte so zu erzählen, wie ich sie geplant hatte. Und ich war froh, dass sie im Conbuch einen Platz gefunden hat.

Denn in der kleinen Publikation ist sie in bester Gesellschaft. Neben weiteren Kurzgeschichten – u.a. von Alexandra Trinley, die ebenfalls einen Text aus einem Schreibseminar verarbeitete und einer originellen Erzählung von Norbert Fiks, in der er die »Helden seiner Jugend« wieder auferstehen und interagieren lässt – finden sich viele spannende Texte zu Perry Rhodan und Co.

Das Conbuch ist im Space-Shop der PRFZ erhältlich und kostet für Mitglieder 4 Euro und Nichtmitglieder 7 Euro.

»Nichts ist neu« …

Quelle: www.love-a.de

… heißt das neue Album von Love A, dass ich heute morgen auf meinem iPad gefunden habe. Ich hatte es schon vor einem Monat bei iTunes vorbestellt, heute kam es heraus und weil ich es so fantastisch finde, lief es heute den ganzen Tag.

Mit »Nichts ist neu« will das Quartett aus Trier zeigen, dass sich Geschichte wiederholt. Doch entgegen dem Titel haben die Musiker viel Neues in das Album gesteckt. 12 starke Titel in vertrauter Manier mit unglaublich tollen Texten, flott und dennoch melodisch. Das ist intelligent gemachter Punkrock, der reinhaut.

Bereits das letzte Album von Love A »Jagd und Hund« hatte mir gut gefallen. »Nichts ist neu« finde ich aber noch eine Spur besser, vor allem noch bissiger. Da wird die Gesellschaft kritisch unter die Lupe genommen und die Probleme unserer Zeit in knackigen Texten entblößt. In »Weder noch« geht es beispielsweise um Vorurteile gegen Ausländer und in »Löwenzahn« setzen sich die Musiker mit der deutschen Mentalität und dem Hang zur Abgrenzung auseinander. Da heißt es »… und der Deutsche ist wie immer unzufrieden. Im Sommer viel zu warm. Im Winter viel zu kalt. Mensch, Rommel wärst du doch zuhaus‘ geblieben …« Aber nicht nur politische Ansagen verarbeitet die Band aus Trier, sondern es kommen auch private Probleme über Trennung zur Sprache. Haupttenor der Platte ist und bleibt aber die Kritik an der politischen wie gesellschaftlichen Gegenwart. So frisch aus dem Herzen formuliert, ohne erhobenen Zeigefinger, bekommt man das selten zu hören. Unterstrichen von treibenden Beats macht das Anhören auch Menschen wie mir Spaß, die sonst keinen Bezug zur Szene haben.

Gesellschaftskritik in Geschichten verpackt, begleitet von sensationeller Musik … so muss deutscher Indie/Post-Punk klingen, um mich restlos zu begeistern. Toll! »Nichts ist neu« wird bei mir wohl in den nächsten Wochen noch öfter laufen. Bei so viel Qualität gebe ich gern Geld aus und würde die Band auch gern mal Live sehen.

»Nichts ist neu« erscheint bei RookieRecords und ist bei iTunes und anderen Download-Plattformen zu haben. Ich bin mir sicher, dass es auch für die Vinyl-Liebhaber wieder eine Vinyl-Sonderpressung gibt.

Love A hat zum Album auch ein cooles Video produziert.

Fahren und schreiben

Inzwischen fahre ich so selten Bahn (im April keinen einzigen Kilometer), dass ich jeder Fahrt entgegenfiebere. Das liegt aber nicht daran, dass ich den schlechten Service der Deutschen Bahn vermissen würde. Nein, das ganz sicher nicht. So hatte ich am Donnerstagabend einen kleinen Disput mit dem Fahrscheinautomaten. Die neue Software ist noch blöder als die alte. Ich begreife nicht, wie es den Entwicklern immer wieder gelingt, etwas Schlechtes noch zu verschlechtern.

Egal, der Grund für meine Vorfreude war … ich konnte endlich wieder ungestört an meinem Punkroman arbeiten. Heute waren sogar fünf Stunden drin, in denen ich eines der wichtigsten Kapitel des Romans verfasste. Einen Konflikt der sogar mit Waffen ausgetragen wird, allerdings mit unüblichen Waffen. Am Ende kam eine mehrseitige Actionszene heraus, die mich sehr gefordert hat und für die ich lange recherchiert habe. Ich hoffe mal, dass sie später für den Leser glaubhaft ist.

Jedenfalls hatte ich heute sehr viel Spaß und ich freue mich auf Montag, an denen ich wieder fünf Stunden mit dem Zug unterwegs sein werde. Schließlich muss ich meinen beiden Protagonisten eine kleine Verschnaufpause verschaffen, bevor sie es dann sein werden, die in den Zug steigen. Auf diese Szene freue ich mich jetzt schon.

Ich hoffe nur, dass die Deutsche Bahn am Ende nicht noch an dem Roman beteiligt werden will.

Die ganze Stadt war plötzlich voller Wal

Die Textzeile stammt aus einem Lied der Punkband Love A. Irgendwie muss das in mein Unterbewusstsein eingedrungen sein, denn vergangene Nacht träumte ich genau davon.

Eine Stadt – an den Häusern klebt brauner Schlamm. Er ist schon getrocknet, denn es staubt, wenn man die Straßen entlang geht. Tage zuvor muss eine Flutwelle die Häuser überrollt haben. Die Mauern sind zwar intakt geblieben, doch in den Straßen und auf den Dächern liegen riesige Wal-Kadaver. Auf einer Fabrikhalle gammelt ein Pottwal vor sich hin und auf den Dächern mehrerer Garagen liegen vier Wahlhaie, die Finnen in den Himmel gestreckt. Ich sehe keine Menschen, nur tote Wale. Irgendjemand hat begonnen die Kadaver einzusammeln. Auf einem großen Platz liegen sie nach Gattung nebeneinander gereiht, vielleicht fünfzig Tiere. Direkt vor mir liegen drei Orcas, weiter vorn entdecke ich Buckelwale. Ich gehe über den Platz und staune. Bei dem Gedanken, warum von den toten Walen kein Gestank ausgeht, wache ich auf.

Mhm! Seltsam, was man so träumt. Manchmal träume ich ganze Spielfilme. Letztens haben ich gegen Terroristen ermittelt. Interessanterweise kann ich mich nach dem Aufwachen noch ziemlich genau daran erinnern, oftmals ergibt es dann aber keinen Sinn mehr. Nur hin und wieder bleibt ein Gedanke oder ein Bild hängen, dass ich interessant finde und das mich über Jahre hinweg verfolgt. Vielleicht sollte ich mir diese Ideen notieren und irgendwann in Geschichten verarbeiten.