Christinas Multiversum

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Zwischen den Dialekten

Da ertappe ich mich doch unlängst bei einem Gespräch mit meinem Mann, dass ich chinesisch wie ein Bayer aussprechen, also mit »k« statt mit »sch«.

Seit ich in Waging arbeite und nicht mehr so oft in die »große weite« Welt (sprich nach München) hinaus komme, geht es mit meinem Hochdeutsch bergab. Immer häufiger schleichen sich bairische Ausdrucksweisen in meinen Wortschatz. Da hilft dann nur ein Wochenende in meiner thüringischen Heimat, um das wieder ins Lot zu bekommen. Laut meinem Mann fange ich nämlich sofort, wenn ich dort ankomme, damit an, thüringisch zu reden. Ich selbst merke das nicht oder erst wenn ich wieder zurück in Waging bin. Dann wiegt das Thüringische nämlich das Bairische auf und es bleibt ein einigermaßen vernünftiges Hochdeutsch übrig.

Es ist schon seltsam, wie schnell man einen fremden Dialekt annektiert. Zumindest geht mir es so. Wenn ich den Kollegen am Pausentisch so zuhöre, bin ich immer wieder fasziniert. Ich schnappe fast jede Woche neue Wörter auf und füge sie meinem wachsenden Bairisch hinzu. Letzte Woche lernte ich das Wort »Fotzbloadder« (Herpesbläschen), das steht nicht mal im bairischen Wörterbuch.

Da wir nah an der österreichischen Grenze wohnen, habe ich hin und wieder beruflich mit diversen Architekten und Behörden aus Österreich zu tun. Auch hier gibt es jede Menge neue Wörter zu entdecken … Oder weiß in Deutschland jemand, was eine »Kastralgemeinde« ist? – Das ist nichts Unanständiges und hat auch nichts mit Kirchen zu tun. Es bezeichnet den Geltungsbereich eines Grundbuchs, der muss nicht unbedingt mit der politischen Gemeinde übereinstimmen.

So erweitere ich meinen Wortschatz – ich darf das Gelernte nur nicht in die eigene Sprache übernehmen, dann ist alles gut.

7 Responses to “Zwischen den Dialekten”

  1. September 7th, 2017 at 22:21

    Oliver Müller says:

    Das stimmt. Ein Freund, der zuerst von hier in die Gegend von Frankfurt und dann weiter nach Wien zog, übernahm den Dialekt auch rasend schnell. Grausig. :-D

  2. September 7th, 2017 at 23:10

    Alexandra says:

    Bayerisch lernen ist immer gut.

    Und mit der „Kastralgemeinde“ hast du mir grad‘ Munition gegeben …

  3. September 8th, 2017 at 7:17

    Johannes Kreis says:

    Wenn du Hochdeutsch verinnerlichen möchtest, dann komm mit nach Bielefeld! Dort ist mir sogar mein Rheinhessisch vergangen.

  4. September 8th, 2017 at 15:40

    Carsten says:

    Dann freut es Dich sicher zu hören, dass „Hochdeutsch“ aus dem Bairischen hervorgegangen ist.
    Du meinst doch sicher „Standarddeutsch“ *duckundwegrenn*

  5. September 8th, 2017 at 17:02

    Christina Hacker says:

    Weshalb die Schwaben auch behaupten, sie könnten alles, außer Hochdeutsch. :-)

  6. September 11th, 2017 at 7:05

    Johannes Kreis says:

    @Carsten: Ich meinte natürlich Oxford-Deutsch.

  7. September 21st, 2017 at 12:40

    Carsten says:

    @Johannes: Das würde ja stimmen, wenn Oxford-Englisch ein „Standardenglisch“ wäre. Auch das so ein weiterverbreitetes Missverständnis…

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