Christinas Multiversum

Ansichten, Rezensionen, Kommentare

rainbow

Der forcierte Zerfall einer Gemeinschaft

Ich möchte heute eine kleine Geschichte erzählen, die sich möglicherweise genauso zugetragen haben könnte.

Es war einmal ein Planet mit vielen Bewohnern. Manche der Bewohner waren überaus intelligent, andere … nun ja … man weiß es nicht genau.

Vor vielen Jahren hatten sich auf dieser Welt zwei Großmächte verbündet, um einen Krieg gegen die Fraktion einer kleineren Macht zu führen, die damals noch keine war. Als der Krieg beendet war, zerfiel der kurzeitige Zusammenschluss der beiden Großen, und sie begannen damit, einen Krieg ohne Waffen gegeneinander zu führen. Die vielen Fraktionen auf dem Territorium zwischen den beiden großen Mächten vereinten sich indes zu einem Bündnis und formten eine dritte, kleinere Macht. Diese wuchs mit der Zeit und wurde immer größer und stärker. Grenzen fielen und alle Fraktionen der Gemeinschaft lebten solidarisch zusammen.

Das war den beiden Großmächten ein Dorn im Auge. Denn die kleinere Macht tat sich an, ihnen den Rang abzulaufen und sie an wirtschaftlicher und politischer Stärke auf dem ganzen Planeten zu übertrumpfen. Es galt also etwas zu unternehmen, um diese Macht zu schwächen. Weil das aber nicht offiziell und auf kriegerischem Weg ging, dachten sich die Hintermänner der Großmächte einen perfiden Plan aus, um die Gemeinschaft der Fraktionen auseinanderfallen zu lassen. Sie nutzten die Tatsache aus, dass das Bündnis sehr liberal und vor allem sehr solidarisch war.

Erst schürten sie Unruhen in den Grenzländern des Bündnisses. Diese gehörten zwar nicht dazu, standen aber an der Schwelle zur Mitgliedschaft. Die eine Großmacht annektierte sogar einen Teil eines solchen Landes, weil sie wusste, dass das Bündnis sich für den Mitgliedskandidaten einsetzen würde. Beide Großmächte verfügten außerdem Embargos und Handelsabkommen, welche das Bündnis schwächen sollten. Doch das alles funktionierte nicht so richtig.

Somit griffen sie zu drastischeren Mitteln und führten einen Stellvertreterkrieg in einem Land ihrer Wahl, das weit genug weg von ihnen lag, aber nah genug, damit eventuelle Kriegsflüchtlinge in das Territorium der Gemeinschaft fliehen konnten. Sie versorgten einfach zwei verfeindeten Parteien mit Waffen und sahen zu, wie diese das Land in Schutt und Asche legten. Wie erwartet flüchteten die Bewohner zunächst in die Nachbarländer. Als der Konflikt aber nicht endete, weil die beiden Großmächte weiterhin mit ihren Waffenlieferungen das Feuer schürten, wanderten die Flüchtigen weiter. Sie wurden mit offenen Armen vom Bündnis empfangen, was aber dazu führte, dass Menschen aus anderen Ländern das sahen und verständlicherweise nun ebenfalls dorthin wollten. Die Schwämme an Flüchtlingen führte tatsächlich zu Streitereien innerhalb der Gemeinschaft. Keiner wollte die vielen Menschen aufnehmen, es wurde gestritten und gefeilscht und die einstigen Grenzen wieder abgeschottet und verteidigt, damit ja keine ungebetenen Gäste mehr herein kamen. Die Lage beruhigte sich etwas, schwelte aber unter der Oberfläche weiter.

Die beiden Großmächte dachten sich daraufhin neue Aktionen aus, um das Bündnis in die Knie zu zwingen. Das Mittel ihrer Wahl war die Manipulation von Daten und Menschen über das weltweite Datennetz. Nutzer wurden getäuscht und Wahlen manipuliert. So kam es, dass die erste Fraktion nach einer beeinflussten Abstimmung aus dem Bündnis austrat. Doch statt die Verbliebenen nun gemeinsam an einem Strang zogen, zerstritten sie sich noch mehr. Politisch hetzte einer gegen den anderen, Misstrauen wurde gesät und Vorurteile gepflegt, die längst überwunden schienen. Damit verschob sich das Gleichgewicht von liberalen zu radikalen Ansichten. Was dazu führte, das immer mehr Populisten an die Spitze der einzelnen Fraktionen gelangten.

Der wichtigste Schachzug aber war, als eine Großmacht der anderen half, einen Präsidenten zu wählen, der so unberechenbar war, dass er die ganze Welt zuerst in Verwirrung und anschließend in einen globalen Konflikt zu stürzen drohte. Das alles geschah nur, um das Bündnis von den eigentlich wichtigen Dingen, nämlich dem Erhalt von Freiheit und wirtschaftlicher Zusammenarbeit abzulenken. Weitere Aktionen halfen dabei: vergiftete Spione, Handelskriege mit der vierten Macht, Skandale um Fahrzeuge mit unzureichenden Verbrennungsmotoren und immer wieder bewaffnete Konflikte und Terroranschläge.

Weil die Fraktionen innerhalb der Gemeinschaft unterschiedlicher Meinung waren, welcher Großmacht ihre Loyalität galt, zerstritten sie sich immer mehr. Sie ließen sich in die Konflikte hineinziehen und gingen geschwächt und mit materiellen sowie finanziellen Verlusten daraus hervor. Das Bündnis zerfiel, weil jede Fraktion glaubte, es allein besser machen zu können. Diejenigen, die dabei auf der Strecke blieben, waren die Bewohner des Planeten. Denn ihre Vision, dass alle friedlich miteinander zusammenleben könnten, starb zusammen mit dem Bündnis.

Die Gemeinschaft der Fraktionen hätte ein Zeichen für die ganze Welt setzen können, doch sie zerbrach an Misstrauen und Egoismus, weil sie die Gefahr, die von den Hintermännern der Großmächte ausging, nicht sahen oder sie ignorierten.

Leave a Reply